Letzte Ruhe auf Sylt : Der Friedhof auf Sylt soll zukunftsfähig werden

Es sind noch Plätze frei: Auf dem Westerländer Friedhof gibt es zahlreiche Freiflächen, wie rechts im Bild.
Es sind noch Plätze frei: Auf dem Westerländer Friedhof gibt es zahlreiche Freiflächen, wie rechts im Bild.

Weil die typischen Gräber, die primär auf dem Friedhof angeboten werden, nicht mehr gefragt sind, gibt es dort etliche Freiflächen.

shz.de von
18. Mai 2018, 06:00 Uhr

Dass sich die Bestattungskultur auf Sylt in den vergangenen Jahren massiv verändert hat, wird bei einem Spaziergang über den Westerländer Friedhof deutlich: Weil die typischen Gräber, die primär auf dem Friedhof angeboten werden, nicht mehr gefragt sind, gibt es dort etliche Freiflächen. In Zahlen: Auf dem Alten Friedhof hinter der Kirche St. Niels gibt es insgesamt 461 Grabstätten, davon sind derzeit 162 frei. Auf dem Neuen Friedhof gibt es 3975 Gräber, von denen 2027 frei sind. Das sind über 50 Prozent.

Johannes Sprenger ist seit Februar 2017 Friedhofsmeister für die Friedhöfe der Kirchengemeinde Westerland. Er weiß: „Es handelt sich dabei um Gräber, die alle verkauft waren und von den Angehörigen schließlich zurückgegeben wurden.“ Für eine Sargbestattung liege die Frist bei 25 Jahren, Urnengräber werden für 20 Jahre vergeben. Nach dieser Zeit könne die Grabstätte an den Friedhof zurückgehen, der den Platz dann neu verkauft. „Aber der Bedarf ist nicht da“, sagt Sprenger. „Wir bleiben auf diesen Flächen sitzen.“

Das Problem hätten viele Friedhöfe deutschlandweit. Der Grund: Heutzutage würden die Menschen eher zur Kremierung, also zur Feuerbestattung, tendieren, berichtet er. Die vielen Flächen für die Wahlgräber müssten allerdings weiter unterhalten werden. „Es fallen natürlich Personal- und Maschinenkosten an, sie bringen uns aber kein Geld mehr“, so der Friedhofsverwalter. „Wir sind hier doppelt bestraft: Wir müssen mehr Zeit in die Pflege investieren und bekommen weniger Einnahmen.“

Auf Sylt käme noch eine weitere Besonderheit hinzu: Weil viele Angehörige von der Insel zögen, gäbe es oft niemanden mehr, der sich um die Grabstätte des Verstorbenen kümmern könnte. „Dadurch wird der Druck auf die Angehörigen erhöht, die Grabstätten abzugeben“, so Sprenger. Früher seien die Familiengrabstätten über Generationen hinweg behalten worden. Das gebe es heute nicht mehr, sagt der Friedhofsmeister. „Im Gegenteil: Es wird sich über die langen Ruhefristen beschwert, das Grab wird eher als Belastung empfunden.“ Es sei „sehr sehr schade“, dass die Wertschätzung so nachgelassen habe, sagt Sprenger.

Dass ein Umdenken her muss sei klar gewesen: „Wir möchten dieser Veränderung Rechnung tragen und zukunftsfähig werden“, sagt Sprenger. In Westerland sollen daher auch in Zukunft Gräber verkauft werden, wo eine persönliche Grabstätte besteht – anders als bei einer anonymen Beisetzung oder der Seebestattung. „Wir möchten den Menschen nach wie vor die Möglichkeit geben, ganz gezielt an einem Ort der Angehörigen zu gedenken.“ Dafür gebe es bereits den Ankerplatz, wo die Urnen unter dem Rasen in die Erde gelassen werden und die Namen der Bestatteten auf Plaketten an Stelen stehen. Außerdem gäbe es eine Urnengemeinschaftsanlage mit Grabplatten.

Eine weitere ganz besondere Anlage sei derzeit noch in der Entstehung: „Auf einer 1000 Quadratmeter großen Fläche wollen wir zum ersten Mal auf der Insel Baumbestattungen anbieten“, sagt Sprenger. Dafür sollen elf verschiedene Großbäume gepflanzt werden, darunter unter anderem der Schneeglöckchenstrauch, die Kupferfelsenbirne oder der Feuerahorn. Rund um diese Bäume können dann 16 Urnen beigesetzt werden. Das sei eine schöne Bestattungsform, sagt Sprenger. Alle ausgesuchten Bäume hätten eine echte Blütenpracht und würden in Frühing, Sommer und Herbst den Ort in ein Farbenmeer verwandeln. Außerdem sollen auf dem Gelände Krokusse gepflanzt werden, „das sind dann etwa 600 Quadratmeter voller Krokusse“, sagt der Friedhofsmeister lächelnd. Ein kleiner Weg würde zwischen den Bäumen entlangführen, auf dem Rasen werden Granitstelen aufgelegt, auf denen Namenstafeln eingeschraubt werden. Zusätzlich sollen dort auch Staudenbeete entstehen. „Auch in diesem Staudengarten könnten Urnen beigesetzt werden. Hier werden wir Pflanzpläne der bekannten englischen Gartenarchitektin Beth Chatto umsetzen“, berichtet Sprenger.

Den Friedhofsmeister freut, dass die Angehörigen dort eine Grabstätte haben, wo sie den Verstorbenen gedenken können, „aber alles was negativ behaftet ist, wie unter anderem die Grabpflege, fällt weg“, sagt er. Es sei für die Kunden das „Rundum-sorglos-Paket“. Dafür müssten die Angehörigen zwar auch etwas mehr be zahlen, „aber wir übernehmen auch für 20 Jahre die Arbeit und kümmern uns 365 Tage im Jahr um das Grab“. Die Preise werden voraussichtlich bei 85 Euro im Jahr für den Staudengarten und bei 105 Euro im Jahr für die Baumbestattung liegen. Zum Vergleich: Ein normales Reihenerdgrab auf dem Alten Friedhof koste 63 Euro pro Jahr.

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