Waldorfschule Rendsburg : Elfjähriger will Schließung seiner Schule verhindern und appelliert an Merkel.

Bundeskanzlerin Angela Merkel meldete sich zwar nicht selbst bei dem Schüler, aber eine Mitarbeiterin aus dem Kanzleramt schrieb ihm eine E-Mail.
Bundeskanzlerin Angela Merkel meldete sich zwar nicht selbst bei dem Schüler, aber eine Mitarbeiterin aus dem Kanzleramt schrieb ihm eine E-Mail.

Der Aufruf klang verzweifelt. Unter der Überschrift „Angela Merkel, rette unsere Schule!“, wandte sich der elfjährige Büdelsdorfer Josua Schauer in der Landeszeitung an die Bundeskanzlerin. Er besucht die Freie Waldorfschule Rendsburg, die wegen der Insolvenz des Trägervereins „Waldorfpädagogik in Rendsburg“ zum Sommer schließt.

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23. Mai 2018, 10:10 Uhr

Rendsburg | Der Aufruf klang verzweifelt. Unter der Überschrift „Angela Merkel, rette unsere Schule!“, wandte sich der elfjährige Büdelsdorfer Josua Schauer in der Landeszeitung an die Bundeskanzlerin. Er besucht die Freie Waldorfschule Rendsburg, die wegen der Insolvenz des Trägervereins „Waldorfpädagogik in Rendsburg“ zum Sommer schließt (wir berichteten).

Nachdem alle bisherigen Versuche zur Rettung der Einrichtung scheiterten, liegen Josuas Hoffnungen auf Merkel. Er hätte sie am liebsten zu sich nach Hause eingeladen, um ihr die ganze Misere seiner Schule zu erzählen.

Sein Vater Stefan Schauer berichtet, dass das Büro der Kanzlerin auf den LZ-Bericht reagierte. Mitarbeiterin Claudia Krüger habe eine E-Mail an Josuas Mutter Mira Roggenbach geschickt. Stefan Schauer wundert sich nicht, dass das Kanzleramt die E-Mail-Adresse gefunden hat. Immerhin sind er und seine Frau als Künstler bekannt und betreiben eine gemeinsame Internetseite mit Kontaktdaten.

Merkels Mitarbeiterin spricht den Elfjährigen in der E-Mail direkt an: „Lieber Josua, die Kanzlerin hat mich gebeten, dir zu schreiben.“ Angela Merkel käme aufgrund ihrer vielen politischen Aufgaben nicht dazu, sich selbst an ihn zu wenden, und habe daher sie darum gebeten. Claudia Krüger erklärt Josua, dass nicht der Bund, sondern das Land für die Schulen zuständig ist. Wenn er sein Anliegen „auf eine politische Ebene heben“ wolle, solle er sich an seinen Ministerpräsidenten Daniel Günther wenden. „Die Kanzlerin wünscht dir und deinen Mitschülern alles Gute und viel Erfolg!“

Josuas Vater ist begeistert: „Ich fand es toll, dass die reagiert haben.“ Ein oder zwei Tage später suchten Mira Roggenbach und er über die Internetseite der Landesregierung Kontakt zu Ministerpräsident Daniel Günther – bisher allerdings ohne Reaktion. „Da ist das versandet“, stellt Schauer fest.

Die Versuche zur Rettung der insolventen Freien Waldorfschule Rendsburg scheiterten unter anderem an einem Rechtsstreit. Der Trägerverein hatte elfmal einer Lehrerin gekündigt, die bisher erfolgreich dagegen klagte. Wie ein Sprecher des Insolvenzverwalters Reinhold Schmid-Sperber erläuterte, kann sich der Prozess über Jahre hinziehen. Jeder neue Träger stünde vor dem Risiko, die Prozesskosten tragen zu müssen, wenn die Lehrerin erneut gewinnen würde. Der im Dezember gegründete Verein „Waldorfpädagogik in Rendsburg“ zog sein Angebot zur Übernahme der Trägerschaft mit der Begründung zurück, dass immer mehr Eltern und Lehrer der Schule den Rücken kehren.

Eine Verhandlung gestern am Landesarbeitsgericht in Kiel endete ohne Ergebnis. „Es war noch nicht entscheidungsreif“, teilte eine Mitarbeiterin aus dem Presseteam auf Anfrage mit. Der Prozess soll im August fortgesetzt werden. Ein Termin steht noch nicht fest.

Die Lehrerin berichtete der Landeszeitung, dass sie sieben fristlose Kündigungen und weitere vier mit Fristen erhalten hatte. Die Klagen gegen die ersten acht Versuche, das Arbeitsverhältnis zu beenden, hatte sie gewonnen. Mit dem neunten Schreiben wurde ihr zum 30. April 2018 gekündigt. Daher ist sie seit 1. Mai arbeitslos. Die Kündigungen Nummer 10 und 11 hatten zum Ziel, sich zum 31. Juli von ihr zu trennen. Gestern sollten die Kündigungen 9 bis 11 verhandelt werden. Der Lehrerin zufolge tritt als Prozessgegner der Insolvenzverwalter auf.

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