Masterplan : In Kiel kennt Mobilität keine Grenzen

Lastenrad, E-Bike, Elektrofahrzeug: Janet Sönnichsen (von links), Stephanie Ladwig, Ulf Kämpfer, Volker Breuer und Petra Coordes rufen mit dem Masterplan zum Umdenken im Verkehr auf.
Lastenrad, E-Bike, Elektrofahrzeug: Janet Sönnichsen (von links), Stephanie Ladwig, Ulf Kämpfer, Volker Breuer und Petra Coordes rufen mit dem Masterplan zum Umdenken im Verkehr auf.

Mit dem neuen Masterplan verknüpfen die Landeshauptstadt Kiel und die beiden Nachbarkreise ihre Planung für den Verkehr der Zukunft. Alle Beteiligten wissen, dass für den Verkehr der Zukunft viel Geld nötig sein wird. Aber das schreckt sie nicht, sie haben auch kaum Alternativen.

shz.de von
25. Mai 2018, 10:40 Uhr

Unbescheiden sind sie nicht, die Verantwortlichen in der Kiel-Region. „Im Jahre 2035 werden wir auf unseren Radwegen zu 25 Prozent schneller unterwegs sein. 5000 Carsharing-Autos werden 65 000 private Autos ersetzen. Und die Menschen legen 110 000 Wege mit dem ÖPNV statt mit dem eigenen Auto zurück.“ – So steht es im Masterplan Mobilität, zu dem sich die Landeshauptstadt Kiel mit den Nachbarkreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön zusammengefunden hat. „Wir haben jetzt eine gemeinsame Strategie“, jubelt Janet Sönnichsen, die Geschäftsführerin der Kiel-Region.

Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass das Straßennetz mit dem Individualverkehr vor dem Kollaps steht. Das gilt nicht nur für den völlig überlasteten Theodor-Heuss-Ring mit seinem schwierigen Abgasproblem, das gilt eigentlich für alle Haupttrassen, die Kiel mit dem Umland im Osten, Süden oder Westen verbinden. Folgerung: Das Umsteigen auf Bus und Bahn soll attraktiver werden, die Taktung verbessert, die Verlässlichkeit gesichert werden.

So schwebt etwa der Plöner Landrätin Stephanie Ladwig vor, dass die Touristen stärker als bisher den ÖPNV nutzen. Volker Breuer, Chefplaner für die Regionalentwicklung im Kreis Rendsburg-Eckernförde, will ab sofort die Berufspendler ins Zentrum der Überlegungen zum Verkehr der Zukunft stellen. Und Petra Coordes, Prokuristin beim Nahverkehrsbund SH, möchte Radverkehr, Carsharing (die gemeinsame Autonutzung) „und viele andere gute Angebote“ mit dem öffentlichen Nahverkehr verknüpfen.

Vernetzung ist überhaupt das Zauberwort im Masterplan Mobilität. Die Bus-Haltestelle oder der Bahnhof werden nicht nur wie bisher mit Parkplätzen kombiniert, sondern im Idealfall auch mit Radstationen und Carsharing-Angeboten. Damit wäre auch für das abgelegene Dorf eine Erreichbarkeit gesichert.

Bei allen Wünschen und Visionen: Die Partner in der Kiel-Region wissen, dass die Projekte der Zukunft viel Geld kosten. Doch mit dem gemeinsamen Masterplan bekunden sie ihre Bereitschaft, im Ernstfall in die Tasche zu greifen. Hein Schönberg etwa, die wiederbelebte Eisenbahnstrecke zwischen Kiel und der Probstei, schlägt bislang mit 30 Millionen Euro zu Buche.

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ahnt, „dass wir mit dem Projekt Stadtbahn ein Riesenfass aufmachen“. Doch es gibt aus seiner Sicht keine Alternative. Busse allein könnten den erhofften Anstieg der Passagierzahlen nicht bewerkstelligen. Wie die konkrete Umsetzung der 72 im Masterplan genannten Einzelpunkte aussehen wird, steht nicht fest. Ein dreiköpfiges Team macht sich ab Juli an die Arbeit. Die Ergebnisse werden sehnsüchtig erwartet.

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