Utopie oder Zukunftsmodell? : Förde-S-Bahn für Stadt und Region - Utopie oder Zukunftsmodell?

Auf Schienen soll die moderne Förde-S-Bahn den ZOB ansteuern.
Auf Schienen soll die moderne Förde-S-Bahn den ZOB ansteuern.

Die Grünen wollen wieder eine Straßenbahn durch Flensburg rollen sehen. Als Förde-S-Bahn könnte sie Weiche mit dem neuen Krankenhaus am Campus und den Flensburger Bahnhof mit Harrislee verbinden.

shz.de von
17. Mai 2018, 08:00 Uhr

Die Grünen wollen wieder eine Straßenbahn durch Flensburg rollen sehen. Nein, nicht die gemütliche Bahn mit ihren gelben Rumpelwagen, die 1972 aufs Abstellgleis geschickt wurde. Sondern eine hochmoderne Super-Tram, die zwischen Schienen auf den Straßen und Eisenbahntrassen wechseln kann und auf diesen die Orte der Region verbindet. Etwa Flensburg mit Sonderburg. Als Förde-S-Bahn könnte sie Weiche mit dem neuen Krankenhaus am Campus und den Flensburger Bahnhof mit Harrislee verbinden.

Nicht, dass diese Bahn eine neue Erfindung wäre. Sie gibt es schon in verschiedenen Städten Deutschlands: So rauschen diese Straßenbahnen mit etwa Tempo 120 über Land höchst erfolgreich auf Eisenbahngleisen zwischen Karlsruhe und dem Umland. Und auch Chemnitz und Kassel profitieren von dem modernen Bahnsystem. Ginge es nach den Grünen, könnte auch Flensburg mit diesem modernen System seine Verkehrsprobleme lösen. Die Einzelheiten erläuterten Andreas Tietze, nordfriesischer Landtagsabgeordneter, Holger Busche, wissenschaftlicher Assistent der Grünen-Landtagsfraktion, und Ellen Kittel-Wegner, Chefin der Grünen-Fraktion im Flensburger Rat, der Stadtredaktion.

Sie verweisen darauf, dass diese Gedankengänge Bestandteil der Grünen-Konzeption „Netz 25“ sind. Dieser ganz große Wurf mit Straßenbahn soll Flensburg vom Rand in die Mitte rücken. Förde und deutsch-dänische Grenze seien Barrieren für eine effektive verkehrstechnische Erschließung. Im Grünen-Konzept spielt zumindest die Grenze keine Rolle mehr.

Was heißt Förde-S-Bahn? Mittel zum Zweck sind Fahrzeuge, die auf Eisenbahn-Gleisen der Standardbreite on 1,435 Meter fahren können. Zum Vergleich: Die alte Flensburger Tram fuhr einst auf Schienen mit einem Meter Spurweite. Die modernen Gleise können auch in die Decke von Straßen eingearbeitet werden – fertig ist die Straßenbahn. Ihr Tempo ist in der Stadt dem üblichen Straßenverkehr angepasst.

Damit teilen sich das Vehikel und der Autoverkehr die Straße. Und auch enge Kurven kann die neue Tram nehmen. So wäre es etwa möglich, Gleise von der Kieler Bahn unmittelbar vor dem Bahnhof nach Norden zu verschwenken, so dass die Tram auf der Straße am Bahnhof vorbei fährt, dann nach rechts einschwenkt und über Mühlendamm und Bahnhofstraße in Richtung Stadt rollt. Fortsetzung: Ebert-Straße, Süderhofenden zum ZOB. Dort teilt die neue S-Bahn sich einen der Bahnsteige mit den Bussen. Der Innenstadt-Bahndamm wird dafür nicht benötigt, auch kein Bahnhof am ZOB.

Alle Nahverkehrsstrecken, die heute von der DB bedient werden – Flensburg-Neumünster, Flensburg-Pattburg, Flensburg-Kiel – sollten so in die Stadt eingefädelt werden und noch mehr: Die Trassen Flensburg-Niebüll, Tondern-Tingleff, Vojens-Hadersleben sollten nach dem Willen der Grünen reaktiviert werden.

Eine Förde-S-Bahn könnte vom ZOB auf der Hafenbahn über die Fördebrücke bis zur Gasstraße fahren, die Harrisleer Straße hinauf über die Harrisleer Umgehung bis an die Bahnstrecke Flensburg-Pattburg geführt werden. Dort wird die moderne Bahn eingefädelt und nutzt ihre Fähigkeit, auf vorhandenen Bahngleisen zu fahren. Das Konzept der Grünen sieht die Fortsetzung der Verbindung über Pattburg nach Apenrade bis nach Vojens vor, auch einen Abzweiger nach Sonderburg. So kann das System die Hochschulen in Flenburg und Sonderburg verbinden. Mit weiteren Fortführungen nach Norden und Süden könne die neue Bahn ein Angebot für rund 750000 Menschen in der deutsch-dänischen Region bieten – „und zwar ökologisch, ökonomisch und sozial“, schwärmt Andreas Tietze. Sie sei eine Antwort auf die Fragen nach der Mobilität von Morgen und die Lösung der Verkehrsprobleme der Zukunft. Dieses Verkehrmittel sei schneller, sauberer und leiser als Auto und Bus. Und frei von Kohlendioxid ohne Kompromisse.

Bleibt noch die Frage: Was kostet es, diese Vision in die Wirklichkeit umzusetzen? Die Schätzungen liegen zwischen 400 und 700 Millionen Euro. Wegen der grenzüberschreitenden Verbindungen sei in großem Umfang mit Förderung zu rechnen.

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