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Das Geschäft mit dem Hundesalon : Waschen, schneiden, legen

vom

Der Markt für Hundepflege wächst stetig – und ist fast unüberschaubar.

shz.de von
erstellt am 28.Mär.2013 | 07:25 Uhr

Ganz leicht zu finden ist er nicht, der Hundesalon Weller in Neuendorf. Irgendwo auf der Strecke von Glückstadt nach Elmshorn geht es rechts rein auf einen Feldweg. Nach einigen Hundert Metern ist das Ziel erreicht. Ein Schild an der Hauswand weist auf den Hundesalon hin. Sekundenbruchteile nach dem Drücken der Türklingel ertönt der Willkommensgruß. Carlo bellt. Der stattliche Airedale Terrier ist in der ganzen Region als Motorradhund bekannt. Regelmäßig sitzt er im Beiwagen von Frauchen Martina Weller und erkundet die Gegend. "Das aus Carlo ein Zweiradfan wurde, ist reiner Zufall", lacht Martina Weller und bittet einzutreten. Gleich links geht es in den Hundesalson. Zwei Stühle und ein kleiner Tisch bilden den Wartebereich. Gegenüber dominiert eine Wanne den Vorraum. Zahllose Hundefotos hängen an den Wänden. Im hinteren Teil steht ein Tisch, auf dem die Hunde getrimmt werden. Ein Sperrgitter am Eingang verhindert, dass die Vierbeiner ungeplant das Weite suchen können.

Gerade ist Anja Hauschildt mit ihrem Jack Russell zu Gast. "Ich bin zwei oder drei Mal im Jahr mit Schröder hier", sagt die Hundebesitzerin. Dann gebe es "immer das volle Programm". Baden, Trimmen, Krallen kontrollieren und Haare aus den Ohren zupfen. "Schröder genießt das richtig", versichert Hauschildt, und ein wohliges "Wuff" aus der Kehle des Terriers scheint die Aussage zu belegen. Martina Weller betreibt die Hundepflege seit knapp zwei Jahrzehnten. Allerdings nur nebenberuflich. "Eigentlich bin ich Altenpflegerin", sagt sie, während Schröders Fell gestutzt wird. Von 1992 bis 1994 war sie in Berlin Schöneberg Geschäftsinhaberin eines Hundesalons. 2007 folgte der Umzug nach Neuendorf. Der Sprung von der Großstadt aufs Dorf sei spannend gewesen, erklärt Weller. In Berlin habe sie Hunde-Jogginganzüge und Goldcolliers für die Tiere verkauft. "Auf dem Land werden Hunde nicht so verhätschelt."

Der Hundemarkt boomt

Der Markt für die Hundepflege ist längst unüberschaubar geworden. Es gibt 300 Seiten starke Fachmagazine für Produkte aller Art. Angefangen beim Hundeshampoo über Salben bis hin zu modischem Schnickschnack. Natürlich nähert sich auch Martina Weller nicht mit einer handelsüblichen Friseurschere "ihren" Tieren, sondern mit einer speziell rundgebogenen Variante.

Und wenn sich die Hundefachfrau einmal wirklich nicht mit einer Rasse auskennen sollte, steht eine Hundefibel bereit, die festlegt, wie lang das Fell sein darf. Gerade, als Schröders Schönheitsbehandlung beendet ist, schaut Michèle Gruzca vorbei. "Wir arbeiten zusammen", stellt Martina Weller den Besuch vor. Gruzca betreibe im benachbarten Sommerland eine Hundepension und betreue Tiere aus der ganzen Region. Gerade hat sie Joker im Schlepptau, einen ungewöhnlich schönen Australian Shepherd blue-merle. "Ich biete auch Dogwalking an", erklärt Gruzca. Joker kommt aus Hamburg und soll jetzt erstmal ein Bad nehmen. Gemeinsam reden die Frauen dem Hund zu, bis Joker tatsächlich in die Wanne steigt. "Man muss eben Hunde kennen, dann klapp so was auch", sagt Martina Weller.

Hund und Herrchen soll es gefallen

Über das Internet (www.hundesalon-weller.de) und Facebook akquiriert die Hundesalon-Chefin ihr Klientel. Vor allem aber via Mund-zu-Mund-Propaganda. "Wenn es um ihre Lieblinge geht, sind Herrchen und Frauchen ausgesprochen sensibel", weiß Michèle Gruzca. Da würden für die "richtige" Adresse gern einmal ein paar Kilometer Anfahrtsweg mehr in Kauf genommen. "Martina ist eine echte Hundespezialistin", versichert die Pensionsbesitzerin. "Kaum einer kennt die Körpersprache der Tiere so gut wie sie." Ein großer Vorteil, denn nicht alle Hunde freunden sich auf Anhieb mit dem Salon an. "Es kommt schon mal vor, dass ich einen Maulkorb anlegen muss", gibt Weller zu, während sie Joker abduscht. Zwei Mal sei sie trotzdem gebissen worden. "Aber für 20 Jahre ist das doch recht wenig."

In ihrem Salon werden alle Rassen bedient. Aber bei "Sicherheitsrisiken" wie Kampfhunden schaue sie schon sehr genau hin, wie sich ein Hund verhalte. Damit die Tiere möglichst entspannt bleiben, wird möglichst immer nur ein Hund in den Salon gelassen. Diese Luxusbehandlung scheint auch Joker zu gefallen. Seelenruhig lässt er die Fellpflege über sich ergehen. "Letztlich soll es hier doch Hund und Herrchen gefallen", merkt Martina Weller an. Und Michéle Gruzca und Anja Hauschildt nicken zustimmend.

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