Soko „Schwarzer Block“ : G20: Polizei jagt Randalierer der Elbchaussee mit internationalen Razzien

Allein in der Elbchaussee gingen am 7. Juli 2017 15 Autos in Flammen auf.

Allein in der Elbchaussee gingen am 7. Juli 2017 15 Autos in Flammen auf.

Sieben Männer im Alter von 22 bis 32 Jahren wurden gesucht. Es gab keine Festnahmen.

shz.de von
30. Mai 2018, 07:14 Uhr

Hamburg | Kaum etwas hat Hamburgs G20-Fahnder so gewurmt wie der Umstand, dass bisher kein einziger von gut 200 Gewalttätern der Elbchaussee-Ausschreitungen ermittelt werden konnte. Am Dienstag hat die Soko „Schwarzer Block“ nun im Ausland zum ersten Schlag gegen Personen ausgeholt, die am 7. Juli 2017 brandschatzend nach Altona gezogen sein sollen. Dabei setzten sie 19 Fahrzeuge in Brand und richteten einen Sachschaden von 1,5 Millionen Euro an.

Im Morgengrauen begannen in vier Ländern Razzien in neun Wohnungen und Veranstaltungsräumen. Nach Angaben von Soko-Chef Jan Hieber durchsuchten Polizisten jeweils drei Objekte im schweizerischen Bremgarten, in Italien (Rom, Genua) und in Spanien (Madrid). Zudem wurde in Frankreich per Haftbefehl nach einem Verdächtigen gesucht. Festnahmen gab es nicht.

Beamte der jeweiligen Länderpolizei hatten Durchsuchungsbeschlüsse des Amtsgerichts Hamburg vollstreckt, Beamte der Soko „Schwarzer Block“ unterstützten die Aktionen. Die Maßnahmen richteten sich gegen sieben Männer im Alter von 22 bis 32 Jahren.

Polizeipräsident will Zeichen setzen

Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sprach von einem „ersten wichtigen Schritt zur Ermittlung weiterer Personen, die während des G20 Gipfels schwere Straftaten begingen“. Hieber betonte, es gehe darum, „den Tätern von der Elbchaussee ein Gesicht zu geben“. Die Fahndung werde fortgesetzt. Innensenator Andy Grote (SPD): „Das klare Signal an die G20-Täter ist: Auch in anderen europäischen Ländern kann sich keiner von ihnen der Strafverfolgung entziehen.“

Den Verdächtigen war die Polizei durch Zeugenaussagen und die Auswertung von Videomaterial auf die Spur gekommen. Zudem liegt DNA-Material vor. Bei den Durchsuchungen wurde umfangreiches Beweismittel sichergestellt: Laptops, PC, Handys, Speichermedien, Bekleidung und Vermummungsgegenstände. Das Material wird nun ausgewertet. Zu Zwischenfällen während der Razzien sei es nicht gekommen. Ein zunächst in der Schweiz festgenommener 27-Jähriger aus der Anarchistenszene kam nach der Durchsuchung seiner Wohnung wieder frei.

Mit der plötzlichen Gewaltorgie an der Elbchaussee hatten die Täter die Polizei am frühen Morgen des Gipfelfreitags vollkommen überrascht. In nur 19 Minuten zogen etwa 220 vermummte Randalierer eine 1,2 Kilometer lange Schneise der Verwüstung. In Altona war ihr Versuch fehlgeschlagen, die Ikea-Filiale mit vier Molotowcocktails in Brand zu setzen. Die Täter verschwanden ebenso schnell, wie sie gekommen waren und blieben bisher unerkannt.

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