Hamburger Wohnungsmarkt: Hier kann noch verdichtet werden

Neubau in Baulücke: Geplante Nachverdichtung in Eidelstedt.
Neubau in Baulücke: Geplante Nachverdichtung in Eidelstedt.

Wohnungsverband macht konkrete Vorschläge für bebaubare Lücken in Hamburger Stadtteilen

shz.de von
22. Mai 2018, 07:05 Uhr

Durch die Bebauung freier Flächen in Hamburgs Stadtteilen sowie die Aufstockung von Gebäuden können nach Auffassung des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) mindestens 2000 bezahlbare Wohnungen geschaffen werden. Das habe eine Umfrage unter den Wohnungsunternehmen ergeben, die in dem Verband organisiert sind. „Nachverdichtung ist ein guter Weg, rasch bezahlbare Wohnungen zu errichten“, sagte VNW-Direktor Andreas Breitner der Deutschen Presse-Agentur. „Die Infrastruktur ist vorhanden, und Flächen werden besser als bislang für den Wohnungsbau genutzt.“

Der VNW-Direktor forderte die Stadt auf, ihre Anstrengungen bei dieser sogenannten Nachverdichtung zu verstärken. „Bei den Grundstücken sind die reifen Früchte langsam gepflückt. Jetzt bedarf es eines höheren Aufwands, um weitere Flächen zu erschließen.“ Der Verband sieht unter anderem im Stadtteil Sasel die Möglichkeit, 80 Wohnungen durch Verdichtung zu errichten. Im Bezirk Bergedorf könnten am Bergedorfer Tor 82 und in der Sterntwiete 86 Wohnungen entstehen.

Im Bereich des Lohkoppelweges und des Rimbertsweges im Bezirk Eimsbüttel könnten laut VNW durch Aufstockung bis zu 400 Wohnungen zusätzlich gewonnen werden.

Die VNW-Unternehmen verwalten in Hamburg rund 330 000 Wohnungen. 2017 investierten sie rund 370 Millionen Euro in den Neubau und stellten knapp 1200 Wohneinheiten fertig. „Sinnvoll wäre eine großzügigere Förderung des Wohnungsneubaus an baulich schwierigeren Orten“, ergänzte Breitner. „Der Senat könnte Unternehmen besonders unterstützen, die bezahlbare Wohnungen beispielsweise durch die Aufstockung von Wohngebäuden oder in der zweiten Reihe bauen.“

Außerdem sieht der Verbandschef in der Nachverdichtung einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz: „Wir reduzieren den Flächenfraß. Dadurch, dass diese neuen Wohnungen nicht auf der grünen Wiese entstehen, sorgen wir dafür, dass Hamburg auch als Millionen-Stadt seinen grünen Charakter behält.“

71,4 Prozent der Fläche der Hansestadt sind laut Statistik mit Grünflächen oder Wäldern bedeckt. Berlin kommt auf 59 Prozent, München auf 49,9 Prozent. Jüngst hatte der Senat einem Vertrag mit der Mieter- und Wohnungsbaugenossenschaft Gartenstadt Farmsen zugestimmt, der den Weg für Nachverdichtung und Altlastensanierung im Stadtteil ebnen soll. Rund 800 Wohnungen könnte dadurch realisiert werden, teilte die Finanzbehörde mit. Die Genossenschaft verfügt aktuell über 2558 Wohnungen.

Gegen eine engere Bebauung in den Quartieren machen Umwelt- und Naturschützer schon seit längerem Front. Laut Nabu und BUND führt der Bau von 10 000 Wohnungen pro Jahr zu einer Versiegelung von rund 70 Hektar in Hamburg. „Es zeichnet sich ab, dass sich der Zugriff auf weitere wertvolle Freiflächen noch verstärken wird“, warnte der BUND im April dieses Jahres.

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