Hamburg : Hamburg: Zero-Waste Strandbar eröffnet vor der Rindermarkthalle

Im Karo Beach vor der Rindermarkthalle soll 90 Prozent weniger Müll produziert werden, als in vergleichbaren Gastronomiebetrieben.

Im Karo Beach vor der Rindermarkthalle soll 90 Prozent weniger Müll produziert werden, als in vergleichbaren Gastronomiebetrieben.

In St. Pauli eröffnet der erste müllfreie Beachclub. Den Machern geht es vor allem darum, Impulse zu setzen.

shz.de von
11. Mai 2018, 09:00 Uhr

Hamburg | Perlweißer Sand zwischen den Zehen und ein kühler Drink in der Hand – da geht nicht viel drüber. Beachclubs hat Hamburg deshalb viele, doch der Karo Beach auf dem Vorplatz der Rindermarkthalle in St. Pauli, der ab sofort geöffnet hat, unterscheidet sich von anderen urbanen Strandbars: Es handelt sich dabei um Deutschlands ersten Zero-Waste-Beachclub. Ziel ist es, wenig Energie und Ressourcen zu verbrauchen, nachhaltige und faire Produkte anzubieten und dabei möglichst wenig Müll zu produzieren.

Hinter dieser Idee stecken Dominik Lorenzen und seine Firma Teamgeist. Lorenzen ist gleichzeitig Mitbegründer von „Stückgut“, Hamburgs erstem Laden, in dem man komplett verpackungsfrei einkaufen kann – von Müsli und Reis über Kaffee, Schokolade und Gewürze bis hin zu Waschmittel, Spülmittel und Toilettenpapier. Behälter zum Abfüllen bringen die Kunden einfach selbst mit. Der Anfang 2017 in Ottensen eröffnete Laden fand schnell so großen Anklang, dass vor einem Monat eine weitere Filiale in der Rindermarkthalle hinzukam. Auch die brummt.

Ein eindeutiger Beweis dafür, dass bei Verbrauchern ein Umdenken stattfindet. „Durch die ganzen Bilder von Plastik in den Ozeanen und das eigene Erleben, dass überall Müll herumliegt, sind immer mehr Menschen der Meinung, dass etwas falsch läuft – und suchen nach einer Alternative“, so Lorenzen. „Deutschlandweit gibt es mittlerweile über 70 unverpackt Läden, auch viele Supermärkte und Einzelhändler haben angefangen, kleine unverpackt Zonen einzurichten.“

Nun will Lorenzen das Konzept in die Gastronomie übertragen. Im Karo Beach soll 90 Prozent weniger Müll produziert werden, als in vergleichbaren Gastronomiebetrieben. Plastikstrohhalme, Aluminiumdosen oder Pappbecher gibt es nicht. Stattdessen setzen Lorenzen und sein Team auf Halme aus Glas und echtem Stroh sowie auf ein Becher-Pfandsystem. Die Servietten haben einen besonders hohen Altpapier-Anteil und es gibt auch keine Heizpilze.

An kalten Tagen werden den Besuchern Decken zur Verfügung gestellt. „Darüber hinaus passiert ganz viel hinter den Kulissen, das für die Besucher unsichtbar bleibt“, so Lorenzen. „Zum Beispiel ist es üblich, dass Waren auf Europapaletten zur Sicherung in Plastikfolien eingeschweißt sind. Unser Lieferant benutzt nun einen Gurt, was natürlich mehr Arbeit für den Fahrer bedeutet. Solche Unterhaltungen führen wir gerade mit allen Lieferanten.“

150 Tonnen feinster Sand, der aus Kaltenkirchen stammt und zu 100 Prozent wiederverwertet wird, wurde vor der Rindermarkthalle aufgeschüttet. Für die Terrasse wurden heimische Hölzer verwendet und als Verkaufstresen dient ein gebrauchter Container. Dort bekommen Besucher vom Kaffee bis zum Cocktail alkoholische und alkoholfreie Getränke, aber auch Speisen: Frühstück gibt es ab vier Euro, warme Gerichte ab 6,90 Euro.

Das Angebot ist groß, denn geliefert wird es von verschiedenen Gastronomen in der Rindermarkthalle. Aktuell sind Thai Pauli, Marktkoenig, Ciao Bella und der Crêpe-Anbieter Plattenladen dabei, das Angebot soll aber zunehmend erweitert werden. Wer eine Bestellung aufgibt, bekommt einen Brummer und kann sein Essen etwa zehn Minuten später am Verkaufstresen abholen.

Natürlich müssen sich auch die teilnehmenden Gastronomen Mehrwegkonzepte ausdenken. Und genau darum geht es sowohl Lorenzen als auch den Betreibern der Rindermarkthalle. „Während die Gastronomen sich ein Konzept für den Beach Club ausdenken, werden sie generell für das Thema Müllvermeidung sensibilisiert und machen hoffentlich auch drinnen weiter“, sagt Martin Bo Ahlers, Center Manager der Rindermarkthalle. „Wir wollen einen Impuls setzen und probieren hier Sachen aus, die anschließend hoffentlich für die gesamte Hamburger Gastronomie interessant werden.“

Pünktlich zur Eröffnung unterstützt der Karo Beach deshalb die von dem Hamburger Verein Clubkinder e.V. und der Green Music Initiative initiierte Kampagne „Love Party. Hate Plastic. Hashtag F C K S T R A W S“. Ziel ist es, erst Hamburg und dann ganz Deutschland von Plastikstrohhalmen zu befreien. Mehrere Hamburger Clubs und Gastronomen, darunter Central Park und Moondoo, haben sich bereits angeschlossen.

„Müllvermeidung ist gerade ein großer Trend, überall auf der Welt beschäftigen sich Gastronomen damit“, weiß Lorenzen. So hat in unmittelbarer Nähe zum Karo Beach, in der Sternstraße 25, kürzlich Hamburgs erstes Zero-Waste-Café In guter Gesellschaft eröffnet. „Um die Rindermarkthalle herum ist also eine Art Zero-Waste-Hotspot entstanden“, so Lorenzen weiter. „Wir wollen die Leute aber nicht erziehen, sondern etwas Cooles machen, das Spaß macht und positiv ist.“

Über den Zero Waste Ansatz hinaus soll der Karo Beach deshalb ein Treffpunkt für die ganze Familie sein: Im Gegensatz zu anderen, eher Party-orientierten Beach Clubs sind auch Kinder willkommen. Es gibt eine große Sandkiste und eine Brei-Station, an der Mütter eben diesen zubereiten können. In Kooperation mit der Kaifu Lodge und dem Gorilla Gym wird es den Sommer über von Volleyball bis zu Yoga Bewegungsangebote für Jung und Alt geben.

Darüber hinaus plant Lorenzen weitere Veranstaltungen, die zum Konzept Nachhaltigkeit, Nachbarschaft und Familie passen – zum Beispiel ein Repair-Café, bei dem die Gäste gemeinsam Dinge reparieren können, sowie ein sonntägliches Zero-Waste-Picknick. „Eigene Speisen dürfen ausdrücklich mitgebracht werden“, sagt er. „Wir sind nicht vom Gewinn getrieben. Uns geht es um die Idee.“

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