Kommunalwahlen : Kommunalwahlen - ein buntes Bild im Kieler Rathaus

Gespannt warten die Fraktionschefs Hans-Friedrich Traulsen (SPD; vorne l.) und Stefan Kruber (CDU) auf die Ergebnisse. In zweiter Reihe: Ex-SPD-Landeschef Claus Möller (l.) und Robert Vollborn (CDU).
Gespannt warten die Fraktionschefs Hans-Friedrich Traulsen (SPD; vorne l.) und Stefan Kruber (CDU) auf die Ergebnisse. In zweiter Reihe: Ex-SPD-Landeschef Claus Möller (l.) und Robert Vollborn (CDU).

Mindestens acht Parteien schafften gestern den Sprung in die Ratsversammlung. SPD und CDU meldeten deutliche Verluste, die Grünen legten dagegen kräftig zu. Auch wenn der Bürgerentscheid gegen den Flughafen-Votum eine klare Niederlage kassierte.

shz.de von
07. Mai 2018, 10:15 Uhr

Für Hans-Werner Tovar hätte der Abend kaum schöner verlaufen können. Seine Partei, die SPD, bleibt stärkste Fraktion in der Kieler Ratsversammlung. Und der erste Wahlkreis, der gestern Abend ausgezählt wurde, war Dietrichsdorf, wo Tovar kandidierte – und deutlich gewann. Das erste Kieler Mandat der Kommunalwahl 2018 fiel damit an den bisherigen und wahrscheinlich auch künftigen Stadtpräsidenten.

Wie üblich hatte der Offene Kanal Kiel (OKK) den Ratssaal in ein Aufnahmestudio verwandelt. Vorbereitet waren die große Leinwand, auf der die Ergebnisse, die im städtischen Wahlamt aufliefen, sekundenschnell übertragen wurden, und auch die Mikrofone für die Elefantenrunde, bei später am Abend die Kreisvorsitzenden befragt wurden.

Stefan Kruber (CDU) lieferte zunächst noch eine halbwegs brauchbare Erklärung für die ersten schlechten Zahlen seiner Partei: die geringe Wahlbeteiligung (und damit die schnelle Auszählung) auf dem traditionell linken Ostufer. Doch es wurde im Laufe des Abends nicht viel besser. Die Union, die sich insgeheim Hoffnungen auf den Status als größte Fraktion gemacht hatte, verlor kräftig gegenüber 2013. Nach Auszählung aller 149 Wahllokale rutschte sie von 29,7 auf 23,5 Prozent ab.

Dabei musste auch die SPD in ähnlicher Größenordnung Federn lassen (von 35,7 auf 29,9 Prozent). Doch die Erwartungen waren bei den Genossen deutlich niedriger. „Wenn wir 30 Prozent der Stimmen erhalten und stärkste Fraktion bleiben, freuen wir uns“, zeigte sich Hans-Friedrich Traulsen im Interview mit Thomas Borowski (OKK) bescheiden.

Den Verlusten der beiden großen Parteien stand ein klares Plus bei den Grünen gegenüber. Sie konnten ihr gutes Ergebnis von 2013 (17,6) auf 20,5 Prozent steigern und bleiben die unangefochtene Nummer drei im Rathaus. Mehr noch: Traulsen, der allerdings auch mit der Union über eine Kooperation sprechen will, sieht in den Grünen den Wunschpartner für die künftige Kommunalpolitik. Zumal der Knackpunkt Flughafen, an dem vor 16 Monaten die Kooperation zerbrach, vom Tisch ist: Weit über zwei Drittel der Kieler (70,3 Prozent) lehnten die Forderung ab, das Rollfeld in Holtenau zugunsten des sozialen Wohnungsbaus zu schließen. Doch Jessica Kourdoni, Spitzenkandidatin der Grünen, widersetzte sich (noch) dem Werben der Roten: „Die Koalitionsfrage bleibt offen.“

Der SSW als Vertretung der dänischen Minderheit sackte gestern Abend von 3,4 auf 2,8  Prozent ab. Die FDP legte dagegen von 3,9 auf 6,5 Prozent zu. Und die Linke konnte sich von 3,4 auf 7,2 Prozent sogar mehr als verdoppeln. Mit der Spaß-Partei namens „Die Partei“ wird es eine neue Fraktion im Kieler Rathaus geben. Sie kam aus dem Stand auf 2,6 Prozent. Noch besser machte es die AFD, die gleich im ersten Anlauf 5,9 Prozent der Stimmen holte.

Die Ratsversammlung hat üblicherweise 49 Plätze. Das Stadtparlament wuchs 2013 aufgrund von Überhangmandaten auf eine Größe von 53 Sitzen. Ob es diesmal auch zu einer Erweiterung kommt, war gestern Abend noch nicht endgültig geklärt. Tatsache aber ist jetzt schon: Die Ratsversammlung wird kleinteiliger und bunter. Bislang gab es sechs Fraktionen, künftig werden es in Kiel mindestens acht sein. 
 

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