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Wild im Wald: Den Hund trotz Jagdtrieb unter Kontrolle kriegen

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Berlin (dpa/tmn) - Ob Reh oder Hase: Wittert der Hund im Wald ein Tier, ist es meist um ihn geschehen. Im schlimmsten Fall hetzt er es zu Tode. Dann bleibt Haltern nur noch Schadensbegrenzung. Damit es gar nicht erst so weit kommt, muss der Hund einige Kommandos lernen.

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erstellt am 24.Mai.2013 | 11:44 Uhr

Berlin (dpa/tmn) - Ob Reh oder Hase: Wittert der Hund im Wald ein Tier, ist es meist um ihn geschehen. Im schlimmsten Fall hetzt er es zu Tode. Dann bleibt Haltern nur noch Schadensbegrenzung. Damit es gar nicht erst so weit kommt, muss der Hund einige Kommandos lernen.

Kaum wird es wärmer, zieht es Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern raus in die Natur - zum Beispiel zu einem langen Waldspaziergang. Doch der Ausflug hat schnell ein Ende, wenn der Hund ein Wildtier anfällt. Wer seinem Tier frühzeitig die wichtigsten Kommandos beibringt, kann sich jede Menge Ärger ersparen.

Gerade im Frühjahr sollten Hundehalter ihren tierischen Begleiter beim Waldspaziergang unter Kontrolle haben. «In dieser Zeit bringen viele Wildtiere ihre Jungen zur Welt. Einem jagenden Hund wären die Kleinen völlig ausgeliefert», erklärt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdschutzverband in Berlin. Auch trächtige Tiere seien nicht mehr in der Lage, schnell genug die Flucht zu ergreifen. Seiner Meinung nach sollten Hunde im Wald immer angeleint sein.

Doch das Bundeswaldgesetz enthält keine eigenen Regelungen für Hunde. Die Vorschriften sind deshalb in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich. So gibt es in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen eine Leinenpflicht. «In Bundesländern ohne Leinenzwang in Wäldern gilt: Hunde, die zum Jagen neigen und nicht absolut gehorsam sind, sollten im Wald keinesfalls unangeleint laufen», sagt Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Die Hunde könnten zum Beispiel an einer besonders langen Leine geführt werden.

Habe sich der Hund erstmal in seine Beute verbissen, sei er schwer davon abzubringen, sagt Thomas Riepe, Vorsitzender des Berufsverbandes der Hundepsychologen aus Anröchte in Nordrhein-Westfalen. Er rät in so einem Fall zu Ablenkungsmanövern.

Der Halter könne beispielsweise seine Jacke auf das angefallene Tier werfen. «So ist der Hund kurz abgelenkt und das Wildtier kann eventuell noch flüchten», sagt Riepe. Auf keinen Fall sollte der Besitzer versuchen, seinem Vierbeiner die Jagdtrophäe zu entreißen. Dann verbeißt sich der Hund nur noch mehr in die Beute.

Nachdem der wildernde Vierbeiner wieder angeleint ist, sollte der Jäger des Reviers angerufen werden. «Ist der nicht bekannt, kann die Polizei helfen und Kontaktdaten weitergeben», sagt Janet Kloß von der Polizeidirektion Niederlausitz-Oberschlesien. Rechtliche Folgen müssten Hundehalter nur befürchten, wenn der Jäger oder ein Zeuge des Geschehens Anzeige erstatten. «Ist ein finanzieller Schaden entstanden, springt die Haftpflichtversicherung des Halters ein», sagt Kloß.

Einem Hund den Jagdtrieb abzugewöhnen, sei nicht möglich, stellt Riepe klar. Halter könnten ihrem Vierbeiner den Waldspaziergang aber so spannend gestalten, dass er gar nicht erst auf die Idee kommt, einem Wildtier hinterzujagen. Eine Möglichkeit sei, immer wieder andere Wege zu gehen. «Auch Hunde wollen Abwechslung. Wenn Herrchen jedes Mal die gleiche Strecke abläuft, kennt sein Hund irgendwann jeden Grashalm. Das wird schnell langweilig.»

Um das zu vermeiden, könnten Halter beispielsweise unwegsames Gelände nutzen: «Verlassen Sie eingetretene Pfade und gehen Sie stattdessen mal querfeldein - natürlich nur dort, wo es erlaubt ist», sagt Riepe.

Auch Suchspiele oder das Balancieren über einen abgebrochenen Ast und das Überspringen eines Baumstammes sorgen für Abwechslung. Außerdem rät der Hundepsychologe, schon im Vorfeld zu testen, wie jagdbegeistert der Hund ist. «Rennt er zum Beispiel im Garten allem hinterher, was sich bewegt? Wenn ja, könnte es im Wald kritisch werden.» Jagdhunderassen wie Beagle, Terrier und Dackel reagierten naturgemäß sehr stark auf plötzliche Reize. Andere Rassen wie Mops oder Spitz seien deutlich ruhiger.

Doch ganz gleich, welche Rasse: Jeder Hund sollte die gängigen Kommandos wie «Sitz», «Platz» und «Komm her» beherrschen, sagt Riepe. Außerdem könnten Halter mit ihm Anweisungen wie «Komm her» oder «Lass ab» im Wohnzimmer trainieren. Das funktioniere zum Beispiel, indem man das Tier beim Fressen mit etwas noch besserem vom Napf ablenkt. «Wenn der Hund frisst, kann ihm sein Halter beispielsweise eine Wurst hinhalten und dabei das Kommando "Lass ab" laut sagen», erklärt Riepe.

Nach einigen Wiederholungen wird der Hund diese Anweisung immer mit etwas Positivem verbinden und gehorchen. «Passiert es dann tatsächlich mal, dass der Hund ein Tier im Wald anfällt, kann er mit diesem Kommando leichter gestoppt werden», sagt Riepe.

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