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Hunde-Flüsterer : Wenn der Hund älter wird

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Bei platten Pfoten oder Problemen der Halswirbelsäule kann ein Osteopath helfen. Der gelernte Physiotherapeut behandelt Menschen und Tiere.

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2013 | 12:09 Uhr

Flensburg | Mit seinen Händen habe Stefan Balzar ihren C-Wurf gerettet, erinnert sich Sabine Lutter. In der Tierklinik habe man ihr zum Schwangerschaftsabbruch bei ihrer trächtigen Hündin Maja geraten. Balzar habe zwei Sitzungen gebraucht, um den vermeintlichen Bandscheibenvorfall, der eine Blockade war, zu lindern. Die braune Dalmatiner-Mama Maja brachte kurz darauf zehn Welpen zur Welt.

Nun walkt und knetet Stefan Balzar den neunjährigen Orry, bewegt in leisen Kreisen die Hüfte des braunen Dalmatiners, der in jeder Lage majestätisch ist. "Wenn es dem Hund gut tut, sind sie vertrauensvoll", erklärt der Osteopath das tiefe Zutrauen seines Patienten. Der 44-jährige Flensburger hat 1993 seine Ausbildung zum Physiotherapeuten in Flensburg mit dem Staatsexamen beendet und diesem Jahre später ein fünfjähriges Studium der Osteopathie aufgesattelt.

"Gerade ältere Hunde leiden oft an Ernährungsproblemen"

Heute behandelt der Hunde-Flüsterer sowohl menschliche als auch tierische Patienten. Und er arbeitet mit Tierärzten zusammen. Bei älteren Hunden treten insbesondere Probleme mit platten Pfoten auf. "Die durchgetretenen Pfoten entstehen durch Fehlbelastungen der Extremitäten", etwa aufgrund einer Fehlstellung der Wirbelsäule. Im Alter komme der Kraftverlust hinzu, die Muskelathrophie, "wodurch die Pfotengewölbe absacken". Als potentielle Ursachen nennt Balzar eine Blockade der Wirbelgelenke ebenso wie Probleme im Magen-Darm Trakt. "Gerade ältere Hunde leiden oft an Ernährungsproblemen, weil sie jahrelang oft falsche, künstlich hergestellte Nahrung bekommen haben." Als Osteopath könne er die Pfoten mobilisieren und Blockaden in den Gelenken und der Wirbelsäule lösen, um dem Hund wieder einen normalen Bewegungsablauf zu ermöglichen.

Auch gegen die alterstypische Einschränkung in der Halswirbelsäule, zum Beispiel durch schlecht angepasstes Geschirr oder Leinenzug, könne er Abhilfe schaffen. Dieses Manko sei ein möglicher Grund, warum ältere Hunde oft aggressiver werden. Denn: „Dadurch kann der Hund nicht mehr schnell auf äußere Reize reagieren, der Hund ist in seiner Wachsamkeit gestört, und fühlt sich anderen Hunden gegenüber angreifbar.“ Auch das Gegenteil – ein Rückzug und extreme Angst – sei eine denkbare Folge der eingeschränkten Beweglichkeit er Halswirbelsäule.

"Er geht unrund" – so beschreibt Sabine Lutter das Symptom, das sie den Spezialisten für Dalmatiner Orry riefen ließ. „"ch kenne meine Hunde in- und auswendig. Allein der Blick sagt ’Hilf mir’", erkennt die 50-jährige Fotografin. Außerdem beobachtet sie, dass "Orry Pass läuft", das heißt gleichzeitig jeweils rechte und linke Gliedmaßen vorsetzt. Ihr sei klar, dass dies ein Schongang sei.
In der ersten Sitzung erstellt Balzar eine ausführliche Anamnese, analysiert den Gang des Hundes und unterzieht das Tier einer Tastprüfung. Die Mehrheit der Hunde habe ein Rückenleiden, das zu Fehlhaltungen führen kann. Bei Orry handle es sich nur um eine vorübergehende Störung, vermutet Lutter.

Spezialist, der Schmerzen hemmt

"Die Osteopathie versucht, die Selbstheilungskräfte in Gang zu bringen", erläutert Stefan Balzar. Ansatzpunkte seien die so genannten Faszien. Diese Ummantelungen der Muskeln und Organe "halten uns in der Form", erklärt er, verdeutlicht: "Das Weiße am Grillfleisch sind Faszien." Wenn die Faszien spürbar fest sind, kann auch kein Stoffwechsel stattfinden. Deshalb löse er sie manuell durch Druck – nicht medikamentös, nicht mit Geräten. "Hunde lassen sich voll darauf ein", sagt Balzar. "Die Therapiezeit bestimmt der Hund. Hunde zeigen einem, wann und wo sie behandelt werden wollen."

Dass jede Bewegung schmerzt, insbesondere beim schnellen Laufen oder Treppen steigen, weiß der Spezialist von einem elf Jahre alten Schäferhund. Sein Patient litt unter Ellenbogendysplasie und starker Arthrose der Hüften und Wirbelsäule. Die jahrelangen Fehlbelastungen haben die Faszien am Hundekörper verändert, dass sogar eine Schädelasymetrie auftrat. Er behandelte, indem er die Faszien löste und Wirbelsegmente am Becken lockerte und damit dem Schäferhund Schmerzen nahm. Auch dem Schädel widmete sich Balzar. Und die liebevolle Besitzerin stellte von Trockenfutter "biologisch artgerechtes Rohfutter" um. Nach mehreren Behandlungen konnte der Hund wieder aufs Bett springen.

Hier geht es zur Homepage: www.hundeosteopathie.sh

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