Spürnasen : Zollhunde haben Riecher für Geld

Gebannt richtet Schäferhündin 'Dina' am Flughafen Frankfurt ihren Blick auf ein Bündel Euro-Banknoten. Foto: dpa
Gebannt richtet Schäferhündin "Dina" am Flughafen Frankfurt ihren Blick auf ein Bündel Euro-Banknoten. Foto: dpa

Geld stinkt nicht? Darüber können die Spürhunde des Zolls am Frankfurter Flughafen nur lachen. Die Vierbeiner sind mit ihren feinen Nasen scharf aufs Geld.

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19. Juni 2013, 10:56 Uhr

Wenn Schäferhündin "Dina" sich am Frankfurter Flughafen ganz ruhig vor einem Passagier niederlässt, wird es eng für Bargeldschmuggler. Zusammen mit ihren "Kolleginnen" "Anni" und "Alegria" ist "Dina" am größten deutschen Drehkreuz größeren Bargeldmengen auf der Spur. Angeleitet von ihren Hundeführern, nutzen die Tiere ihre im Vergleich zum Menschen weitaus feinere Nase und erschnüffeln Dollars, Euros und Noten anderer Währungen.
Geld stinkt eben doch - mindestens nach Papier und den speziellen Druckfarben. Das hat sich der Zoll am Frankfurter Flughafen zunutze gemacht. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres haben die drei Bargeldspürhunde 150 Passagiere ausgemacht, die eindeutig zu viele Scheine mit sich herumgetragen haben. Das scheint nach den mäßigen Zahlen aus den Vorjahren (18 Funde im Jahr 2011 und 28 im Jahr zuvor) der Durchbruch zu sein.

Anmeldungspflicht für hohe Beträge

Nicht immer steckt gleich eine Straftat oder eine Geldwäscheaktion dahinter, wenn jemand unangemeldet mehr als 10.000 Euro mit sich herumträgt. "Dafür kann es durchaus sinnvolle Erklärungen geben", sagt Zollsprecherin Ivonne Schamber. "Etwa wenn ein Ferienhaus in bar bezahlt werden soll oder Ähnliches."
Gleichwohl gilt zunächst mal die Vorschrift, dass Summen über 10.000 Euro beim Zoll anzumelden sind, wenn man in die EU einreist oder sie verlässt. Wer das nicht tut, begeht schon mal eine Ordnungswidrigkeit und muss sich unangenehmen Fragen der Zöllner insbesondere nach der Herkunft des Geldes stellen. Geldwäsche oder Terrorfinanzierung stehen als massive Verdächtigungen im Raum.

Der Anteil der Geldspürhunde steigt

2588 Verdachtsfälle mit zusammen 55 Millionen Euro gab es im vergangenen Jahr am Flughafen. Das ist mehr als die Hälfte des nicht angemeldeten Bargelds, das in jenem Jahr vom Zoll in der Bundesrepublik entdeckt wurde. 121 Fälle mündeten in sogenannte Klärungsverfahren beim Zollfahndungsamt, das in 18 Fällen dann ein Ermittlungsverfahren einleitete. Als Sicherheitsleistung für zu erwartende Strafen und Gerichtskosten wurden 7,2 Millionen Euro sichergestellt.
Die wenigsten Geldbündel wurden bislang von den Spürhunden entdeckt, doch ihr Anteil steigt. Der größte Einzelfund mit Hilfe eines Hundes belief sich auf 200. 000 Euro, doch auch bei kleineren Beträgen schlagen die meist im internationalen Abflugbereich eingesetzten Tiere an. Gelegentlich finden sie auch Bargeldsummen unterhalb der 10.000-Euro-Grenze, was dann kein Nachspiel für die Passagiere hat. Nach einem Fund werden die Hunde belohnt, beispielsweise mit ihrem Lieblingsspielzeug.

"Man könnte den Hunden alles beibringen, was riecht"

36 Hunde hat das Hauptzollamt Frankfurt insgesamt im aktiven Dienst. Zum Einsatz kommen meist deutsche und belgische Schäferhunde, in jüngster Zeit vermehrt Hündinnen. "Die lassen sich ein bisschen besser führen", erläutert Zoll-Hundefachmann Uwe Wittenberg. Die im Alter von etwa einem Jahr gekauften Tiere leben bei ihren Hundeführern und sind jeweils etwa 18 Monate lang für ihre Spezialjobs ausgebildet worden.
Nach wie vor dominieren die Rauschgiftspürhunde, doch die Zahl der übrigen Spezialnasen steigt ständig. Neben den drei Bargeldhunden gibt es noch vier Sprengstoffschnüffler und zwei Tiere, die Produkte aufspüren können, die gegen den Artenschutz verstoßen - Krokodilleder oder Eier exotischer Vögel gehören dazu. "Man könnte den Hunden alles beibringen, was riecht", ist sich Wittenberg sicher.

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