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Schmallenberg-Seuche : Wieder Lämmchen an Virus verendet?

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Ein Jahr nach der Schmallenberg-Seuche: Landwirt Hans Naeve aus Borgstedt beklagt wieder tote Tiere.

shz.de von
erstellt am 01.Mär.2013 | 05:27 Uhr

Rendsburg | Der Schock war nicht so schlimm wie im letzten Jahr. Fünf Lämmer hat er gerade verloren, wieder aufgrund des Schmallenberg-Virus’. Das glaubt Landwirt Hans Naeve (55) aus Borgstedt jedenfalls. Er kennt die Symptome ja bereits: Die Lämmchen kommen mit missgebildeten, steifen Beinen zur Welt, nicht lebensfähig. Oder sie werden tot geboren. Grund dafür ist das besagte Virus, übertragen durch infizierte Mücken, die die trächtigen Mutterschafe gestochen haben. Dutzende Schafzüchter waren 2012 neben Ziegen- und Rinderhaltern in Schleswig-Holstein betroffen. Einer von ihnen war der Borgstedter Landwirt und passionierte Schafzüchter.

Ganz so schlimm wie 2012 ist es nun in Borgstedt nicht gekommen. Statt fünf infizierter Schafe geht Hans Naeve aktuell von drei betroffenen aus. Ein Muttertier etwa, so Naeve, habe Ende Januar missgebildete Drillinge zur Welt gebracht, die gleich gestorben seien. Sie hätten auch nicht gesaugt und getrunken. Ein anderes Tier gebar kurz darauf Zwillinge, von denen eins tot war. Beim dritten Schaf hatte das neugeborene Lamm steife Beine. Die Muttertiere haben überlebt. "Ich war natürlich schon betroffen", sagt der Bauer. Allerdings seien die Fälle nun nicht aus heiterem Himmel aufgetreten, so wie noch im vergangenen Jahr. Jetzt allerdings, so Landwirt Naeve, bestehe keine Meldepflicht mehr – und damit auch keine Möglichkeit auf finanziellen Ausgleich durch den Tierseuchen-Fonds. Er habe die Verdachtsfälle dennoch dem Kreisveterinäramt gemeldet - "die Dunkelziffer kann hoch sein", so seine Vermutung. "Keiner weiß, wie stark sich die Krankheit jetzt ausgebreitet hat."

Auf fünf Höfen wurde das Virus nachgewiesen

Nach Angaben aus dem Landwirtschaftsministerium wurde das Virus seit Jahresbeginn auf fünf Höfen in Schleswig-Holstein nachgewiesen. Die Zahlen seien deutlich niedriger als vor einem Jahr. Ein Grund könnte sein, dass einmal erkrankte Tiere immun gegen den Erreger seien, vermuten Experten. Deshalb sei man optimistisch, dass es in diesem Jahr bei den geringen Infektionszahlen bleibe, heißt es aus dem Ministerium.

Für Schafzüchter Naeve gibt es auch gute Nachrichten: "Eins der Schafe, das letztes Jahr infizierte Lämmchen geboren hatte, hat uns jetzt gesunde Drillinge geschenkt", sagt der 55-Jährige und lächelt. Acht weitere gesunde Drillinge und nur zwei aufgrund anderer Umstände verstorbene Kleine versöhnen ihn mit der aktuellen Lammzeit: "Leichte Geburten, lebensfrohe Lämmer – das ist richtig toll gelaufen."

Finanzieller Verlust

Mindestens acht Lämmer hatte Naeve in der vergangenen Saison an das Schmallenberg-Virus verloren. Besonders das Schicksal eines kleinen schwarzen Bocks hatte ihn bewegt. Das Tier war mit einem steifen linken vorderen Bein zur Welt gekommen – saugte aber gierig Milch bei seiner Mutter, wollte unbedingt leben. Ein paar Tage nach der Geburt musste Naeve es jedoch einschläfern lassen (wir berichteten).

Das Schmallenberg-Virus war vom Landeslabor in Neumünster auf dem Naeve-Hof nachgewiesen worden. Der finanzielle Verlust lag 2012 für den Landwirt bei mehreren hundert Euro, ärztliche Kosten, Futter und Mehraufwand nicht eingerechnet. Denn pro Lamm erhält Hans Naeve 100 Euro. Das Geld, so betont er, sei für ihn jedoch nebensächlich. Der Landwirt lebt hauptsächlich vom Ackerbau, betreibt die Schafzucht seit 1983 , hat ein gutes Dutzend Rinder, einige Hühner und sechs Katzen – und eben derzeit 31 Schafe. Die liebt er, benennt sie gern nach Stars, Roman- oder TV-Figuren: Tiffy oder Britney zum Beispiel. "Es ist für mich ein Ausgleich. Die Schafzucht bewahrt mich vor dem Burnout", sagt Naeve.

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