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Die Kleinen müssen früher aufstehen - Blütenpracht unter Bäumen

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Nettetal (dpa/tmn) - Im Sommer ist es unter Stauden und Bäumen schattig, denn das Laub hält die Sonne ab. Aber im Frühling erreicht sie den Boden. Das nutzen einige Pflanzen - sie zeigen in diesen sonnigen Zeiten ihre schönen Blüten.

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erstellt am 27.Mai.2013 | 11:33 Uhr

Nettetal (dpa/tmn) - Im Sommer ist es unter Stauden und Bäumen schattig, denn das Laub hält die Sonne ab. Aber im Frühling erreicht sie den Boden. Das nutzen einige Pflanzen - sie zeigen in diesen sonnigen Zeiten ihre schönen Blüten.

In den sonnigen Staudenrabatten herrscht am Frühlingsbeginn noch Winterschlaf. Aber in den eigentlich schattigen Gartenpartien beginnt das Treiben schon früher. Direkt in Bodennähe entwickeln gleich einige Pflanzen in diesen Wochen ihre Blüten. Denn die sonst im Schatten der Bäume und Stauden wachsenden Arten nutzen die Zeit, in der ihre hohen Nachbarn noch kahl sind. Jetzt können sie das Sonnenlicht einfangen.

An geschützten Stellen zwischen Laubgehölzhecken verkünden vor allem cyclamfarbene Tupfer der kleinen Alpenveilchen den Frühling. Ein Tag mit wärmenden Sonnenstrahlen reicht, um die gelben Winterlinge aus der Winterruhe zu locken. Sie spannen ihre Blüten zu Schirmen auf, die wie kleine Sonnen aussehen.

«Noch fällt die Sonne auf den Boden unter Laubgehölzen», erklärt Hermann Gröne, Fachbuchautor und Staudenexperte aus Nettetal in Nordrhein-Westfalen. Die Pflanzen, die natürlich unter laubabwerfenden Gehölzen wachsen, haben sich an die Situation angepasst, ergänzt Prof. Cassian Schmidt, Direktor des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof in Weinheim. Sie nutzten den Zeitraum vor dem Laubaustrieb, um mit Hilfe der gespeicherten Reservestoffe quasi zu explodieren.

Das hilft Hobbygärtnern, an den im Sommer schattigen Plätzen ein Fest der Farben zu inszenieren. Schmidt schlägt vor, europäische Wildstauden zu pflanzen. «Das Gerüst wird von wintergrünen Stauden wie dem weiß gezeichneten Aronstab (Arum italicum Marmoratum) und der mandelblättrigen Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides) gebildet», erläutert der Professor. In die Zwischenräume kommen Golderdbeere (Waldsteinia geoides) und Gedenkemein (Omphalodes verna). Als Blickfang streut der Experte Lungenkraut (Pulmonaria) und den Palmblatt-Nieswurz (Helleborus foetidus) ein.

Der Schatten zählt laut Gröne zu den pflegeleichtesten Bereichen. «Wichtig ist, dass man möglichst gleichstarke Partner zueinander setzt», erläutert der Buchautor. Das können etwa Goldnessel (Lamium galeobdolon) und Beinwell (Symphytum) sowie Schaumblüte (Tiarella)und Gedenkemein (Omphalodes) sein.

Die Voraussetzung für ein gutes Wachstum der Pflanzen ist vor allem ein humoser, lockerer Boden, der Wasser gut speichert. «Ich bringe im zeitigen Frühjahr Kompost aus, um den Humusgehalt zu erhöhen und somit die Eigenschaften zu verbessern», erläutert der Staudengärtner Gröne. Man muss die Schattenbereiche anschließend nicht besonders intensiv putzen. «Der Boden wird nicht gehackt, sondern nur behutsam gejätet», sagt der Experte. «Die Bodendecker können sich so ungestört ausbreiten, und auch die Selbstaussaat wird durch die behutsame Pflege gefördert.»

Ideal ist die Kombination der Frühblüher mit Funkien (Hosta). Deren große Blätter entfalten sich erst spät im Frühling und decken dann großflächig die Erde in den schattigen Beeten ab. So entsteht kein ungepflegter Eindruck. Eine besondere Rolle spielen an den Standorten auch die frühblühenden Zwiebelblumen Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), Winterlinge (Eranthis hyemalis) und Alpenveilchen (Cyclamen coum).

Die Pracht erreicht einen Höhepunkt, wenn auch Elfenkrokus (Crocus tommasinianus), Blausternchen (Scilla) und Alpenveilchen-Narzissen (Narcissus cyclamineus) blühen. Später sorgen Hasenglöckchen für üppige Blütenfülle. Beide Experten empfehlen in hiesigen Breiten, die Art Hyacinthoides hispanica und nicht die in Großbritannien als «Bluebell» bekannte Hyacinthoides non-scripta zu verwenden. Erstere verwildere besser.

Literatur:

Hermann Gröne und Klaus Kaiser: Immerblühende Beete. Natürlich schöne Pflanzideen zum Nachmachen, Gräfe und Unzer Verlag, 2007, 176 S., 19,99 Euro, ISBN: 978-3833802454

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