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Die Felsmalereien von Jubbah : Unterwegs in die Vergangenheit

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Felsmalereien schmücken Sandsteinhügel in der saudischen Wüste Nafud. Holger Schulz hat die präislamischen Kunstwerke besucht und zeigt sie in seiner Audioslideshow.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2010 | 12:41 Uhr

Sichelförmige Dünen, wohin das Auge auch blickt. Kein Busch und kein Baum, nur feiner, rötlicher Sand. Die Wüste Nafud im Norden Saudi Arabiens ist kein Ort, an dem man reiches Tierleben erwartet. Wir jedoch sind auf einer Reise in die Vergangenheit. Zwei Stunden schon folgen wir der schmalen Straße. Endlich: Wie eine Fata Morgana flimmern in der Ferne die Schemen von Palmen und Lehmhäusern. Vor uns liegt die Oase Jubbah, eine grüne Insel im endlosen Meer aus Sand.
In den verwitterten Sandstein-Felsen des Jebel Um Sanaman, nicht weit von der Oase entfernt, erwartet uns ein Zeugnis aus längst vergangener Zeit: Felszeichnungen, Jahrtausende alt, doch noch immer klar zu erkennen. Wildtiere und Haustiere, aber auch sich selbst, haben die Steinkünstler damals skizziert. Die Vergangenheit öffnet sich vor uns wie ein reich bebildertes Buch: Strauße umsorgen ihre Jungen, und Steinböcke prallen im erbitterten Kampf aufeinander. Oryxantilopen mit ihrem langen, nadelspitzen Gehörn ziehen grasend über die Ebene. Jäger schleudern ihre Speere auf Beute oder verteidigen sich gegen Löwen und Wölfe. Und friedlich weiden Hirten ihre Kamele, Rinder und Ziegen.
Wo heute nichts als Wüste ist gab es einst fruchtbares Land
Entstanden sind die in Stein gemeißelten Kunstwerke vor 4000 bis 9000 Jahren. Die prähistorischen Graffiti zeigen die Welt, wie die Menschen sie einst erlebten. So viele hungrige Mäuler in dieser trockenen Einöde? War die Region damals feucht und fruchtbar und die Nafud vielleicht gar keine Wüste? Tatsächlich fanden Geologen heraus, dass einst ein großer Binnensee die Senke von Jubbah bedeckte. Üppige Savannenvegetation ermöglichte zahlreichen Wildtieren das Überleben - und den Menschen die Haltung und Zucht von Rindern.
Im Lauf der Jahrtausende änderte sich das Klima, und die Wüste ergriff Besitz von dem ehemals fruchtbaren Land. Die meisten Tiere verschwanden, aber einige Arten überlebten in feuchteren Gebirgstälern. Gegen die modernen Jäger mit ihren Gewehren jedoch hatten auch sie keine Chance. Innerhalb eines Jahrhunderts wurden Strauße, Oryx und Steinböcke ausgerottet. Was der Wüste über Jahrtausende nicht gelang, das erreichte der Mensch in einem Wimpernschlag der Geschichte. Die Felszeichnungen von Jubbah sind deshalb auch eine Mahnung - für mehr Verantwortung gegenüber der Natur.

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