Eckernförde : Proteste gegen Redner der Dänischen Volkspartei

Freuen sich ungeachtet der Proteste einiger Eltern auf das Jahrestreffen und bauen das Festgelände auf dem IF-Sportplatz auf: (v. l.) Joesy Kasbab, Fred Witt, André Kasbab und Helmut Hansen.
Freuen sich ungeachtet der Proteste einiger Eltern auf das Jahrestreffen und bauen das Festgelände auf dem IF-Sportplatz auf: (v. l.) Joesy Kasbab, Fred Witt, André Kasbab und Helmut Hansen.

Einige Eltern aus den Reihen der Dänischen Minderheit kritisieren den Auftritt von Martin Henriksen von der Dänischen Volkspartei als Redner auf dem IF-Sportplatz. Sie kritisieren seine Ausländerpolitik.

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01. Juni 2018, 08:45 Uhr

Kurz vor dem Jahrestreffen der Dänischen Minderheit im nördlichen Schleswig-Holstein an diesem Wochenende protestieren einige Eltern aus ihren Reihen gegen die Auftritte von Vertretern der nationalkonservativen Dänischen Volkspartei. In Eckernförde tritt am Sonnabend, 2. Juni, gegen 15.30 Uhr Martin Henriksen als Hauptredner auf dem IF-Sportplatz auf. „In Eckernförde darf mit Martin Henriksen der ausländerpolitische Sprecher der Danske Folkeparti vor Publikum reden. Er gilt als besonders radikal und ruft auf seiner Facebook-Seite zu restriktiven Maßnahmen gegen Ausländer auf“, schreiben die Eltern in einer Pressemitteilung.

„Ich war schockiert,“ sagt ein Vater, der zwei Schulkinder auf dänischen Schulen in Eckernförde und Schleswig hat. „Steht unser Dänischer Schulverein nicht ausdrücklich für Meinungsvielfalt und Toleranz sowie gegen Separatismus und Nationalismus?“

„Ich schicke doch nicht mein Kind auf eine dänische Schule, um es als Weltbürger tolerant erziehen zu lassen, um es dann auf einer Feier der eigenen Schulen mit Rassismus-Parolen bombardieren zu lassen,“ sagt eine andere Mutter und erwägt sogar, ihr Kind umzuschulen.

„Ich habe das dänische System bisher unpolitisch betrachtet und wollte meinen Kindern eine Alternative zum etwas starren, deutschen Schulsystem bieten“, sagt eine andere Mutter, die in Eckernförde und Rieseby drei Kinder in den Einrichtungen der Dänischen Minderheit hat. Für die Riesebyerin wie auch für andere Eltern aus Eckernförde und Umgebung steht fest: „Ich möchte mich ausdrücklich vom nationalistischen und fremdenfeindlichen Gedankengut eines Martin Henriksen distanzieren. Die politischen Überzeugungen des Gastredners stehen im großen Gegensatz zum alltäglich gelebten Miteinander in der Dänischen Minderheit. Sollten dies tragende Ideen für das dänische System in Schleswig-Holstein sein, kann ich mich damit nicht identifizieren.“ Schüler und Eltern wollen sich an Vertreter des SSW wenden und eine Debatte in Gange zu setzen, in der sich die Dänische Minderheit eindeutig positionieren soll.

Die Eltern haben sich mit ihrem Protest auch an die Veranstalter, den Südschleswigschen Verein (SSF) gewandt. Sie bekommen auf dem Festgelände einen Pavillon zugewiesen, an dem sie für ihre Position werben dürfen. SSF-Vorsitzender Fred Witt, der gerade mit einem Helferteam das Festgelände auf dem IF-Platz im H.C.-Andersen Weg aufbaut, kann über die Proteste nur den Kopf schütteln: „Die wissen gar nicht, was sie kaputtmachen.“

Auch die Landesvorsitzende des Jahrestreffen-Ausschusses der Dänischen Minderheit, Gitte Hougaard-Werner, hat mit den Eltern gesprochen. Den Protest kann sie nicht nachvollziehen, weil er mit dem Anlass, dem Jahrestreffen der Dänischen Minderheit in Südschleswig, nichts zu tun habe. Mit Henriksens innenpolitischen Äußerungen zur Flüchtlingspolitik könne man sich ja inhaltlich auseinandersetzen, „aber Martin Henriksen kommt zu uns nach Eckernförde, um hier über die Dänische Minderheit und das Miteinander in Südschleswig zu sprechen“, sagt die Organisationschefin. Man müsse zwischen den zuweilen kritischen Äußerungen Henriksen in der Ausländerpolitik und seinem Eintreten für die Dänische Minderheit differenzieren. Es würden im Übrigen alle Parteien des Folketing zum Jahrestreffen eingeladen.

In Henriksen habe die Minderheit einen sehr großen Fürsprecher und Förderer, der andererseits auch erwartet, dass die Mitglieder die dänische Sprache und Kultur pflegen. „Er ist ein Vorkämpfer für die Dänische Minderheit“, lobt Hougaard-Werner den Gast. Und ein sehr wichtiger dazu: Der Politiker der Dänischen Volkspartei ist Mitglied im Südschleswig-Ausschuss, der dem Folketing empfiehlt, wieviel Geld das Königreich für die Dänische Minderheit in Schleswig-Holstein zahlt. Im laufenden Jahr sind es nach SSF-Auskunft 400 Millionen Kronen, umgerechnet 52 Millionen Euro. Damit werden unter anderem Lehrer, Erzieher und die Mitarbeiter der dänischen Einrichtungen und Vereine bezahlt.

„Wir wollen ein guter Gastgeber sein und zeigen, wie toll wir sind“, sagt der Lehrerin und Organisationschefin. Von den Protestler erwartet sie Toleranz und Differenzierungsvermögen. Wie entspannt und zuversichtlich Martin Henriksen seinem Auftritt beim Jahrestreffen in Eckernförde entgegenblickt, zeigt die Tatsache, dass er mit seiner Frau und seinen drei Kindern nach Eckernförde anreist. Seine Haltung in der Ausländer- und Flüchtlingsfrage sei keineswegs mit der der AfD gleichzusetzen. Eher mit der der CSU und von Innenminister Seehofer, sagt Hougaard-Werner. Sie hofft, dass die Situation am Sonnabend nicht eskaliert und die Proteste der „mini-kleinen Gruppe“ im Rahmen bleiben.

Die SSW-Landtagsabgeordnete Jette Waldinger-Thiering aus Eckernförde sagte der EZ: „Unsere Demokratie lebt von der freien Meinungsäußerung. Dies gilt für die Schüler, Eltern, aber auch für unsere dänischen Gäste , die mit uns gemeinsam das Jahrestreffen feiern.“ Ihr sei es wichtig, sich mit den politischen Haltungen und Argumenten Andersdenkender auseinanderzusetzen, nicht aber die Person selbst zu diskreditieren. „Wir können zu Recht stolz darauf sein, dass wir in einer offenen und bunten Willkommenskultur leben, in der wir uns kritisch mit unterschiedlichen politischen Strömungen auseinandersetzen. Deshalb ist eine politische Rede von Martin Henriksen genauso legitim, wie die Tatsache, dass es Menschen gibt, die seine politischen Auffassungen nicht teilen, und die es auch kundtun können.“

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