Geschäft boomt : Hamburg wird zum Mekka der Privatbanken

Im Sektor der Privatbanken läuft Hamburg Deutschlands Finanzhauptstadt Frankfurt den Rang ab.

Im Sektor der Privatbanken läuft Hamburg Deutschlands Finanzhauptstadt Frankfurt den Rang ab.

Nach Zahlen der Bundesbank liegt das mittlere Netto-Vermögen in Deutschland bei 60400 Euro. Das Geschäft der Privatbanken beginnt ab dem zehnfachen Wert – und es boomt. Gerade in Norddeutschland.

till_maj_0539 von
27. April 2018, 09:15 Uhr

Hamburg | Nach Zahlen der Bundesbank liegt das mittlere Netto-Vermögen in Deutschland bei 60400 Euro. Das Geschäft der Privatbanken beginnt ab dem zehnfachen Wert – und es boomt. Gerade in Norddeutschland. „Das Geschäft wächst mit hohen zweistelligen Wachstumsraten“, sagt Heiko Schlag, der das Deutschlandgeschäft der Schweizer Julius Bär leitet. Aus den anderen Privatbanken ist ähnliches zu hören.

Obwohl Frankfurt als Deutschlands Finanzhauptstadt gilt, gibt bei den Privatbanken zunehmend der norddeutsche Raum den Ton an. „Der Großraum Hamburg ist einer der attraktivsten Private-Banking-Standorte in ganz Europa“, erklärt Schlag. Die Schweizer sind neben BMW, SAP und Montblanc Hauptsponsor der Elbphilharmonie. Und sie setzen auf Expansion in den norddeutschen Ländern.

In Kiel sind sie schon länger aktiv, in den kommenden Wochen wird eine neue Filiale in Hannover eröffnet. Kundengelder in Höhe von 300 Millionen Euro wurden bereits vor dem Start eingesammelt. Insgesamt wird in Norddeutschland ein „stattlicher Milliardenbetrag“ verwaltet, wie es heißt.

Dabei haben die Privatbanken längst nicht mehr nur die großen Vermögen im Blick. Statt der sonst üblichen verlangten sechs- und siebenstelligen Beträge, die Kunden für eine Beratung mitbringen müssen, umwirbt beispielsweise das Hamburger Bankhaus M. M. Warburg inzwischen auch jene, die weniger auf der hohen Kante haben. Seit Oktober letzten Jahres gibt es ab 20000 Euro den Zugang zum Warburg Navigator – einem Robo-Advisor.

Ähnliche digitale Anlageberater haben zuletzt auch die Commerzbank (Cominvest), die Deutsche Bank (Robin) sowie die Volks- und Raiffeisenbanken (MeinInvest) und Sparkassen (BeInvestor) in Stellung gebracht, die ihrerseits in Zeiten niedriger Zinsen ebenfalls verstärkt auf das Geschäft mit den Vermögen setzen.

Bei Julius Bär wird beim Blick auf die Tech-Angebote abgewunken. Neue Technologien sieht man zwar als einen Weg, Informationen zu beschaffen und zu sortieren, nicht jedoch als Ersatz für den Dienst am Kunden, heißt es. „Es ist ein persönliches Banking, das wir machen“, sagt Sven Nykamp, Niederlassungsleiter in Hamburg. „Wenn man einen Kaugummi-Automaten aufstellt, bekommt man da keine Müsli-Riegel.“

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