Finanzministerin : Finanzministerin besucht Eckernförde und hat ein Ohr für das Ehrenamt

Finanzministerin Monika Heinold lobte gestern die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe und hörte ihne lange zu.
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Finanzministerin Monika Heinold lobte gestern die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe und hörte ihne lange zu.

Monika Heinold hat Ehrenamtliche des Willkommenscafés besucht. Heinold sei dabei schon vorher aufgefallen, dass das Ehrenamt in Schleswig-Holstein größtenteils von Senioren getragen wird.

shz.de von
16. April 2018, 08:55 Uhr

Eckernförde | Sie gibt sich ganz entspannt: „Ich kann nicht nur in Excel-Tabellen leben, sondern muss auch mit den Menschen reden“, sagt Schleswig-Holsteins Finanzministerin gestern in der Bürgerbegegnungsstätte. Und Geld wird überall benötigt, ob im Sport, in der Bildung oder eben in der Flüchtlingsarbeit.

Und genau darüber informiert sich Monika Heinold in Eckernförde an diesem Tag. Sie habe in den Osterferien nämlich „Luft im Kalender“, und in solchen Zeiten sei sie im Land unterwegs. Bei der Initiative „Willkommen in Eckernförde“ kooperieren 175 Ehrenamtliche mit den hauptamtlichen Mitarbeitern des Vereins „Umwelt Technik Soziales“ (UTS) und der GmbH „Pro Regio“. Sie betreuen Flüchtlingsfamilien, weisen sie in die deutsche Kultur ein, helfen ihnen bei Behördengängen. Im Willkommenscafé können Kontakte geknüpft werden, es gibt eine Fahrradselbsthilfewerkstatt, zwei Nähwerkstätten, eine Kochgruppe und Weltgärten.

Schon vorher war Monika Heinold aufgefallen, dass das Ehrenamt in Schleswig-Holstein größtenteils von Senioren getragen wird, weshalb sie ihre Bereisung unter das Motto „Senioren packen an – im Alter aktiv im Ehrenamt!“ gestellt hat. Da ist sie in der Flüchtlingshilfe in Eckernförde genau richtig: Auch hier dominieren silberblonde Haare die Köpfe der Engagierten.

Einer davon gehört Jürgen Hess, der eine von der Abschiebung bedrohte armenische Familie betreut. „Wir hoffen, dass sie bleiben kann“, sagt er. Sie integriere sich sehr gut. Dennoch sei seine anfängliche „Euphorie und Begeisterung“ mittlerweile „Nachdenklichkeit und Begeisterung“ gewichen. „Viele Flüchtlinge sehen es als selbstverständlich an, was sie vom Staat und von den Ehrenamtlichen bekommen.“ Karl-Heinz Ferlmann gibt ihm recht: Es müsse mehr Geld für Dolmetscher ausgegeben werden, die den Flüchtlingen erklären, was in Deutschland alles für sie geleistet werde. Antje Nottrodt wiederum liegen die Frauen besonders am Herzen: „Die Flüchtlingsfrauen haben es schwer“, sagt sie. „Viele Männer wollen nicht, dass ihre Frauen einen Deutschkurs belegen. Sie sollen sich um die Kinder kümmern.“

Nicht alle Themen, die an diesem Vormittag angesprochen werden, sind im Finanzressort richtig aufgehoben, aber Monika Heinold nickt, ihr Mitarbeiter macht sich Notizen. „Das gebe ich ans Sozialministerium weiter“, sagt sie. Oder „Es ist wichtig, darüber zu reden.“

Am Ende nimmt sie besonders zwei Dinge mit nach Kiel: Die hauptamtliche Struktur ist zur Unterstützung des Ehrenamtes unabdingbar, und das Integrationsprogramm muss eine Veränderung erfahren: Zu den Sprachkursen müssen jetzt Qualifizierungsmaßnahmen kommen.

Jährlich gibt das Land 2,5 Millionen Euro zur Unterstützung hauptamtlicher Strukturen im Ehrenamt aus. Davon werden unter anderem auch lokale Beratungs- und Koordinierungsstellen für die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe finanziert. Zusätzlich gewährt das Land ehrenamtlich tätigen Menschen Aufwandsentschädigungen und Verdienstausfallerstattungen sowie Zuschüsse an zahlreiche Vereine und Verbände.

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