NDB Flensburg : Niederdeutsche Bühne Flensburg: Ergreifender „Jedermann“ in der Marienkirche

Kampf ums Leben: „Jedermann“ (Hubert Reimer) mit Freund (Rune Hansen) und Buhlschaft (Gesche Braren).  Fotos: Heiko Thomsen
Kampf ums Leben: „Jedermann“ (Hubert Reimer) mit Freund (Rune Hansen) und Buhlschaft (Gesche Braren). Fotos: Heiko Thomsen

Eindringliche Bilder voll Mystik und praller Drastik des Mittelalters schuf die Premiere des „Flensborger Jedermann“ in der Marienkirche. Belohnt wurde die Aufführung mit viel Applaus vom Publikum.

shz.de von
14. Mai 2018, 08:45 Uhr

Eindringliche Bilder voll Mystik und praller Drastik des Mittelalters schuf die Premiere des „Flensborger Jedermann“ in der Marienkirche. Beeindruckend und aufwendig setzt Regisseur Elmar Thalmann für die Flensburger Niederdeutsche Bühne die Spielfassung Frank Grupes nach dem Theaterstück „Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ von Hugo von Hofmannsthal in außergewöhnlichem und bedeutungsvollen Umfeld in Szene.

Vom ersten Moment an ließ sich das Publikum packen von dem Stoff der persönlichen Verantwortlichkeit des Menschen. Bewegt, ja persönlich ergriffen dankten die Zuschauer für eine Non-Stopp-Superleistung mit intensiven Lichtprojektionen, einer plastischen Fülle prachtvoller Kostüme, einem hervorragenden Ensemble und musikalischen Einspielungen bis zum Läuten der Glocken, als sei ihr Klang nicht von dieser Welt.

Unheimliche Lacher und groteske Laute eines Zuges vermummter Gestalten aus der rückwärtigen Tiefe des Kirchenraums: Schon die erste Szene kreiert eine außergewöhnliche, ja unheimliche Atmosphäre. Dann schält er sich aus Nebellicht auf der Kanzel: de Dood: „Dat Leben löpt so gau, am End hölpt nix“. Heute sei-en alle noch nicht dran, „heu-te holt er den Jedermann“.

Eindringlich verkörpert Hubert Reimer den schwer-reichen Jedermann, den der Tod ruft. Buchstäblich. Laut, lang gezogen, gruselig schallt es durch die Kirche: „Jeder-mann!“ In zuschnürendem Entsetzen klammert er sich an den Freund, seine Buhlschaft. Keiner will den Gang vor den himmlischen Richter mitgehen. Sprechend das Bild, wie Jedermann sich an seine Geldkiste klammert, sie mitnehmen will. Schon triumphiert geifernd de Düvel (Harald Sassen).

Da erklingt fern in überirdischer Zartheit das gesungene Vaterunser. Engelsgleich erscheinen die personifizierten Warken und sein Gloven. Sie bleiben bei ihm bis zuletzt. An ihren Händen stirbt er, in hoffender Geborgenheit. Ein anschauliches, tief berührendes Bild. Zurecht gab es riesigen Applaus für alle, auch den anwesenden Autor.


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