Verkehr auf Sylt : Ein Jahr neues Parkraumkonzept auf Sylt - eine Bilanz

Auch zukünftig dürfen Lieferfahrzeuge am Vor- und Nachmittag stundenweise in die Westerländer Fußgängerzone fahren.
Auch zukünftig dürfen Lieferfahrzeuge am Vor- und Nachmittag stundenweise in die Westerländer Fußgängerzone fahren.

Ein Jahr ist das neue Parkraumkonzept der Gemeinde Sylt mit seinen umfangreichen logistischen und finanziellen Änderungen in Kraft. Das gab der Verwaltung Anlass, eine erste Bilanz zu ziehen, vor allem von den Erfahrungen der Politessen zu berichten, aber auch von den Ergebnissen einer Onlinebefragung zum Thema „Parken“

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17. April 2018, 06:00 Uhr

Ein Jahr ist das neue Parkraumkonzept der Gemeinde Sylt mit seinen umfangreichen logistischen und finanziellen Änderungen jetzt in Kraft. Das gab der Verwaltung Anlass, eine erste Bilanz zu ziehen, vor allem von den Erfahrungen der Politessen zu berichten, aber auch von den Ergebnissen einer Onlinebefragung zum Thema „Parken“ – neudeutsch eEvaluation genannt. Dabei wären in einem vierwöchigen Zeitraum insgesamt 475 Antworten gegeben worden, berichtete Martin Seemann von der Stabsstelle Projekte in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses.

Grundsätzlich seien die Bürger offensichtlich einverstanden mit der neuen Tarifstruktur, die das Parken auf öffentlichen Straßen gegenüber dem Parken auf Großparkplätzen verteuert, so Seemann. Auch die Einführung geänderter Zeiten, in denen Parkgebühren gezahlt werden müssten, sowie die Abschaffung einer Höchstparkdauer wäre positiv aufgenommen worden.

Völlig vom Tisch ist laut Verwaltung bereits die „angedachte Möglichkeit“, den Lieferverkehr in der Fußgängerzone am Nachmittag – also in der Zeit 15 bis 16.30 Uhr – entfallen zu lassen. Dagegen hatte der Verein Sylter Unternehmer bereits beim Bekanntwerden der Pläne massiven Protest angemeldet. Auch im Rahmen der eEvaluation habe sich eine Mehrheit der teilnehmenden Bürger gegen diese Maßnahme ausgesprochen, berichtete der Stabsstellenleiter. „Diese Hinweise wurden vollständig zur Kenntnis genommen und daher nicht weiter verfolgt.“ Alle weiteren Maßnahmen zu möglichen Änderungen aufgrund der Verwaltungsauswertung und der Onlinebefragung würden vor einer Umsetzung jedoch den entsprechenden Gremien zum Beschluss vorgelegt, betonte Seemann.

Dazu gehört beispielsweise eine Erweiterung des kostenpflichtigen Parkbereichs in der Westerländer Innenstadt auf den westlichen Teil der Johann-Möller-Straße oder dass die Parkplätze vor der Stadtgalerie „Alte Post“ wieder ausschließlich Behinderten zur Verfügung gestellt werden sollen. Für die Nutzung der Parkplätze am Westerländer Bahnhof-Ost und am Flughafen Sylt wird vorgeschlagen, diese zeitlich den anderen Großparkplätzen gleichzustellen. Wichtig sei es darüberhinaus, dass angesichts der heute bereits ausgereizten Kapazitäten der Parkplätze an den Bahnhöfen Keitum und Morsum für diese Bereiche neue Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden.

In Keitum sei es zumindest theoretisch möglich, die bisher genutzte Parkfläche südlich des Bahnhofs an der K117 durch eine Hinzunahme der Wiese bis hin zum Umspannwerk mehr als zu verdoppeln, so Seemann. Dazu bedürfte es aber entsprechender Absprachen mit dem Grundstückseigentümer über einen Erwerb oder eine Pacht der Fläche. Am Morsumer Bahnhof gäbe es dagegen nur die Möglichkeit, die Wiese östlich des Kurparks als Kfz-Stellfläche zu nutzen, wie übergangsweise im vergangenen Jahr oder auch bei Ringreiter-Veranstaltungen üblich.

Allerdings musste sich die Verwaltung während der Ausschuss-Sitzung auch heftige Vorwürfe aus der Politik anhören hinsichtlich des Verfahrens und der Aussagekraft der Onlinebefragung. Kay Abeling (CDU) kritisierte, der Westerländer Ortsbeirat wäre bei der Formulierung der Fragen nicht eingebunden gewesen. Außerdem sei nicht festzustellen, woher die Teilnehmer gekommen wären: „Da haben dann vielleicht Auswärtige über unsere Probleme abgestimmt“, so Abeling, „da geht gar nicht.“

Christian Thiessen bemängelte, die Fragen seien so gestellt worden, dass „das Ergebnis rauskam, das man sich gewünscht hat. Wollte man zustimmen, musste man gleich ‚völlig‘ zustimmen. Wollte man ablehnen, musste man die Ablehnung begründen“, so der Piraten-Politiker. Eine solche Umfrage sollte die Antworten jedoch neutral und abgestuft vorgeben. Technisch kritisierte er den mangelnden Datenschutz der Parkraum-eEvaluation. Die Daten würden in den USA erfasst, US-Datenschutzgesetze aber nur für Amerikaner gelten. „Für unsere Bürger gibt es damit keinerlei gesetzlichen Datenschutz“, so Thiessen. „Die Frage, wer denn mit abgestimmt hat, könnten nur der US-Anbieter Surveymonkey oder Google beantworten.“ Angesichts des aktuellen Facebook-Skandals kommentierte Holger Flessau (CDU) das Vorgehen der Verwaltung mit den Worten: „Ich bin einfach sprachlos!“

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