Poetry Slam : Dichter-Wettstreit in Eckernförde

Die Finalisten Max Michaelis, Sophie Teschke (1. Preis) und Annalisa Biehl (vorn, v.l.). Dahinter die Moderatoren Katharina Dushe und Leon Schwarz.
Die Finalisten Max Michaelis, Sophie Teschke (1. Preis) und Annalisa Biehl (vorn, v.l.). Dahinter die Moderatoren Katharina Dushe und Leon Schwarz.

Beim 3. Poetry Slam in der Jungmannschule ging es hoch her. Bei diesem literarischen Wettstreit, bei dem Selbstgeschriebenes vorgetragen und vom Publikum bewertet wird, gibt es feste Regeln, so auch beim jüngsten Abend der Eckernförder Literatur-Newcomer.

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28. Mai 2018, 09:35 Uhr

Eckernförde | Beim 3. Poetry Slam in der Jungmannschule ging es hoch her. Bei diesem literarischen Wettstreit, bei dem Selbstgeschriebenes vorgetragen und vom Publikum bewertet wird, gibt es feste Regeln, so auch beim jüngsten Abend der Eckernförder Literatur-Newcomer: Ob gereimt oder nicht, so musste es doch vor allem selbst kreiert sein und im Vortrag nicht länger als sechs Minuten dauern. Der Saal war proppevoll, im Publikum waren zuvor Abstimmungskarten an 13 Gäste verteilt worden, und „Aufpasser“ Thies Castagne – vom Schreibtisch am Rande aus – zählte nach jedem Beitrag die Stimmkarten.

Der Ablauf war perfekt organisiert. Drei Gruppen mit je drei Slammern gaben jeweils ihr Bestes. Wer je Gruppe die meisten Stimmen erhielt, kam in die Finalrunde. Die drei Finalisten trugen je einen weiteren Text vor, und zum Schluss gab es einen strahlenden Sieger. Am Freitag war das Sophie Teschke als Slammer-Queen.

Wie die Profis agierten dabei Katharina Dushe (9. Klasse) und Leon Schwarz (11. Klasse) als Moderatoren, hatten alles fest im Griff, erklärten den Ablauf und übten sogar drei unterschiedliche Beifallarten ein: ein wenig verhalten, wenn nur solala, schon ganz schön kräftig, wenn’s gefiel, und tosenden Applaus bitte, wenn der Beitrag besonders intelligent oder lustig oder ergreifend war. Alleine das Applausüben machte schon Laune. Und Buh-Rufe waren selbstverständlich strikt verboten.

Ganz schön mutig, da vorne allein zu stehen und lebhaft das vorzuführen, was einem durch den Kopf geht, einen mehr als anderes beschäftigt. Sein Inneres nach außen kehren und sich damit dem Publikum und dessen Kritik zu stellen, das verlangte schon ein sattes Selbstbewusstsein. Das konnte man allen Slammern allerdings bescheinigen.

In der ersten Gruppe präsentierten Emily Haug, Max Michaelis und Victoria Rockwitz ihre Textbeiträge. Es ging um Liebe und Glück („Glück ist, wenn der Verstand tanzt, das Herz atmet, die Augen lieben“ – frei nach Gabriel Garcia Marquez), um „Was ist normal?“ und um den Perfektionisten in der eigenen Person.

Die zweite Gruppe bestritten Kathleen Bott, Annalisa Biehl und Inga Dahl. Hier erntete „Liebe bleibt Liebe und Joshua bleibt Joshua“ besonders herzlichen Applaus: Annaliesa stellte lebenskluge Überlegungen über Paarbeziehungen und neue tolerante Regelungen an.

In der letzten Gruppe stellten sich Sophie Teschke, Caroline Prager und Lilli Adams der Jury, dem Publikum. Caroline formulierte angstfrei und mutig ihren Liebeskummer. Lilli hatte es mit Zeus, und wie aus dessen enormem Kater die Migräne entsteht – eine Kopfgeburt. Der Beitrag von Sophie war besonders originell, dazu perfekt in Vortrag und gestischer Vermittlung. Sophie hat ein Problem: Was macht man nach dem geschafften Abi mit der vielen Freizeit? Ihr Gehirn sei jetzt unterfordert und nach allen Anstrengungen völlig aus der Balance. Was macht man mit zu viel Zeit? Ja, man konnte sie verstehen – und amüsierte sich köstlich.

In der Finalrunde gewann sie den ersten Preis mit einem launigen Exkurs über „genug trinken“ und Alkohol.
 

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