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Not made in Germany? - Die Rolle der Herkunft von Möbeln

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Bad Honnef (dpa/tmn) - Qualität und gesunde Inhaltsstoffe sieht man Möbeln nicht an. Manchmal kann man was riechen, manchmal fühlt man, dass die Produktion billig war. Und eine Ahnung taucht auf, wenn man hört, wo das Sofa produziert wurde. Aber wie kommt man an Fakten?

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erstellt am 28.Mai.2013 | 05:33 Uhr

Bad Honnef (dpa/tmn) - Qualität und gesunde Inhaltsstoffe sieht man Möbeln nicht an. Manchmal kann man was riechen, manchmal fühlt man, dass die Produktion billig war. Und eine Ahnung taucht auf, wenn man hört, wo das Sofa produziert wurde. Aber wie kommt man an Fakten?

Wenn Möbel mit den Nationalfarben ihrer Herkunftsländer dekoriert wären, sähen viele Wohnungen kunterbunt aus. Neben der Regalwand aus China steht etwa ein Sofa aus Polen, neben dem Schrank aus Vietnam ein Regal aus Bangladesch. Knapp die Hälfte aller Möbel, die hierzulande verkauft werden, sind Importe, so eine Statistik des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM). Der Verbraucher kann das kaum erkennen.

Im Ausland produzierte Möbel sind meist erheblich günstiger als ihre deutschen Verwandten. China ist in Deutschland der ausländische Lieferant Nummer eins. «Die Lohnkosten sind dort wahnsinnig gering. Auch die Materialbeschaffungskosten sind niedriger als bei uns», erläutert VDM-Sprecherin Ursula Geismann. «Ein Baum ist in China billiger als hier.» Schließlich drücken lockere Arbeitsschutz- und Umweltstandards die Preise.

Meist steht die Ahnung im Raum, dass billige Produktionen auch schlechtere Qualität zur Folge haben könnten. Und immer wieder werden Berichte bekannt, dass die Arbeitsbedingungen mancherorts miserabel sind. «Verbraucher, die auf den Preis schauen, machen meist die Augen gegenüber allen anderen Aspekten zu und stellen keine Fragen», sagt Saphir Robert, Referentin für Nachhaltigkeit bei der Verbraucher Initiative in Berlin. Und Gitta Geue, Umweltexpertin der Verbraucherzentrale Bayern in München, hat beobachtet: «Verbraucher stellen sich die Frage nach der Herkunft eines Produktes dann, wenn ihnen bekannt ist, dass diese mit Problemen verbunden ist.»

Geue verweist auf die Textilproduktion: «Wenn diese mit Chemikalien behandelt sind, oder in Kinderarbeit oder unter gefährlichen Arbeitsbedingungen gefertigt werden, dann betrifft das den Verbraucher, und er reagiert entsprechend sensibel.» Bei Möbeln gebe es solche Fälle sicher auch, aber sie seien seltener oder weniger bekannt. Deshalb stellten nur wenige Verbraucher hier die Frage nach der Herkunft, sagt Geue.

Diese zu klären heißt, umfangreiche Recherchearbeit zu leisten. «Einfach präsentiert wird dem Käufer gar nichts», sagt Robert. Im Ausstellungsraum werden Sofas und Co. ohne Verpackung gezeigt. Eine Kennzeichnungspflicht für Möbel gibt es nicht. Freiwillige Zusatzkennzeichen können Auskunft geben. Stücke mit dem Goldenen M der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel wurden in Deutschland zusammengebaut. Ansonsten sollte man nachhaken, sagt Geismann. Der Fachverkäufer sollte diese Angaben haben. Aber das heißt nicht, dass die Einzelteile auch vom Montageort stammen.

Und es gilt: «Dass ein Möbel im Ausland produziert wurde, heißt natürlich nicht, dass es per se schlecht ist für den Verbraucher», betont Robert. Entscheidend sei, welche Materialien verwendet und unter welchen Bedingungen für Mensch und Umwelt produziert wurde. Für in Deutschland hergestellte Stücke gelten hohe gesetzliche Standards, Träger des Goldenen M unterschreiten die Grenzwerte. Bei Importware können Produktlabels Auskunft geben - sie sind freiwillige Angaben.

Und: «Das Problem bei Labels ist, dass sie sich nicht auf ein Produkt als Ganzes beziehen», sagt Robert. «Der Blaue Engel ist aussagekräftig bezüglich Umweltstandards.» Er kennzeichnet in den jeweiligen Produktgruppen die schadstoffarme Variante.

Das GS-Zeichen steht für Sicherheit und die Euro-Blume für eine umweltbewusste Produktion. Möbel aus nachhaltiger Forstwirtschaft können das Fairtrade-Siegel (FSC) tragen. Labels, die die sozialen Bedingungen wie Kinderarbeit bewerten, gebe es kaum, sagt Robert. «Hier lohnt sich ein Blick auf die firmeninternen CSR-Vorgaben der Hersteller - also auf ihre freiwilligen Selbstverpflichtungen, bestimmte soziale Standards einzuhalten.»

Ansonsten kann der Verbraucher vor allem auf seinen gesunden Menschenverstand hören: «Wenn nebeneinander zwei schicke, einander sehr ähnliche rote Sofas stehen, die erheblich unterschiedliche Preise haben, ist das schon ein deutlicher Hinweis», sagt die Möbelexpertin Geismann. Auch einfache Qualitätstests helfen: Wie fühlt sich der Bezug an? Wie riecht er? «Preiswerter Schaum ist beispielsweise sehr weich», erläutert Geismann.

Literatur:

Doris Haselmann: Möbel kaufen - Qualität erkennen, Stiftung Warentest, 2009, 224 S. 14,90 Euro, ISBN-13: 978-3-86851-009-6

Mehr zum Siegel «Goldenes M»

Infos zum Blauen Engel

Infos zum GS-Zeichen

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Fairtrade-Siegel

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