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Biologie : Wildtiere ohne Winterblues

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Den Menschen mag das trübe Winterwetter aufs Gemüt schlagen, auf Wildtiere dagegen hat es wenig messbare Auswirkungen.

Kiel | Einen "Rekord der trüben Tage" hatten die Zeitungen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages Mitte der vergangenen Woche gemeldet: Dieser Winter sei der sonnenscheinärmste seit Jahrzehnten. Bei vielen Menschen stellt sich denn auch der "Winterblues" ein. Und wie reagieren die Wildtiere?

"Warum sollte es denen nicht so gehen wie uns?", antwortet der Förster Andreas Kinder von der Deutschen Wildtier Stiftung mit einem kleinen Augenzwinkern auf diese Frage. Messbar und verifizerbar sei dies allerdings nicht – und auch biologisch gesehen nicht von Belang. Denn für die Winterschläfer spielen die Lichtverhältnisse keine Rolle: Wo sie die kalte Jahreszeit verbringen – meist eingegraben unter der Erde oder tief im Laub – ist es ohnehin dauerhaft dunkel. Die Länge ihres Winterschlafes werde durch eine Kombination aus innerer Uhr und Temperatur gesteuert, erläutert Daniel Hoffmann, Wildbiologe am Institut für Natur- und Ressourcenschutz der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, und: "Für die ist es besser, wenn es gleichmäßig kalt ist." Frühzeitiges Aufwachen aufgrund milder Temperaturen kann tödlich sein.

Tageslichtlänge entscheidet

Für die Wildtiere, die den Winter in freier Natur durchstehen, ist weniger die Sonne als vielmehr die Tageslichtlänge entscheidend. Sie bringt den Hormonhaushalt, der wesentlich das Verhalten wie beispielsweise Partnersuche und Nachwuchspflege bestimmt, nach Monaten im Sparmodus wieder in Wallung. "Und die Tageslichtlänge ist ja eine Konstante", sagt Hoffmann. Soll heißen: Die viel zitierten Frühlingsgefühle stellen sich unabhängig vom vorhandenen oder nicht vorhandenen Sonnenschein ein, wenn die Tage länger werden. Was sich derzeit in der Vogelwelt zeigt: Sie lässt sich vom verhangenen Himmel nicht von ersten Reviergesängen und Brautschau abhalten.

Zwei Sonderfälle aber nennt Andreas Kinser. So hat bei den Rehböcken die Sonnenscheindauer Einfluss auf den Aufwuchs des neuen Geweihs. Diese Wildtierart wirft ihr Geweih alljährlich im Herbst ab, im Januar und Februar wächst es nach. Studien hätten gezeigt, dass es bei mehr Sonneneinwirkung in dieser Zeit größer und kräftiger werde.

Sonne beflügelt Feldhasen

Auf die Feldhasen, deren Paarungszeit nach einer kurzen Pause im Januar wieder begonnen hat, habe die Sonne ebenfalls eine beflügelnde Wirkung. Das gelte weniger für die Reproduktionsrate selbst als vielmehr für die Heftigkeit des Paarungsverhaltens. Kinser, wieder mit einem Augenzwinkern: "Die treiben es umso wilder, je schöner das Wetter ist."

Mag die trübe Witterung darüber hinaus die Tierwelt wenig beeinträchtigen, so tun es wohl die anhaltend niedrigen Temperaturen. Denn gerade jetzt wird draußen in Feld und Wald die Nahrung knapp: Die Energiedepots der heimischen Wildtiere neigen sich dem Ende zu, so der Deutsche Jagdschutzverband: "In den letzten Winterwochen schmelzen die Fettpolster von Hirsch und Reh beträchtlich, von denen sie in der kalten Jahreszeit leben." Also: Frühlung und frische Futter dringend gesucht.

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erstellt am 01.Mär.2013 | 05:30 Uhr

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