Nach der Wahl : Achtrup sucht dringend einen Bürgermeister

Wahlparty auf der Suche nach einem neuen Bürgermeister (vorn v. l.): Inge Wagner, Uwe Matthiesen und Hannelore Schulze.
Wahlparty auf der Suche nach einem neuen Bürgermeister (vorn v. l.): Inge Wagner, Uwe Matthiesen und Hannelore Schulze.

AWG ist stärkste Kraft: Doch auf der Feier der Wahlsieger und in den anderen Parteien hebt keiner die Hand für das Amt.

shz.de von
08. Mai 2018, 06:55 Uhr

Achtrup | Auf dem Grill bruzzeln die Würste, Getränke werden gereicht – und im Hintergrund laufen Wahlergebnisse übers Radio. Eine klassische Wahl-Party möchte man meinen. Doch hier in Achtrup in dem wunderschön angelegten Garten von Uwe Matthiesen, dem noch amtierenden Bürgermeister, drehten sich am Sonntagabend so manche Gespräche nicht um den womöglich entscheidenden Prozentpunkt aus der Auszählung, sondern um die grundsätzliche Frage, wer die Gemeinde eigentlich in Zukunft führen will. Im Vorfeld der Wahl jedenfalls hatte keiner in den örtlichen Parteien den Finger gehoben. Im Gegenteil: Gleich mehrere Politiker verlassen den Gemeinderat unter anderem aus Altersgründen. Matthiesen selbst hat sich mitsamt seiner Stellvertreterin Inge Wagner gedanklich jedenfalls schon umorientiert und sich eben erst als Führungsteam des DRK-Ortsvereins wählen lassen – sie als Vorsitzende, er als ihr Stellvertreter. Gemeinderat adé.

Uwe Matthiesen war 2013 bereits zehn Jahre lang als Gemeindevertreter aktiv, als er gefragt wurde, ob er das Amt schultern würde. Als Handwerker war er sich nicht so sicher, ob er genügend Kenntnisse von Verwaltungsabläufen hat und den damit verbundenen Papierkram bewältigen kann. Doch er stieg ein und ist heute froh und stolz, es gemacht zu haben. An kleinen Dingen genauso wie an großen Projekten sei er zumindest persönlich gereift. So wurde unter anderem der Kindertagesstätte, dem Bauhof und dem Sportverein mit diversen Baumaßnahmen geholfen.

Aber auch die vielen Alltagsaufgaben hätten ihn in Anspruch genommen. „Man muss sich täglich kümmern, das ist – genau genommen – ein Vollzeitjob.“ Da sei es verständlich, wenn die Position in den Gemeinden nicht mehr so leicht besetzt werden könne.

Ähnlich äußert sich Hannelore Schulze beim Plaudern im Gartenstuhl. Uwe Matthiesens Vorgängerin betont, wie sehr ein Ehrenamt einen prägen und im besten Fall auch persönlich voranbringen könne. Allerdings seien die Aufgaben in den Kommunen komplexer geworden. Bund, Land und Gemeinden würden immer öfter Zuständigkeiten neu ordnen, was eine kontinuierliche Arbeit fürs eigene Dorf nicht leichter mache.

Schließlich steht auch die Sitzverteilung fest: AWG 7, CDU 3 und SSW 3 – dasselbe Verhältnis wie in der vorigen Wahlperiode. Doch selbst gegen Mitternacht – nach ein paar Getränken mehr – winken sogar die AWG-Mitglieder mit den besten Stimmergebnissen ab. Zumindest jetzt noch.

Malte Nielsen ist einer der Jungen, die für die AWG-Aussteiger nachrücken. Er sieht entspannt aus. „Die persönlich am besten abgeschnitten haben, werden schon noch in sich gehen – es findet sich immer eine Lösung.“ Spricht’s und wendet sich dem Salatbuffet zu.

Auch in den anderen Parteien sei niemand bereit fürs Bürgermeisteramt, heißt es gestern Morgen nach Telefonaten der Politiker untereinander. Zeit ist noch bis zum 20. Juni. Dann findet im Landgasthof Achtruper Stuben die konstituierende Versammlung statt. Sicher wieder unter großer Beteiligung der Bevölkerung, denn auch bei jeder Gemeindevertreter-Sitzung sind in Achtrup stets 30 bis 40 aufmerksame Gäste dabei.

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