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Lebensmittel-Kennzeichnung : Woher stammt das Ei in den Nudeln?

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Forderung aus Kiel: Auch bei Fertigprodukten soll künftig die Herkunft tierischer Lebensmittel auf der Packung angegeben werden.

Kiel | Lebensmittelsicherheit, Tierschutz und Hygienestandards – Politiker in Kiel, Berlin und Brüssel greifen derzeit Themen auf, die Verbraucher schon lange auf den Nägeln brennen. Weil man beim Kauf von Fleisch nicht erkennen kann, wo die Tiere aufgezogen, wie sie gehalten und wo sie geschlachtet wurden, hat sich das Europäische Parlament bereits vor drei Monaten für eine verpflichtende Kennzeichnung der Herkunft ausgesprochen. Diese sollte neben dem Ort der Schlachtung auch das Geburtsland des Tieres umfassen.

Die Regierungsfraktionen im Kieler Landtag stellten am Freitag eine weitergehende Forderung auf: Auch die Herkunft der tierischen Lebensmittel in Fertigprodukten soll angegeben werden. Angestrebt wird zunächst eine EU-weite Regelung. Hat diese keinen Erfolg, soll sich die Landesregierung im Bundesrat sowie im Rahmen von Verbraucher- und Agrarministerkonferenz für eine nationale Lösung stark machen.

Im Kern der Debatte ging es um verarbeitete Produkte, etwa Eier in Keksen oder Hackfleisch in Fertig-Frikadellen. Gekennzeichnet werden soll etwa die Herkunft des Produkts, der Schlachtbetrieb und die Aufzucht.

Bernd Voß (Grüne) sprach sich für eine klare und überschaubare Kennzeichnung aus. „Schließlich möchte niemand für Lebensmittel einen Beipackzettel durcharbeiten.“ Das Beispiel Käfigeier hat laut Voß gezeigt, dass der Verbraucher auch ohne Ver- und Gebote zügig regelt, welche Haltungsform Zukunft hat. „Käfigeier sind heute verpönt, das hat allein die Kennzeichnung bewirkt.“

Käfigeier standen dann auch bei der am Freitag parallel zur Landtagssitzung stattfindenden Konferenz der Verbraucherschutz-Minister in Rostock auf der Tagesordnung. Zwar kann man in deutschen Supermärkten seit 2010 keine Eier mehr kaufen, die von Käfighennen stammen. Doch die Industrie verarbeitet Käfigeier in Nudeln, Backmischungen und Schokoriegeln. Diese Eier stammen nicht nur aus anderen EU-Ländern, auch in Deutschland gibt es noch 4,8 Millionen Hennen hinter Gittern. Sie tragen zu zehn Prozent zur inländischen Eierproduktion bei.

In Rostock sprachen sich die Vertreter der Länder jetzt mehrheitlich für eine Kennzeichnung von Käfig-Eiern in Fertiglebensmitteln aus. Der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hält ein isoliertes Vorgehen in Deutschland jedoch für wenig sinnvoll und setzt auf EU-Lösungen. Er erinnerte jedoch daran, dass Verbraucher sich schon heute bewusst gegen Käfig-Eier in verarbeiteten Lebensmitteln entscheiden können, in dem sie „Produkte kaufen, die das EU-Bio-Logo tragen“.

Bei so viel Verständnis der Politiker für die Belange der Verbraucher, ist es erstaunlich, dass die Forderung nach einer Hygiene-Ampel für Kneipen, Restaurants und Schnellimbisse immer noch nicht umgesetzt wird. Wie berichtet, soll die Ampel Prüfergebnisse amtlicher Lebensmittelkontrollen sichtbar machen. Grün soll anzeigen, dass es um die Hygiene gut bestellt ist. Gelb steht für einen Betrieb, in dem es Mängel gibt und Rot für ein Unternehmen, das unsauber arbeitet. Doch hier stellt sich auch Kiel quer. Schon im Vorfeld der Rostocker Konferenz stellte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) – auch zuständig für den Verbraucherschutz – klar: „Mit den personellen und finanziellen Ressourcen der Städte und Länder ist die Vergabe und regelmäßige Nachkontrolle von grünen, gelben oder roten Punkten durch Behörden nicht zu leisten.“

In Schleswig-Holstein sind laut Kieler Wirtschaftsministerium derzeit 62 Lebensmittelkontrolleure für rund 6000 Gastronomiebetriebe im Einsatz. „Wir laufen Gefahr, Gastronomiebetriebe selbst dann dauerhaft an den Pranger zu stellen, wenn die Firmen die festgestellten Mängel nach einer Kontrolle rasch wieder behoben haben“, fürchtet Meyer und übernimmt damit die Position des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga.

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erstellt am 19.Mai.2014 | 17:54 Uhr

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