Eiszeit-Haus Flensburg : Flensburger Eiszeit-Haus bietet Blick zurück in die Kreidezeit

Einzigartiger Fund: Johannes Petersen (rechts) entdeckt in der mitgebrachten Versteinerung den Abdruck einer Tintenfisch-ähnlichen Gattung.
Einzigartiger Fund: Johannes Petersen (rechts) entdeckt in der mitgebrachten Versteinerung den Abdruck einer Tintenfisch-ähnlichen Gattung.

Das Flensburger Eiszeit-Haus bietet spannende Einblicke in die archäologische Geschichte. Ein Highlight, der Hobby-Sammler Johannes Petersen bestimmt auch die mitgebrachten Fossilien der Besucher.

shz.de von
15. Mai 2018, 09:45 Uhr

Johannes Petersen ist sichtlich stolz. „Zu unseren bedeutendsten Funden“, erklärt er, „zählt ein Pectunculus-Sandstein.“

Noch nie gehört? Was ist denn das für ein Ding? Wer kein Experte im Bereich der Fossilien und Gesteine ist, wird im Eiszeit-Haus auf so manche unbekannte Begriffe stoßen. Unauffällig liegt der Felsbrocken an der Einfahrt zu dem historischen Gebäude. Für Unwissende liegt hier ein Stein – für Kenner ist es ein Schatz aus der Vergangenheit.

Einer der Spezialisten ist Johannes Petersen, der schon seit mehr als 50 Jahren leidenschaftlich Fossilien sammelt. Seit der Eröffnung im Jahr 2002 arbeitet er im Flensburger Eiszeit-Haus mit. Während der Führung durch die Ausstellung kommt Petersen auf den Pectunculus-Sandstein zu sprechen. Aus der Entfernung betrachtet, scheint an dem Stein nichts Besonderes zu sein. Als Fachmann kann Petersen jedoch aufklären: Der Kalksandsteinblock wurde vor Jahren auf dem Grund des Flensburger Hafenbeckens gesichtet. Damals kam der vier Tonnen schwere Findling erst durch Baggerarbeiten zum Vorschein. Und das Außergewöhnliche? Gesteinsschichten begruben vor mehr als 25 Millionen Jahren zahlreiche Muscheln unter sich – das Ergebnis ist dieses steinerne Prachtexemplar, das von tausenden Pectunculus-Muscheln übersät ist.

Die Findlinge und Fossilien gelangten vor Millionen von Jahren durch Geschiebe nach Schleswig-Holstein. „Geschiebe heißt es, wenn Gletscher Gesteine und Geröll vor sich her schieben“, erklärt Petersen, bevor die Frage aufkommt. Um etwas über die Eiszeit oder Epochen zu erfahren, braucht es kein Wikipedia, kein Internet. Wenn die Info-Tafeln an den Wänden des Eiszeit-Hauses keine Antworten liefern, ist jederzeit ein erfahrener Experte vor Ort.

In Glasvitrinen befindet sich die große Sammlung aus Fossilien und Gesteinen. Die Mehrzahl stammt aus der Kreidezeit, die vor rund 145 Millionen Jahren begann. Und der älteste Fund? Im Zeitalter des Kambrium wurde ein wurmartiges Tier in einer Gesteinsschicht eingeschlossenen – vor 542 Millionen Jahren.

Einmal im Monat nimmt Johannes Petersen die besonderen Abdrücke auf den gefundenen Steinen der Besucher unter die Lupe. Im Gegensatz zu Dänemark und einigen Bundesländern darf man seine Funde behalten – egal wie wertvoll sie sind. Gelegentlich erlebt der Experte im Museum auch originelle Momente: „Manchmal bringen Menschen auch ’Fossilien’ vorbei, die in Wirklichkeit gar nichts sind.“

Zu den häufigsten Funden der Besucher zählen vor allem Seeigel oder Ammoniten. Während man diese Tiere vielfach an den Stränden oder im Landesinneren Schleswig-Holsteins aufsammelt, bringen manche Gäste auch Fossilien von Korallen oder Tintenfischen aus dem Urlaub mit. Ein Besucher lieferte ein besonders spannendes Exemplar: Der lanzenartige Abdruck eines Endoceras, einer Tintenfisch-ähnlichen Gattung. Seltenheitswert hat das Fossil einer zehn Millionen Jahre alten Krabbe. Eine Abbildung der gefundenen Krebsschere habe es über die Grenzen hinaus in diverse Museen geschafft.

„Habt ihr auch Dinos?“ Diese Frage bekommt Johannes Petersen häufig zu hören, wenn Kinder das Museum besuchen. Ein Dinosaurier-Skelett fehlt dem Hobby-Sammler in seiner Sammlung. Wer trotzdem etwas über die Urzeit-Riesen erfahren möchte, muss auf die Toilette gehen – an der Wand hängt ein Plakat über die Dinos.

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