Frauen in der Politik : Forderung in Niebüll: Mehr Frauen in Führungsposten

Führungsfrauen: Astrid Damerow (v.l.), Nicole Saballus, Anne Hansen, Angela Freytag und Kornelia Klawonn-Domin tauschten sich in der Diakonie in Niebüll aus.
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Führungsfrauen: Astrid Damerow (v.l.), Nicole Saballus, Anne Hansen, Angela Freytag und Kornelia Klawonn-Domin tauschten sich in der Diakonie in Niebüll aus.

Auch in der Politik, besonders in Südtonderns Kommunalpolitik sind Frauen noch immer deutlich in der Minderheit. Eine neue Initiative soll jetzt Mädchen und junge Frauen motivieren, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

shz.de von
16. April 2018, 06:30 Uhr

„Familienplanung ist bei uns kein Karriere-Hindernis“, sagt Nicole Saballus, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Südtondern. „Uns geht es um die langfristige Bindung von weiblichen Fachkräften. Eine Familie zu gründen, ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe, zu der wir bewusst und gerne unseren Beitrag leisten“, führt die Führungsfrau weiter aus. Unter dem Dach des Diakonisches Werkes sind zahlreiche leitende Positionen mit Frauen besetzt. Doch mit Blick auf andere Unternehmen wie Banken, Baufirmen, das Krankenhaus oder auch die Verwaltung ist dies eine Ausnahme.

Wie bekommt man mehr Frauen in Führungspositionen? Um Antworten auf diese Frage zu finden und neue Bündnisse zu schaffen, trafen sich jetzt Führungsfrauen des Diakonischen Werkes mit der Bundestagsabgeordneten Astrid Damerow von der CDU zum Erfahrungsaustausch. Denn auch in der Politik, besonders in Südtonderns Kommunalpolitik sind Frauen noch immer Mangelware.

„Wir versuchen mit unseren Angeboten schon Mädchen und junge Frauen zu motivieren, sich bemerkbar zu machen, sich und ihre Meinung zu behaupten“, sagt Nicole Saballus. Ob in der Jugendarbeit, in Kursen oder ganz unterschwellig auch im Treffpunkt KiMs Café – „wir wollen Mädchen dazu bringen, ihren Mund aufzumachen, und das tatsächlich verbal, nicht versteckt über das Internet“, sagt Anne Hansen von der Jugendhilfe der Diakonie, die auch das Haus Hinte betreibt. Dazu gehöre auch zu lernen, mit Kritik umzugehen, die Mädchen und Frauen meist viel persönlicher nehmen würden als Männer.

„Männer in Führungspositionen sind genauso wenig perfekt und fehlerlos wie Frauen“, betont Nicole Saballus. Viele Frauen meinten aber bis heute, dass eine leitende Stellung mit extrem hohen Ansprüchen und Arbeitszeiten einher gehen muss – und lehnten daher oft verantwortungsvolle Posten ab. „Der gesellschaftliche und politische Rahmen hat sich deutlich verbessert, aber es mangelt noch immer an Frauen, die bereit sind, bei Gelegenheit auch in Führungspositionen zu gehen. Die Entscheidung dafür kann ihnen aber niemand abnehmen“, sagt Astrid Damerow.

Wie es mit Familie und Karriere klappen kann, zeigt die Diakonie Südtondern. Dort wird auch während der Schwangerschaft und Erziehungszeit ein enger Kontakt zu den weiblichen Führungskräften gepflegt. „Und kommen sie zurück, wird eine Stelle geteilt. Auch Führungsposten sind teilbar, wenn deren Aufgaben genau definiert sind und die Bereitschaft da ist, Wissen zu teilen“, erläutert Nicole Saballus. Genau diese Punkte seien in vielen anderen Unternehmen der Region aber noch ein Manko.

Im Mittelstand, im Handwerk seien im nördlichen Nordfriesland fast schon traditionell viele Frauen mit in den Betrieben. „Und sie nehmen auch zunehmend Posten in der Innung ein“, hat Astrid Damerow einen positiven Trend beobachtet. Wichtig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei auch das Thema Homearbeit, zum Beispiel wenn ein Kind krank zuhause bleiben muss. Dies sei in Betrieben mit Schichtarbeit wie in der Druckerei CPI in Leck aber nicht möglich.

Eine weitere Chance, Frauen dazu zu bringen, sich gesellschaftspolitisch zu engagieren, ist laut Angela Freytag vom Team „Familie im Mittelpunkt“ (FIM) die Quartiersarbeit. „Wenn sich junge Mütter zum Beispiel einen Spielplatz wünschen, dann klappt die Umsetzung nur durch ein Netzwerk, die Kontaktaufnahme zur Politik, zur Wirtschaft und anderen Partnern.“ In solchen Dialogen würden Frauen lernen, dass es sich lohnt, gut zu argumentieren und sich für ihre Ziele einzusetzen.

Kornelia Klawonn-Domin, Leiterin der Familienbildungsstätte und des BBZ in Niebüll, bringt noch einen anderen Punkt ins Spiel: „Frauen müssen auch in leitenden Positionen lernen, sich abzugrenzen, auch mal nein zu sagen, um sich nicht zu viele Aufgaben aufbürden zu lassen.“

Allen Führungsfrauen in der Runde ist schon schnell klar – dies kann nur ein Anfang sein. Noch vor der Sommerpause soll es eine weitere Klausur geben. Dann sollen konkrete Projekte und Fördermöglichkeiten ausgelotet werden, wie in Südtondern mehr Frauen in Führungspositionen gebracht werden können. „Das, was das Diakonische Werk Südtondern dafür leistet, ist schon jetzt herausragend“, betont Astrid Damerow. Das gemeinsame Ziel sei, dass es nicht nur in der Politik vor der Kommunalwahl in fünf Jahren deutlich mehr Frauen gibt, die mit Freude Verantwortung für die Entwicklung ihrer Region übernehmen möchten.

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