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Bunte Mischung: Blumenwiesen holen das Landleben in den Garten

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Gailingen/Mössingen (dpa/tmn) - Eine bunte Blumenwiese steht für unberührte Natur, Ursprünglichkeit, ländliche Nostalgie. Was aussieht wie wild gewachsen, ist oft eine geschickte Pflanzung aus Sommerblumen und Stauden. Die lässt sich auch im eigenen Garten anlegen.

Gailingen/Mössingen (dpa/tmn) - Eine bunte Blumenwiese steht für unberührte Natur, Ursprünglichkeit, ländliche Nostalgie. Was aussieht wie wild gewachsen, ist oft eine geschickte Pflanzung aus Sommerblumen und Stauden. Die lässt sich auch im eigenen Garten anlegen.

Eine bunt blühende Blumenwiese erinnert an Bauerngärten in ländlichen Gegenden. Kornblumen und Rittersporn, Cosmeen sowie Ringelblumen und Skabiosen, aber auch Stauden lassen sich zu farbenfrohen Pflanzungen verbinden. Die Mischungen wirken oft zufällig, nicht wie am Reißbrett geplant. Im öffentlichen Raum trifft man sie häufig. Aber sie können auch den eigenen Garten zu Hause schöner machen.

«Die Fläche im Hausgarten sollte mindestens 12 Quadratmeter groß sein», sagt Uwe Jörg Messer, Buchautor und Landschaftsplaner aus Gailingen an der Grenze zur Schweiz. Die natürliche Vegetation sei ein gutes Vorbild für die Mischpflanzungen.

Mit Blumenwiesen beschäftigt sich auch Dieter Felger seit über 20 Jahren. «Die gemalten Wiesenlandschaften von Claude Monet haben mich fasziniert», sagt der Leiter der Stadtgärtnerei Mössingen. Ihn begeistert vor allem der verschwenderische Umgang mit Blüten und Farben, wenn Mischungen auf großer Fläche ausgesät werden.

Felger verwendet in erster Linie ein- und zweijährige Sommerblumen aus den Bauerngärten. Malven, Strohblumen und Zinnien sind ebenso vertreten wie der Rote Lein, Seidenmohn, Sonnenblumen und Schleifenblumen. «Ich wähle die Pflanzen nach der Aufwuchshöhe, der Blühdauer und der Blütezeit aus.» Es sei wichtig, dass in der einige Monate währenden Blühphase stets neue Pflanzen in der Mischung in den Vordergrund rücken, erklärt der Gärtnermeister. So schließen sich Lücken, die durch Verblühtes entstehen.

Bei einjährigen Mischungen beginnt das Jahr erst im April, wenn es wärmer wird und die Samen keimen. Anders bei Staudenmischpflanzungen: «Ein Jahr nach der Pflanzung sind die Stauden gut eingewachsen», erläutert Messer. Der Frühling beginnt also zum Beispiel mit mehrtriebigen Tulpen, Traubenhyazinthen und sich selbst vermehrenden Krokussen - Sommer und Herbst werden von Stauden und Gräsern dominiert.

«Samenstände von Goldquirl oder Herbstfetthenne bleiben über den Winter stehen», sagt Messer. So bieten Mischpflanzungen viel Abwechslung auf einer Fläche. «Darüber hinaus sind Staudenmischpflanzungen ein langjähriger Vegetationstyp, der nie gleich bleibt, sondern immer im Wandel und daher stets abwechslungsreich ist.»

Vor der Aussaat einer Blumenmischung muss der Boden gut vorbereitet sein. «Häufig meinen die Leute, man könnte die Samen einfach auf den Rasen oder eine bestehende Wiese streuen», berichtet Felger. Die offene Fläche sollte aber erst 5 bis 10 Zentimeter tief mit einer kleinen Fräse gelockert werden.

Nachdem der Boden feinkrümlig und glatt geharkt ist, bringt der Gärtner etwa 5 bis 10 Gramm Samen auf einen Quadratmeter Fläche aus. Die Saat sollte nicht zu dicht und oberflächennah liegen, aber gleichzeitig wachsen nicht alle Keimlinge zu kräftigen Pflanzen heran. «Hier muss man einfach Erfahrungen sammeln», sagt Felger.

Der Gärtnermeister rät, ein bisschen Sand oder Sägemehl mit dem Samen zu mischen. So werde die Mischung gleichmäßiger verteilt. Anschließend wird der Samen mit der Harke leicht eingearbeitet und angedrückt. Besonders gut keimen die Samen bei Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. Meist erreicht das Thermometer diese Werte etwa ab Mitte April.

Blumenmischungen und Staudenmischpflanzungen sind in der Pflege generell wenig aufwendig. «Der Boden sollte nicht zu fett und nährstoffreich, sondern abgemagert sein», rät Messer. So wächst weniger Unkraut. Nach der Pflanzung wird die Fläche mit Kies oder Splitt in einer Körnung von 8 bis 16 Millimetern gemulcht. «Wichtig ist, dass man das Material 5 bis 7 Zentimeter hoch aufbringt und die Topfballen der Stauden tief genug pflanzt.» Rinde oder Kompost als Mulch taugen nicht - dadurch werden zu viele Nährstoffe eingebracht.

Unkraut sollte vorsichtig gezogen oder mit einem Spargelstecher entfernt werden, empfiehlt Messer. Danach wird die Mulchschicht wieder geschlossen. Das Entfernen des Unkrauts zählt zu den Hauptarbeiten in der Staudenmischpflanzung.

Mischungen mit Zweijahresblumen wie Färberwaid, Muskatellersalbei, Kümmel, Natternkopf und Nachtviole können zwischen Juni und August gesät werden. Sie entfalten im folgenden Jahr ihre Schönheit. «In den ersten vier Wochen nach der Aussaat hält man den Boden gleichmäßig feucht», rät Felger.

Wie sich die Mischung entwickelt, hängt unter anderem von der Witterung und Samenräubern ab. «Mal ist man überrascht, mal ist man irritiert», sagt Felger. Die Selbstaussaat der Pflanzen im Herbst reicht nur selten aus, damit im folgenden Jahr wieder eine prachtvolle Wiese erblüht. «Feldmäuse und Vögel sind ebenso dankbar für die Winternahrung wie Bienen und andere Insekten für das reiche Angebot an Pollen im Sommer.»

Literatur:

Axel Heinrich, Uwe J. Messer: Staudenmischpflanzungen: Praxis, Beispiele, Tendenzen, Verlag Eugen Ulmer, 224 Seiten, 34,90 Euro, ISBN-13: 978-3800175864

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erstellt am 13.Aug.2013 | 11:33 Uhr

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