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Wildbienen und Co. : "Villa Wildbiene" klar zum Einchecken

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Sponsorengelder machen es möglich: BUND Schleswig-Holstein stiftet Unterkünfte für Insekten, denn ihre Lebensräume verschwinden.

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2013 | 12:08 Uhr

Büdelsdorf | Das letzte Zimmer musste noch eingebaut werden - dann war die "Villa Wildbiene" klar zum Anflug. Gestern Vormittag allerdings war lediglich das Prasseln des Regens zu hören und nicht das Summen und Brummen der Insekten, für die das Hotel aufgestellt worden war. Der Lebensraum für die kleinen Tierchen verschwindet zusehends. Daher entschied sich der BUND Schleswig-Holstein für die Aufstellung von Unterkünften verschiedener Größe. In Büdelsdorf wurde eine Villa, ja fast schon ein Luxushotel errichtet.
Bürgermeister Jürgen Hein freute sich über diesen weiteren Beitrag für die Natur in Büdelsdorf. Denn das Hotel steht auf der Mirabellen- und Zwetschgenbaumwiese an der Neuen Dorfstraße/Ecke Gorch-Fock-Straße. Diese war vor elf Jahren gemeinsam von Stadt und BUND-Ortsgruppe Rendsburg-Eckernförde angelegt worden. Wenn die Obstbäume blühen, finden die Wildbienen hier Nahrung für sich und ihren Nachwuchs. Denn ob in der Landwirtschaft oder in Privatgärten: Blütenpflanzen werden hier immer seltener.

Den Insekten sollte das Leben nicht so schwer gemacht werden

Die Hobbygärtner entscheiden sich oft für gefüllte Blüten, weiß Dr. Ines Walenda. "Die sehen zwar schön aus, doch die Tiere können mit ihren Werkzeugen nicht den Nektar erreichen", erklärt die Landesgeschäftsführerin des BUND. Heimische Kräuter wie Fenchel und Borretsch oder Pflanzen wie Fetthenne, Krokusse, Malven und Melisse munden den fleißigen Sammlerinnen dagegen sehr und helfen ihnen beim Überleben. Und so hatte Reindhard von Gehren vom BUND eine Bitte an die Stadt Büdelsdorf : "Die Wiese nicht so oft mähen." Besonders im Frühjahr, wenn die Insekten zur Aufzucht ihres Nachwuchses Nektar füttern.
"Ohne Insekten kann die Natur nicht funktionieren", erklärte Reinhard von Gehren den anwesenden Journalisten. Das möchte der BUND auch dem menschlichen Nachwuchs vermitteln. Kindergärten, Schulklassen, aber auch Erwachsene können hier Natur hautnah erleben, bekräftigt Dr. Ina Walenda. Wildbienen sind Einzelgänger. Von einem organisierten Staat, wie ihn ihre Verwandten die Honigbienen betreiben, halten sie nichts. Sie sind alleinerziehend oder bevorzugen eine WG wie zum Beispiel die Zottelbiene. Dann teilen sich mehrere Weibchen einen Nesteingang, erklären die BUND-Fachleute. Sand- oder Heideflächen dienen den Wildbienen sonst als Unterschlupf, aber auch abgestorbene Materialien. Letzerem sind sie Insektenhotels nachempfunden, die es auch in Baumärkten zu kaufen gibt. "Sie sehen auch schön aus", so Walenda, und auch für kleine Gärten geeignet. Sie nimmt den potentiellen Besuchern die Angst vor den Stechtieren: "Sie sind friedlich". Und das Brummen und Summen würde dem Garten viel Atmosphäre verleihen.
Den Bau der Insektenhotels an öffentlichen Orten kann der BUND dank einer 15 000-Euro-Spende von der Fördesparkasse finanzieren und auch die Broschüre "Wildbienen schützen" neu auflegen. Die Sparkasse ist in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Plön und Kiel angesiedelt. In diesen Regionen werden die Insektenhotels unterschiedlicher Größe aufgestellt. Auch Rendsburg hat ein Angebot erhalten, konnte sich aber noch nicht für einen Standort entscheiden.

Infos und Broschüren beim BUND-SH, Lerchenstr. 22, 24103 Kiel, http://www.bund-sh.de/


Waldbienen Informationen

Allein für Schleswig-Holstein sind 300 verschiedene Arten bekannt.
Dazu gehören: Hummeln, Sand- und Seidenbienen und eine Vielzahl von kleinen und unscheinbaren Arten.
Aber: 58 Prozent der Bienenarten sind gefährdet.

Ohne blütenbesuchende Insekten gäbe es keinen Honig, weniger Obst und auch weniger Gemüse.
Sie sind Verwandte der Honigbiene. Ihr Name bezieht sich nicht auf ihr Verhalten, sondern auf das Leben als Wildtier.
Sie sind weder agressiv noch angriffslustig. Nur bei großer Bedrängnis setzen sie ihren Stachel ein.

Wildbienen sind Einzelgänger, leben nicht in Staaten wie die Honigbienen.
Sie sind wärmebedürftig. Heide, Margerrasen, Sanddünen, strukturreiche Waldränder sind ihre Lebensräume.
Die Tiere überwintern in ihren Nestern – je nach Art als Biene, Larve oder Puppe.
(Quelle: BUND SH)

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