Aus dem Gerichtssaal : Festnahme: Familienvater aus Hamburg wollte ins Drogengeschäft, um seine Schulden zu begleichen

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Der Plan des Mannes ging auf der Autobahn bei Neumünster-Mitte gründlich schief. Jetzt muss sich der bisher unbescholtene Bürokaufmann vor dem Schöffengericht verantworten.

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18. Mai 2018, 07:00 Uhr

Neumünster | Es sollte der große Befreiungsschlag werden. Mit nur einer Autotour wollte ein Familienvater aus Hamburg im Januar vergangenen Jahres seine Geldsorgen in den Griff bekommen. Sein Plan: Er wollte ins Drogengeschäft einsteigen. Doch die Sache ging auf der Autobahn bei Neumünster-Mitte gründlich schief. Gestern musste sich der bisher unbescholtene Bürokaufmann vor dem Schöffengericht verantworten.

„Das war ’ne total dumme Idee“, erklärte der Angeklagte selbstkritisch und erzählte die ganze Geschichte: Weil ihm das Wasser finanziell bis zum Hals stand, und ihm und seiner Familie mit mehreren kleinen Kindern schon für Wochen der Strom abgestellt worden war, entschloss er sich recht blauäugig, spontan ins Marihuana-Geschäft einzusteigen. „Ich hatte oft gehört, dass man damit schnell viel Geld machen kann“, erklärte er dem Richter.

Weil er selbst keinerlei Erfahrungen mit Rauschgift hatte, ließ er sich von einem Bekannten die Telefonnummer eines Dealers aus Landgraaf in den Niederlanden geben. Ein Termin wurde vereinbart. Ein Kilo Cannabis sollte 4700 Euro kosten. Weil der Familienvater das Geld nicht hatte, lieh er es sich bei Familie und Freunden. „Die wussten aber nichts von meine Plänen“, beteuerte er. Ein guter Freund aus Kiel wurde nichts ahnend als Helfer eingesetzt: „Der hat für mich einen Leihwagen gemietet, denn mein altes Auto hätte die lange Fahrt nicht geschafft“, so der Angeklagte.

So vorbereit brauste er am 28. Januar mit einem Ford Mondeo in die Niederlande und wickelte das Geschäft ab. Das Rauschgift legte er in einem Koffer in den Kofferraum. „Ich ging vom Doppelten des Kaufpreises als Gewinn aus“, rechnete er vor. Abnehmer hatte er noch nicht, jedoch Ideen, wen er ansprechen wollte.

Doch dazu kam es nicht mehr. „Polizei – bitte folgen!“ blinkte gegen 21.30 Uhr auf dem Weg Richtung Kiel auf, wo er den Leihwagen abgeben wollte. Schnell beichtete er den Beamten bei der Kontrolle sein illegales Gepäck.

Sein frühes Geständnis, die gute Sozialprognose und sein bisher unbescholtenes Leben wurden vom Gericht ebenso positiv gewertet, wie die naive Herangehensweise an das vermeintlich große Geschäft. Die große Drogen-Menge (ein Kilo guter Qualität)hingegen fiel negativ in die Waagschale. Letztlich verurteilte ihn das Schöffengericht wegen unerlaubter Einführung von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Handeltreibens zu anderthalb Jahren Haft, die aber für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Die Staatsanwältin hatte zwei Jahre gefordert, der Verteidiger ein Jahr. „Ich werde so etwas nie wieder machen“, versprach der Angeklagte.

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