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Miesmuscheln : Wachstum auch in saurem Meer

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Die Miesmuschel und ihre Reaktion auf CO2 übersäuertes Wasser beschäftigte nun Geomar-Forscher in Kiel. Sie experimentierten im Labor und in der Förde.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2013 | 01:01 Uhr

Kiel | Wie stark leidet das Wachstum der Miesmuschel unter mit Kohlendioxid übersäuertem Ostseewasser? Wie reagiert das empfindliche Ökosystem darauf? Welche Konsequenzen hat die Entwicklung beispielsweise für die hiesigen Anbieter von Muscheln aus Aquakultur? Kann sich die Muschel an die verschärften Bedingungen anpassen? Diesen Fragen gehen Forscher des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel zurzeit nach - und haben jetzt eine Studie veröffentlicht.

Erstes Ergebnis: Die in der westlichen Ostsee dominante Miesmuschel (Mytilus edulis) könnte auch unter zukünftigen Bedingungen eine wichtige Stellung im Nahrungsnetz des Meeres einnehmen. Ein mehrwöchiges Experiment der Meeresbiologen und Meereschemiker zeigt demnach, dass die Tiere auch dann wachsen und Kalkschalen bilden, wenn der Anteil an gelöstem Kohlendioxid im Wasser aktuelle Werte deutlich übersteigt - wie in der Kieler Innenförde. Die Entwicklung der Muscheln hängt jedoch deutlich davon ab, ob ausreichend Nahrung verfügbar ist.

Konfrontation mit Zukunftsentwicklungen


Mit Laborversuchen und Experimenten im Wasser der Kieler Förde untersuchen die Wissenschaftler, inwieweit Meeres-Organismen der Ozeanversauerung standhalten können. Diese chemische Veränderung wird ausgelöst, wenn das Meer Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre aufnimmt. Im Wasser reagiert das Kohlendioxid zu Kohlensäure, und die Konzentration der Karbonat-Ionen sinkt. Da kalkbildende Lebewesen wie Muscheln, Schnecken, Korallen und Plankton diese Moleküle benötigen, um ihre Schalen und Skelette zu bilden, galten sie bisher als erste mögliche Opfer.

Dr. Jörn Thomsen, Autor der Studie, erklärt: "Für unser Laborexperiment haben wir Besiedlungsplatten für Miesmuscheln in der Kieler Förde aufgehängt und die darauf siedelnden Tiere anschließend in Aquarien überführt." Sieben Wochen lang beobachteten er und Kollegen, wie sich die Tiere unter verschiedenen Bedingungen entwickelten: Sie wurden heutigen CO2-Konzentrationen und solchen, die sie für das Jahr 2100 erwarten, ausgesetzt. Zusätzlich wurden die Muscheln entweder entsprechend der Futterkonzentration in der Förde oder mit geringeren Konzentrationen gefüttert.

Empfindliche Reaktion von Larven auf CO2


Parallel lief ein viermonatiger Feldversuch. "Dafür haben wir Besiedlungsplatten in der Innenförde und in der Außenförde platziert und die Wasserwerte regelmäßig überprüft. In der Innenförde lagen die Werte weit über dem Niveau, das in den meisten Ozeanregionen bis zum Ende des Jahrhunderts erwartet wird", erklärt Thomsen. Grund sei der Sauerstoffmangel in der Bucht - ausgelöst durch Abwässer und Düngemittel aus der Landwirtschaft, die in die Ostsee gelangen. "Die Folgen sind zwar negativ zu betrachten, aber die höhere Planktondichte liefert den Muscheln mehr Energie", so Thomsen.

Am Ende des Experiments seien die Miesmuscheln aus der Innenförde mit etwa 18 Millimetern doppelt so groß wie die aus der Außenförde gewesen, fasst Thomsen zusammen. Diese Beobachtung konnten die Forscher unter kontrollierten Bedingungen im Labor bestätigen. Erst bei Extremwerten wuchsen die Muscheln deutlich schlechter.

Allerdings reagieren offenbar die freischwimmenden Larven der Miesmuschel deutlich empfindlicher auf steigende CO2-Mengen als die späteren Stadien. "Dies könnte dazu führen, dass die sensible Entwicklung der Larven in Zukunft gestört wird. Inwieweit sich die Larven an diese Bedingungen anpassen können, lässt sich gegenwärtig noch nicht beurteilen", sagt Jörn Thomsen.

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