Marschbahn-Strecke nach Sylt : Nach dem erneuten Verkehrschaos in Westerland: „Eine katastrophale Situation“

Kein Vorankommen: Bis zu vier Stunden mussten Autofahrer an der Autoverladung warten.

Kein Vorankommen: Bis zu vier Stunden mussten Autofahrer an der Autoverladung warten.

Kilometerlang standen die Autos am Wochenende in einem Megastau durch den Westerländer Innenstadtbereich. Gleisschäden auf der Marschbahnstrecke behinderten erheblich den Bahnverkehr.

shz.de von
28. Mai 2018, 06:35 Uhr

Sylt | Abreiseverkehr extrem: Kilometerlang standen die Autos am vergangenen Sonnabend Stoßstange an Stoßstange in einem Megastau durch den gesamten Westerländer Innenstadtbereich. Grund für das Verkehrschaos auf den Straßen lag auf den Schienen: Gleisschäden auf der Marschbahnstrecke behinderten erheblich den Bahnverkehr. Bei Messungen war nach Angaben der Deutschen Bahn festgestellt worden, dass mehrere Schienenteile zwischen Bredstedt auf dem Festland und Morsum auf Sylt beschädigt sind. Die Züge durften deshalb an diesen Stellen höchstens Tempo 20 fahren.

Die Folge war gravierend: Es gab Zugausfälle und Verspätungen im Personenverkehr, zudem konnte nur ein Autozug pro Stunde und Richtung auf die Gleise gehen. Das führte im Laufe des Tages zu bis zu vier Stunden Wartezeit für die Autofahrer an der Verladung. Die Menschen stiegen aus ihren Fahrzeugen und warteten in der prallen Sonne auf ein Weiterkommen. Freiwilligen Stauhelfer, unter anderem vom Deutschen Roten Kreuz und dem Harley-Davidson Sylt-Chapter, versorgten die Wartenden mit Getränken, Obst, Würstchen und freundlichen Worten.

Angesichts der Gleisschäden meldete sich Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz am Sonntag zu Wort: „Das ist eine katastrophale Situation“, zürnte er. Dass diese Strecke nicht in den Griff bekommen ist, sei bedauerlich für die Gäste und für die vielen Pendlerinnen und Pendler. „Die Deutsche Bahn liefert seit Monaten nicht das, was sie nach dem Verkehrsvertrag zu leisten verpflichtet ist“, betonte Buchholz. Aus diesem Grund habe das Verkehrsministerium vor einigen Monaten Straf-Sanktionen in Form von Sondermaluszahlen für die Deutsche Bahn festgelegt. Nun würde er über eine Verschärfung dieser Sanktionen nachdenken. Langfristig sei jedoch das wichtigste Ziel, die Zweigleisigkeit auf der Strecke voranzubringen. „In die Marschbahnstrecke ist lange nicht genug investiert worden. Sie wird nur dann stabil laufen, wenn die Infrastruktur erweitert wird“, so der Verkehrsminister.

Kreispräsident Heinz Maurus richtete am Sonntag aufgrund der massiven Verspätungen und Ausfälle einen „verzweifelten Hilferuf“ an Ronald Pofalla, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bahn und in dem Konzern für die Infrastruktur zuständig. „Was sich hier auf Sylt und auf der Stecke Hamburg - Westerland seit Dezember 2016 abspielt, ist ein Skandal und spottet jeder Beschreibung“, so Maurus an Pofalla. „Unter Sicherheitsgesichtspunkten mussten wir Langsam-Fahrstellen einrichten“, erklärte Pofalla in seiner Antwort. „Eine Alternative gab es nicht, wenn man die Sicherheit als erste Priorität ansieht.“ Das sei „natürlich ein maximaler Schaden! Das ist wirklich nicht gut“, bekräftigte der ehemalige CDU-Bundesminister und erklärte, dass der zweigleisige Ausbau „längst in der Planung“ sei. „Aber das wird Jahre dauern. Von unserer Seite wird aber alles gemacht, um das zu beschleunigen.“

Auch der Bürgermeister der Gemeinde Sylt fand gegenüber der Sylter Rundschau klare Worte über das Verkehrschaos am Sonnabend: „Es war ein Tag mit stark wechselnden Gefühlen“, so Nikolas Häckel. „Leider haben die Deutsche Bahn und die Bundesregierung mit dem Zustand der Bahninfrastruktur mal wieder unseren Tourismus sabotiert - das ärgert mich unglaublich. Wir tun so viel, um unseren Gästen einen tollen Urlaub zu bieten, An- und Abreise sind jedoch desaströs.“

Um das Abreisechaos zumindest abzumildern und die Innenstadt nicht vollends zu blockieren habe die Gemeinde den Poller Andreas-Dirks-Straße abgesenkt. „Ich stand im Kontakt mit der Polizei, um Möglichkeiten der verkehrlichen Ordnung zu besprechen.“ Ein besonderer Dank seinerseits gehe an die vielen freiwilligen Stauhelfer, die die Wartenden mit Erfrischungen versorgt und auch die Vierbeiner bedacht haben. „Dank des Engagements vieler konnte das durch den schlechten Zustand der Gleisinfrastruktur verschärfte Abreisechaos bis zum Nachmittag bewältigt werden - diese Zusammenarbeit macht mich glücklich und stolz“, so Häckel.

In der Nacht zum Sonntag begann die Bahn mit den Reparaturarbeiten und dem Einsatz einer Schienenschleifmaschine. Die meisten schadhaften Stellen zwischen der Insel und Niebüll seien dabei beseitigt worden, sagte der Sprecher der Deutschen Bahn. Die Arbeiten auf diesem Abschnitt sollten in der Nacht zum Montag abgeschlossen werden. Dann werde man die übrigen schadhaften Stellen südlich von Niebüll angehen. Eine Prognose zur Dauer der Reparaturen konnte der Sprecher nicht abgeben. Am Montag sollen allerdings erneut 14 Regionalexpresszüge ausfallen, sieben in jede Richtung. Normalerweise verkehren rund 30 Personenzüge pro Tag und Richtung.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen