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Jamaika-Koalition : Als Bundesminister hätte Wolfgang Kubicki nur wenige Vorgänger aus SH

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Nur wenige Politiker aus dem Norden haben bisher Bundesressorts geführt. Darunter waren große Namen und fast vergessene.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 11:41 Uhr

Kiel | Wird Wolfgang Kubicki nun Bundesfinanzminister? Ausgeschlossen ist das wohl nicht, und seine Bereitschaft dazu hat der selbstbewusste Kieler FDP-Fraktionschef schon öfter verkündet. Auch, dass er sich dafür geeignet hält. Spekuliert wurde seit längerem auch darüber, Umweltminister Robert Habeck von den Grünen könnte nach erfolgreichen Jamaika-Verhandlungen ebenfalls in das neue Bundeskabinett wechseln. Nach der aktuellen Konstellation bei den Bundes-Grünen ist das aber eher unwahrscheinlich. Sicher ist dagegen eins: Schleswig-Holstein ist bei der Vergabe von Ministerposten in Bonn und Berlin bisher ziemlich kurzgekommen.

Der unscheinbare Liberale

Edzard  Schmidt-Jortzig
Edzard Schmidt-Jortzig Foto: dpa
 

Der letzte Minister aus dem nördlichsten Bundesland heißt - Edzard Schmidt-Jortzig. Der FDP-Mann war 1996 als Nachfolger von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Bundesjustizminister geworden. Zwei Jahre blieb der Kieler Universitätsprofessor im Amt; dann kam Rot-Grün ans Ruder.

Der große Klare

Gerhard Stoltenberg

Gerhard Stoltenberg

Foto: dpa
 

Gerhard Stoltenberg war nicht nur von 1971 bis 1982 Ministerpräsident in seiner Geburtsstadt Kiel, sondern auch der Bundesminister aus dem Norden mit der längsten Laufzeit. Von 1965 bis 1969 agierte der CDU-Politiker als Bundesforschungsminister, von 1982 bis 1989 als Ressortchef für Finanzen und danach bis 1992 als Verteidigungsminister.

Der Mann mit der Pfeife

Björn Engholm.

Björn Engholm.

Foto: dpa
 

Der gebürtige Lübecker Björn Engholm führte 1981/82 im Kabinett Schmidt das Bildungs- und Wissenschaftsressort. 1982 war er auch für Landwirtschaft zuständig. Als Ministerpräsident wurde er 1991 SPD-Bundesvorsitzender und dann für die Bundestagswahl 1994 designierter Kanzlerkandidat. Im Jahr vor der Wahl gab er alle Spitzenämter ab, weil er über sein Wissen zu Hintergründen des Barschel/Pfeiffer-Skandals von 1987 nicht ganz die Wahrheit gesagt hatte. Damit verpasste er auch die Chance, dem ebenfalls gebürtigen Lübecker Willy Brandt auf dem Kanzlerposten zu folgen.

Der Pflichtbewusste

Kai-Uwe von Hassel
Kai-Uwe von Hassel
 

Diese Tugend und Fairness hoben Politiker über die Parteigrenzen am Christdemokraten Kai-Uwe von Hassel hervor. Der in Ostafrika geborene Sohn eines Pflanzers und Kolonialoffiziers prägte als Bundesminister die Kabinette Adenauer, Erhard und Kiesinger mit, nachdem er in Kiel von 1954 bis 1963 Ministerpräsident war. Danach wurde er bis 1966 in Bonn Verteidigungsminister und anschließend bis 1969 Vertriebenenminister.

Sonderfall 1

Peer Steinbrück.
Peer Steinbrück. Foto: Kay Nietfeld
 

Peer Steinbrück wurde 2005 Bundesfinanzminister, kam damals aber nicht aus dem Norden. Er war allerdings in Schleswig-Holstein zuvor Landesminister (ab 1993 erst Staatssekretär für Umwelt/Wirtschaft und dann bis 1998 Wirtschaftsminister). Er wechselte vielmehr aus NRW nach Berlin, nachdem er in Düsseldorf Minister und Regierungschef gewesen war.

Sonderfall 2

Der SPD-Politiker und Bundesverkehrsminister Lauritz Lauritzen, aufgenommen am 22.02.1974 in Bonn.

Der SPD-Politiker und Bundesverkehrsminister Lauritz Lauritzen, aufgenommen am 22.02.1974 in Bonn.

Foto: dpa
 

Der SPD-Politiker mit dem markanten Namen Lauritz Lauritzen war Bundesminister und Schleswig-Holsteiner. Seiner Berufung zum Wohnungsminister 1966 gingen aber 15 Jahre in Niedersachsen und Hessen voraus. Ressortchef in Bonn, zuletzt für Verkehr, blieb Lauritzen bis 1974. In den Siebzigerjahren wurde er im Wahlkreis Plön in den Bundestag gewählt. Für die Landtagswahl 1975 nominierte die SPD ihn zum Spitzenkandidaten, er zog die Kandidatur später aber zurück.

Sonderfall 3

Egon Bahr (l.) mit Ralf Stegner.
Egon Bahr (l.) mit Ralf Stegner. Foto: Angelika Warmuth, dpa

Kein Schleswig-Holsteiner war Egon Bahr, der gemeinsam mit Brandt in den Sechziger- und Siebzigerjahren die Entspannungspolitik der SPD prägte. Aber Bahr, von 1972 bis 1976 Bundesminister für besondere Aufgaben und für wirtschaftliche Zusammenarbeit, wurde von 1972 bis 1990 über die Landesliste Schleswig-Holstein oder als Direktkandidat im Wahlkreis Flensburg-Schleswig in den Bundestag gewählt.

Die Verschmähte

Heide Simonis

Heide Simonis

Foto: dpa
 

Für den Wechsel auf Rot-Grün im Jahr 1998 hatte Ministerpräsidentin Heide Simonis mit dem Posten der Bundesfinanzministerin geliebäugelt. Aber gegen SPD-Chef Oskar Lafontaine hatte die streitbare Frau keine Chance. Mit ihr hatten es weder Lafontaine noch Kanzler Gerhard Schröder immer leicht, etwa wenn sie mit Steuerreformideen vorpreschte. Der zumindest zeitweise erhoffte Aufstieg auf die Bundesebene blieb Simonis versagt. 1995 hatten Medien über sie gar als mögliche Kanzlerkandidatin spekuliert. Ihr Kommentar: „Das ist eine - wenn auch hinreißende - Schnapsidee“.

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