zur Navigation springen

Zackelschafe : Ungarns robuste Hornträger

vom

Ihre langen verdrehten Hörner machen die Zackelschafe nicht nur in ihrer Heimat Ungarn, sondern auch im Tierpark Arche Warder zur Touristen-Attraktion.

Der Wind hat auf Ost gedreht. Kalt und nass pfeift er über die Koppeln im Tierpark Arche Warder. Büschel aus verfilzter Wolle hängen im Zaun und flattern in der kräftigen Brise. Zwischen den letzten kleinen Schneefeldern grasen ein paar eigenartige Schafe. V-förmig streben ihre spitzen Hörner auseinander, bis zu 70 Zentimeter lang und in sich gedreht wie Korkenzieher. Die geringelten Haare des dichten Fells, rötlich braun oder vornehm grau, umhüllen wie Schillerlocken die stämmigen Körper. Das ungemütliche Wetter stört die widerstandsfähigen Tiere nicht.
Jahrhunderte lang gehörten die Zackelschafe zu den wichtigsten Nutztieren in den Weiten der ungarischen Puszta. Den Menschen in den Steppen im Karpatenbecken lieferten die genügsamen Hornträger alles, was sie zum Überleben benötigten. Aus der Wolle der Zackelschafe wurden die traditionellen Mäntel der Steppenhirten gefertigt. Die Häute wurden zu Fellen und hochwertigem Leder verarbeitet. Aus ihrer Milch bereitete man würzigen Käse, und das magere, besonders schmackhafte Fleisch war ein wichtiges Nahrungsmittel. Auch in den benachbarten Ländern waren die urtümlichen Schafe heiß begehrt. Fast 125000 Tiere wurden allein im Jahr 1737 aus Ungarn exportiert.
Das Interesse der Touristen rettete das Zackelschaf vorm Aussterben

„Die Wolle der Zackelschafe ist besonders warm und widerstandsfähig, und sie hält Feuchtigkeit und Regen ab“, weiß Susanne Kopte vom Tierpark Arche Warder. „Sie war damals das ideale Material für wetterfeste Kleidung. Aber sie ist fest, rau und kratzig, und irgendwann wollte niemand mehr solche Kleidung tragen.“ Andere Schafrassen mit feinerer Wolle, wie das Merinoschaf, kamen nun in Mode. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt das Zackelschaf als vom Aussterben bedroht, und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatten nur wenige Tiere in der Hortobágy-Puszta überlebt.
Tausend Jahre lang war das Zackelschaf ein nützlicher Begleiter der Menschen in der ungarischen Steppe – und nun sollte sein Schicksal besiegelt sein? Der Zufall kam den gefährdeten Vierbeinern zu Hilfe: Auf der Suche nach der Puszta-Idylle, mit Ziehbrunnen, Pferden und Steppenrindern, reisten die Touristen ins Land – und sie waren begeistert von den urtümlichen Schafen. „Inzwischen nehmen die Bestände zu“, freut sich Susanne Kopte über die Renaissance der schönen Tiere. „In der Puszta gibt es wieder größere Herden.“ Und im März, so Kopte, werden auch in Warder die Lämmer geboren: „Sie haben ein herrlich lockiges Fell, ein wenig wie Omas Persianermantel.“ Es geht aufwärts für die bedrohten Schafe mit dem Schraubengehörn.
Die Tiere sind genügsam
Das Zackelschaf ist eine alte ungarische Schafrasse, die vom in Asien beheimateten Steppenwildschaf (Ovis orientalis) abstammt. Die Böcke erreichen eine Schulterhöhe bis 70 Zentimeter. Zackelschafe sind genügsam und sehr widerstandsfähig gegen Hitze und Kälte.
Tierpark Arche Warder, Langwedeler Weg 11, 24646 Warder, ganzjährig täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet, im Winter bis Einbruch der Dunkelheit
www.arche-warder.de

zur Startseite

von
erstellt am 04.Mai.2009 | 01:28 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen