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"Bandenmäßige Piraterie" : Russisches Gericht verhängt U-Haft für Greenpeace-Aktivisten

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Die gegen Ölbohrungen protestierenden Greenpeace-Leute im Nordpolarmeer sind Kremlchef Putin ein Dorn im Auge. Nun lässt die russische Justiz die Muskeln spielen.

Russland greift durch: Nach dem Greenpeace-Protest in der Arktis hat ein Gericht mehrere Aktivisten in Untersuchungshaft nehmen lassen. Es bestehe Fluchtgefahr, da der russische Fotograf Denis Sinjakow und sein Landsmann Roman Dolgow häufig im Ausland unterwegs seien, entschied das Gericht in der Stadt Murmansk am Donnerstag. Das teilte Greenpeace über Twitter mit. Auch der Kanadier Paul Ruzycki müsse für zwei Monate hinter Gitter, sagte die Greenpeace-Sprecherin Tatjana Wassiljewa der Nachrichtenagentur dpa.

Die Ermittlungsbehörde will alle 30 Festgenommenen in U-Haft nehmen lassen. Behördensprecher Wladimir Markin schloss aber eine mildere Maßnahme nicht aus. Die Justiz ermittelt nach dem Protest an einer russischen Ölplattform im Nordpolarmeer wegen bandenmäßiger Piraterie. Dafür drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Greenpeace weist die Vorwürfe zurück. „Die russischen Behörden versuchen, Menschen abzuschrecken, die sich gegen die Ölindustrie in der Arktis stellen, aber diese unverhohlene Einschüchterung wird keinen Erfolg haben“, teilte Greenpeace-Direktor Kumi Naidoo mit. In Moskau kündigten Umweltschützer und Kremlgegner für den Abend Proteste vor der Ermittlungsbehörde an.

„Sie haben geplant, die Ölplattform zu besetzen mit dem Ziel, die Kontrolle darüber zu erlangen“, warf ein namentlich nicht genannter Ermittler in Murmansk den Umweltschützern vor. Greenpeace hingegen betont, die Aktivisten hätten friedlich und aus Protest gegen Ölbohrungen in der Arktis ein Transparent an der Plattform des Staatskonzerns Gazprom in der Petschorasee anbringen wollen. Die Aktivisten wurden in Handschellen in den Saal geführt, wie die Organisation über Twitter mitteilte. Dort mussten sie - wie in Russland üblich - in einem Gitterkäfig die Verhandlung verfolgen Greenpeace sprach von einem historischen Prozess. Das Staatsfernsehen übertrug zum Teil live aus dem Gerichtssaal.

Bürgerrechtler forderten einen Freispruch für die Aktivisten aus 18 Ländern. „Sonst droht ein internationaler Skandal. Es sind weder Terroristen noch Piraten“, sagte Ljudmila Alexejewa von der Moskauer Helsinki Gruppe. Der russische Ombudsmann für die Menschenrechte, Wladimir Lukin, forderte, keine Kollektivstrafe zu verhängen.

Die Besatzung des Greenpeace-Schiffs „Arctic Sunrise“ war vor einer Woche festgenommen worden. Kremlchef Wladimir Putin hatte sich am Vortag auf einem Arktis-Forum für hohe Standards bei der Erschließung der immensen Rohstoffvorkommen ausgesprochen. Der Umweltschutz dürfe die Entwicklung aber nicht bremsen, sagte der Präsident.

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erstellt am 26.Sep.2013 | 13:56 Uhr

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