Vegan heißt nicht unbedingt gesund

shz.de von
03. April 2014, 08:54 Uhr

Vegane Speisen sind der Ernährungstrend schlechthin – auch in Schleswig-Holstein und Hamburg. Doch längst nicht alle der pflanzlichen Lebensmittel halten, was sich die größer werdende Anhängerschaft davon erwartet. Das belegt eine Marktuntersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Test-Verantwortliche Silke Schwartau: „Nicht jedes dieser Lebensmittel ist gesund oder wurde nachhaltig produziert.“

Veganer verzichten nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf sämtliche tierische Produkte, von Milch bis Leder. Ihre Zahl wächst stetig, in Hamburg gibt es mittlerweile einen Veganer-Supermarkt.

20 solcher „tierfreien“ Lebensmittel haben die Verbraucherschützer beim Marktcheck unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Vier enthielten zu viel Fett, fünf einen zu hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, weitere fünf schnitten wegen ihres hohen Salzgehalts schlecht ab, berichtet Silke Schwartau. Ein Veggie-Burger enthielt ein Drittel mehr Fett als eine handelsübliche Boulette und viermal so viele gesättigte Fettsäuren. Bei einem Dinkel-Knusper-Kringel monierten die Tester den hohen Zuckergehalt, der Energieriegel „Cranberry“ enthielt statt Moosbeeren hauptsächlich Mandeln, Dattelpaste und Preiselbeeren.

Auch bei Aromen und Zusatzstoffen schnitten die Vegan-Produkte nicht besser ab als herkömmliche Lebensmittel. Die Begründung: Bei der Herstellung von Fleisch-, Wurst- und Käse-Imitaten sind Aromen und Zusatzstoffen oft nötig, auch um einen annehmbaren Geschmack zu erzeugen. Verbraucherschützerin Schwartau: „Veganer sollten wissen, dass es sich bei den speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Fertiglebensmitteln nicht um naturreine Produkte handelt.“

Unzufrieden sind die Prüfer auch mit den dürftigen Informationen der Hersteller. Verbraucher, die sich für Zutaten, deren Herkunft und eine klimafreundliche regionale Produktion interessieren, erhielten auf den Verpackungen und auf Nachfrage „eher selten nützliche Auskünfte“. Hinzu komme oftmals Etikettenschwindel, etwa eine Alpenkulisse samt Matterhorn auf einem „Cereal Drink“, obwohl die Rohstoffe aus verschiedenen Ländern kommen. Ein anderer Hersteller zeigt große Walnüsse auf der Verpackung seines Brotaufstrichs, weist aber nur zwei Prozent Walnussöl auf. Silke Schwartau fordert: „Generell wünschen wir uns ein besseres Informationsverhalten. Dazu zählen eine ehrliche Gestaltung der Verpackung und sinnvolle Auskünfte.“ Ihr Gesamtfazit: „Bei vielen veganen Alternativprodukten besteht Verbesserungsbedarf.“ Auch der Gesetzgeber könne mit der Schaffung eines staatlichen Siegels Käufern zu mehr Sicherheit verhelfen. 

Info: www.vzhh.de

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