DGB Flensburg : DGB Flensburg: Raus aus dem Gewerkschaftshaus

Rote Straße 1 – bislang Stammadresse für die Gewerkschaften.
Rote Straße 1 – bislang Stammadresse für die Gewerkschaften.

Die Gewerkschaften und der DGB geben ihren traditionellen Standort an der Roten Straße auf. Die Atmosphäre, die der neue Eigentümer verbreitet, ist den Gewerkschaften als Mieter zu unfreundlich geworden.

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28. Mai 2018, 08:00 Uhr

Aus, Schluss, vorbei – die Gewerkschaften und der DGB geben ihren traditionellen Standort an der Roten Straße auf. Die Atmosphäre, die der neue Eigentümer verbreitet, ist den Gewerkschaften als Mieter zu unfreundlich geworden. Zum März sind die Mietverhältnisse gekündigt, schildert Michael Schmidt von der IG Metall, der sich für seine Kollegen um dieses Thema kümmert. Ende dieses Jahres wollen die Gewerkschaften ins neue Haus einziehen. Ein schickes Haus: das Gebäude der ehemaligen VR-Bank, Große Straße 21, mit seiner markanten Ziegelfassade.

Bei der Ausstrahlung des Hauses und der hervorragenden Lage in der Fußgängerzone, freut sich Schmidt auf die neuen Räume. Ganz besonderen Spaß macht ihm ein Entwurf, mit dem der Architekt arbeitet: In den Zeichnungen der Fassade ist über den Rundbogenfenstern im Erdgeschoss das Wort „Gewerkschaftshaus“ zu lesen. So können die Gewerkschaften an prominenter Stelle Flagge zeigen, in nächster Nähe zum Bürger.

Und warum wird der Standort an der Roten Straße aufgegeben? Das heutige Gewerkschaftshaus gehörte einst einer Eigentümergemeinschaft, die das Gebäude verkaufte. Neuer Besitzer ist die Bert-Mettmann-Stiftung in Berlin. Auf ihrer Internetseite findet sich der Slogan „Wir bringen Licht in die Dunkelheit“. Unter der Überschrift Stiftungszweck ist definiert: „Die Bert Mettmann Stiftung ist eine rechtsfähige Stiftung des Bürgerlichen Rechts und hat ihren Sitz in Berlin. Zweck der Stiftung ist, körperlich behinderte Personen, speziell blinde Personen, Hilfseinrichtungen für Blinde und damit in Verbindung stehende Kosten, die Ausbildung von Hunden für Behinderte und deren Unterhaltung in Deutschland zu fördern und zu unterstützen.“

Während dieser Stiftungszweck einen gewissen mitmenschlichen Umgang nahelegt, möchten die Mieter sich einer solchen Sichtweise nicht unbedingt anschließen. Dazu trug schon mal die Aufforderung des neuen Eigentümers bei, die im Keller eingelagerten Archivmaterialien zu entfernen, oder die überraschende Kündigung von Parkplätzen für die Metaller.

Ein Sorgenkind für die Mieter waren immer die satten Nebenkosten. Das Haus stammt noch aus einer Zeit, als ein Liter Heizöl gerade ein paar Groschen kostete und Energiesparen noch zu den Fremdwörtern der deutschen Sprache gehörte. Auch, um diese finanziellen Belastungen zu senken, wollten die Gewerkschafter mit dem neuen Besitzer ins Gespräch kommen. Doch alle Bemühungen um einen Kontakt verliefen im Sande. Die Gewerkschafter, der Inhaber des Spielzeugladens Kaskade oder auch der Inhaber der Firma Miele schildern übereinstimmend, dass alle ihre Bemühungen, mit dem Geschäftsführer der Mettmann-Stiftung, Carsten Andrees, ins Gespräch zu kommen, ohne Ergebnis blieben. Damit war die Frage nicht zu beantworten, ob und wie der neue Eigentümer eine Sanierung anpacken und wie sich das Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter überhaupt gestalten würde. Die Gewerkschafter machten sich auf die Suche nach einem neuen Haus, fanden die aufgegebene Bank in der Großen Straße und kündigten die Mietverträge.

Die Sprachlosigkeit der Mettmann-Stiftung ihren Mietern gegenüber setzt sich fort gegenüber der Tageblatt-Redaktion. Anfragen per E-Mail nach dem künftigen Verwendungszweck des Gebäudes an der Roten Straße und auch telefonische Anfragen mit der Bitte um Rückruf blieben ohne eine Reaktion aus Berlin.

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