Radarfallen mit Vandalismusschutz : Kugelsicher: Hamburg testet gepanzerte Blitzer

Weder formschön noch diskret: Die Panzerblitzer mit dem Namen „Enforcement Trailer“ sollen Hamburgs Straßen sicherer machen.

Weder formschön noch diskret: Die Panzerblitzer mit dem Namen „Enforcement Trailer“ sollen Hamburgs Straßen sicherer machen.

Jetzt kommen die kugelsicheren Blitzer: Die Hamburger Polizei testet ab Juni zwei neue Modelle.

shz.de von
23. Mai 2018, 07:05 Uhr

Hamburg | Wenig Personalaufwand und viel Schutz gegen Vandalismus: Hamburg testet Radarfallen in Panzeroptik. Die Mobilblitzer sind Teil der Hamburger Offensive gegen Raser, in deren Verlauf auch die Zahl der stationären Anlagen von 28 auf 33 erhöht werden soll.

In anderen deutschen Städten sind derartige Mobilanlagen bereits im Einsatz. Beide Modelle arbeiten ohne Personal und können dank Lasertechnik mehrere Fahrspuren gleichzeitig überwachen.

Von 7500 Verkehrsunfällen mit Personenschäden im Jahr 2017 waren 1819 Fälle auf Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit zurückzuführen. Laut Einwohnerzentralamt wurden 2017 rund 650.000 Temposünder „fotografiert“, Hamburg kassierte rund zehn Millionen Euro an Bußgeldern.

Bei einem der Super-Blitzer handelt es sich um einen Anhänger, der ohne Probleme an nahezu jedem Ort im Straßengebracht abgestellt werden kann. Laut Hersteller eignet sich der „Enforcement-Trailer“ vor allem für den Einsatz an Stellen, wo die Infrastruktur für Tempomessungen fehlt oder Personal gefährdet wäre. 

Das Gerät lässt sich aus der Ferne per Funksteuerung in Gang setzen und ausrichten. Der Messbetrieb erfolgt autonom und für mindestens fünf Tage; Hochleistungsakkus stellen die Energieversorgung sicher. Der Anhänger lässt sich zudem auf Durchfahrverbote zu einer bestimmten Uhrzeit einstellen und registriert auch, wenn verbotene Fahrzeugklassen die Strecke passieren. Die Messdaten gehen drahtlos direkt an die Verkehrsleitzentrale. Dank Panzerung verfüge die Anlage über einen hohen Grad an Vandalismusschutz, verspricht der Hersteller. 

Auch das andere Testgerät passt auf einen Anhänger und verspricht „höchste Flexibilität gepaart mit minimalem Personalaufwand“ im Kampf gegen Temposünder. Die Modelle kosten zwischen 120.000 und 150.000 Euro pro Stück. Ob und wie viele der Mobilblitzer Hamburg kaufen wird, ist laut Innenbehörde noch offen. Dies hänge von den Ergebnissen der Probephase ab.

Im Herbst hatte eine Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft Hamburg zur „Raserhauptstadt“ unter Deutschlands Großstädten erkoren und festgestellt, dass Temposünder nicht zuletzt nachts Gas geben. Die Polizei hatte eingeräumt, wegen Personalmangels  Kontrollen zwischen 22 und 6 Uhr stark zurückgefahren zu haben. Auch solche Engpässe könnte die neue Technik überbrücken.

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