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Insektenstiche : Trockenes Wetter macht Mücken das Leben schwer

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Es ist Sommer und Mücken sind unterwegs auf der Suche nach neuen Opfern. Nachts stechen die Quälgeister häufig zu und lassen ihre Wirte mit juckenden Hautstellen zurück. Doch eine Plage bleibt in diesem Jahr wohl aus.

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2014 | 05:30 Uhr

Plön | Im Halbschlaf hört man in Sommernächten oft das lästige Summen von Stechmücken. Sobald es aufhört, fragt man sich, wo sich der kleine Blutsauger gerade niedergelassen hat und spätestens am nächsten Morgen löst sich das Rätsel mit einem juckenden Stich auf der Haut auf.

Diese Quälgeister, die Menschen und Tiere umkreisen, sind ausschließlich Mückenweibchen. Sie benötigen das Protein aus ihrer Blutmahlzeit, um nach der Befruchtung Eier zu produzieren und abzulegen. Ohne Protein aus Blut können sich Mücken nicht fortpflanzen. Die Männchen stechen je nach Gattung seltener und begnügen sich vor allem mit Pflanzennektar.

Zwischen ein paar Tagen bis zu einigen Wochen kann es dauern, bis sich aus dem Ei eine Mücke entwickelt hat, die dann auf die Suche nach einem Wirt geht. Von einer Mückenplage könne man laut Biologe Carsten Pusch, Vorstandsmitglied des NABU-Schleswig-Holstein und Insektenexperte der Organisation, aber nicht sprechen. Durch das eher trockene Wetter und die fehlende Feuchtigkeit treten nicht sehr viele Tiere auf.

Die Weibchen erkennen ihre Opfer an verschiedenen Duftstoffen, die der Mensch selbst kaum wahrnehmen kann. „Dazu gehören CO2 und Säuren, die man ausatmet“, erklärt Pusch. Buttersäure, zum Beispiel. Aber nicht nur der Duft, sondern auch die Hauttemperatur spiele eine große Rolle. Menschen, die von Natur aus eine um ein paar zehntel Grad kühlere Haut haben als andere, bleiben von den lästigen Stechmücken eher verschont. Zusätzlich beeinflussen Luftfeuchtigkeit, Außentemperatur sowie Farbe der Umgebung und Helligkeit die Mückenattacken.

Wie groß der Stich ist, hängt sowohl von der Art der Mücke als auch von der Speichelmenge ab, die das Tier in die Haut spritzt. Gefährliche Stechmücken gibt es laut Pusch in Schleswig-Holstein nicht. Er fügt jedoch hinzu, dass jeder Mensch anders auf einen Stich reagiert.

Haben die Insekten zugeschlagen, gibt es einige Möglichkeiten, um den Juckreiz zu lindern. Zum einen empfiehlt sich, die betroffene Hautstelle zu kühlen. Beschwerden durch einen stark geschwollenen Mückenstich lassen sich mit einer Zwiebelauflage lindern. Am besten wird eine dickere Scheibe oder halbe Knolle mit einem Tuch über der Einstichstelle fixiert. „Der Schwefel im Zwiebelsaft hat eine desinfizierende und antibakterielle Wirkung“, sagt der Allgemeinmediziner Peter Emmrich, Vizepräsident des Deutschen Naturheilbundes. Außerdem kühle und beruhige die Zwiebel die gereizte Hautstelle. Hinterher reibt man die Haut am besten mit einer Ringelblumen- (Calendula-) Creme ein. Wenn es zu stark juckt, helfen Präparate aus Cortison.

Zum Schutz von den lästigen Tieren ist es sinnvoll, lange Kleidung tragen, damit sie nicht mit der Haut in Berührung kommen. Wer nachts von den Mücken heimgesucht wird, sollte laut Pusch ein Moskitonetz am Fenster oder über dem Bett anbringen und vor allem das Licht ausschalten. Bei der Verwendung von Mückensprays ist er skeptisch, denn diese würden Inhaltsstoffe enthalten, die weitere allergische Reaktionen hervorrufen können. Sinnvoll seien dagegen spezielle Sonnencremes, die Mücken und Zerkarien abwehren. Zerkarien sind die Larven von Saugwürmern, die sich vor allem bei hohen Temperaturen in den flachen Uferzonen von Gewässern aufhalten. Dort sind sie auf der Suche nach Wasservögeln, in die sie eindringen, um dort ihre Eier abzulegen. Auf der Suche nach einem Wirt geraten sie auch mit der menschlichen Haut in Kontakt, in der sie sich jedoch nicht weiterentwickeln können. Sie verursachen stattdessen eine mit starkem Juckreiz verbundene Hautreaktion, die Badedermatitis, die aber nach ein paar Tagen wieder verschwindet.

Aber auch wenn diese oft nervenden Tiere den Menschen das Leben zur nächtlichen Stunde nicht leicht machen, spielt diese Insektengruppe für das Ökosystem eine sehr wichtige Rolle. „Mücken und deren Larven sind wichtige Beute für andere Tiere“ sagt Pusch. Spinnen, Fische, Amphibien, Libellen und Vögel sind beispielsweise auf das Vorkommen von Mücken angewiesen. Würden Mücken aus dem Ökosystem verschwinden, so hätte dies für eine Vielzahl von anderen Tieren gravierende Folgen. Hinzu kommt, dass die Tiere auch natürliche Feinde haben, zu denen Amphibien, andere Insekten oder auch Fische, die die Mückeneier und Larven fressen, zählen. „Mückenstiche gehören außerdem zu jedem Naturerlebnis dazu“, sagt Pusch lachend.

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