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Wildtiere : Weihnachtszeit im Winterwald

vom

Weihnachten im Oberharz. Die Menschen erfreuen sich am Zauber der verschneiten Bergwelt. Tierfilmer Holger Schulz war den Wildtieren auf der Spur.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2009 | 01:30 Uhr

Seit Tagen schneit es ohne Unterbrechung. Lautlos taumeln die dicken Flocken zu Boden und verwandeln den Oberharz in eine märchenhafte Winterlandschaft. Leise plätschert ein Bach. Noch wehrt er sich gegen das glitzernde Eis, das vom Rand her über das Wasser wächst. Die Äste der großen Fichten beugen sich unter der weißen Last, und die kleinen Bäumchen am Waldrand hat der Schnee lückenlos verhüllt. Wie wachsame Gnome scheinen sie den Winterwald zu beschützen.
Aus den Fenstern des einsam gelegenen Berggasthofs leuchtet einladend das warme Licht. In der Stube brennen die Kerzen am Weihnachtsbaum, und der Glühwein dampft in den Gläsern. Draußen vor der Tür steht ein großes Futterhäuschen. Unter seinem Dach, das eine dicke Schneemütze trägt, herrscht reger Betrieb. Kohl- und Blaumeisen, Tannen- und Haubenmeisen, Kleiber und andere Gefiederte schwirren heran und machen sich über die Sonnenblumenkerne her. Mit ihren feinen Schnäbelchen meißeln sie die Schalen auf, um an die nahrhaften Samen zu gelangen. Die prächtig bunten Dompfaffen und andere Finken haben es leichter. Mit ihren kräftigen Schnäbeln knacken sie die Kerne ohne Mühe.

Hörnchen mit Walnuss
Oben im Baum kratzt etwas an der Rinde. Kopfüber kommt ein Eichhörnchen heruntergeklettert. Ein paar Sätze noch, und schon sitzt der braune Kobold mitten im Futterhaus. An den kleinen Körnern ist der Nager mit dem buschigen Schwanz wenig interessiert. Aber da gibt es ja auch größere Happen. Mit seinen Vorderpfoten packt das Hörnchen eine Walnuss, dreht sie ein paar Mal hin und her, nimmt sie ins Maul und verschwindet in sicherer Höhe. Kurze Zeit später hört man es dort oben knacken, und die Bruchstücke der Schale rieseln zu Boden.
Eingepackt in dicke Klamotten und ausgerüstet mit Ferngläsern treten fünf Wanderer aus dem Gasthaus in die klirrende Kälte. Das Eichhörnchen, das gerade auf dem Weg zur nächsten Walnuss war, fühlt sich gestört und beschimpft zeternd die Zweibeiner. Die aber machen sich zügig auf den Weg. 15 Kilometer Fußmarsch liegen vor ihnen, und sie hoffen auf Begegnungen mit den Tieren des Winterwaldes.
Misstrauische Rehe
Lange müssen sie sich nicht gedulden. Am Waldrand kratzen ein paar Rehe mit ihren Hufen im Schnee. Sie haben es auf die Rüben abgesehen, die der Gastwirt ihnen dort ausgelegt hat. Misstrauisch beäugen die scheuen Tiere die Wanderer. Aber schnell erkennen sie, dass von denen keine Gefahr droht.
Ein paar Kilometer weiter, in der Nähe eines alten Forsthauses, steht eine große Futterraufe, gefüllt mit duftendem Heu. Der Schnee ist zertreten von zahlreichen Hufen. Aber erst etwas später, im dichten Wald, entdecken die Naturfreunde die Urheber der Spuren. Sieben Rothirsche stehen dort, nervös und bereit zum Absprung. Die Hirsche tragen noch ihre prächtigen Geweihe. Zwölf Enden zählen die Wanderer bei einem der Recken. Die Tiere sind vorsichtig, zur Fütterung kommen sie erst nach Einbruch der Dämmerung.
Grandiose Landschaften
Vor den Wanderern öffnet sich jetzt ein tief eingeschnittenes Tal. Das Gehen auf dem schmalen, verschneiten Steig ist anstrengend, aber die grandiose Landschaft entschädigt für alle Mühen. Schroffe Klippen ragen senkrecht empor, gekrönt von riesigen Schneewechten.
Über Eiszapfen rauscht ein kleiner Wasserfall zu Tal. Weit oben, im schütteren Wald auf dem von tiefen Rinnen durchzogenen Hang, knacken trockene Äste. Im Fernglas zeigt sich eine Herde Mufflons. Die Wildschafe, deren Böcke große Schneckengehörne tragen, wurden vor 100 Jahren aus Korsika und Sardinien nach Deutschland gebracht und sind im Harz heimisch geworden.
Grunzen und Quieken
Die Zeit drängt. Es dämmert bereits, als die Wanderer sich ihrem Ziel nähern. Am Rand des Dorfes, unterhalb einer baufälligen Scheune, grunzt und quiekt es. Im letzten Licht ist schemenhaft eine Rotte Wildschweine zu erkennen. Dann flammt ein Schweinwerfer auf und beleuchtet die gespenstische Szene. Zwei riesige Bachen wühlen im Schnee nach Futter. Acht halbstarke Frischlinge wirbeln quirlig umeinander und jagen sich spielerisch über den Hang. Wie an jedem Wintertag finden sie an der Futterstelle auch heute Rüben, Kastanien und andere Leckerbissen.
In einer gemütlichen Gaststube, bei Hirschgulasch und einem guten Tropfen, lassen die fünf Freunde den Tag ausklingen. Ihre Gespräche drehen sich um das Erlebte - und um die Tiere im weihnachtlichen Winterwald. Der nächste Ausflug ist bereits geplant: In Thale, im Tierpark am Hexentanzplatz, soll man Wölfe in einem Freigehege beobachten können. Und Luchse. Die großen Raubkatzen sind ja inzwischen im Harz wieder heimisch geworden. Aber das ist eine andere Geschichte...


Viele Tierarten des Harzes können Sie im Tierpark Hexentanzplatz beobachten:
Tierpark Thale, Hexentanzplatz 4, 06502 Thale, ganzjährig geöffnet (Nov-Jan: 10-16 Uhr)

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