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Tiere : Tiger fürs Wohnzimmer? In Hybridkatzen steckt Wildnis

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Das Fell eines Leoparden, den Charakter eines Stubentigers: Mit dieser Kombination werben viele Züchter für exotische Hybridkatzen. Doch Tierschützer warnen vor Qualzucht und halten vor allem die frühen Generationen nicht für geeignete Haustiere.

«Was für hübsche Katzen!» Diesen Satz hören Anja und Andreas Patz oft. Denn wer Ayo, Börni oder Nelly beobachtet, wie sie durchs Wohnzimmer im hessischen Dillenburg tollen, sich zu Gesprächen dazusetzen und eifrig mitmiauen, merkt schnell, dass es sich bei den Tieren mit dem seidig-glänzenden Fell nicht um gewöhnliche Katzen handelt.

Familie Patz züchtet Bengalkatzen. Sie entstanden in den 1960er-Jahren in den USA aus der Verpaarung asiatischer Wildkatzen (Leopard Cats) mit Hauskatzen. «Wilde Katzen üben auf viele eine starke Faszination aus», sagt Marcus Skupin, Katzenexperte und Buchautor aus dem westfälischen Dorsten. Vor allem die Fellzeichnung, die über Tupfen bis zu Streifen zahlreiche Spielarten aufweist, ziehe die Menschen in ihren Bann.

Die Bengalen gehören zu den bekanntesten Katzenhybriden. Andere Züchtungen heißen Savannah, Bristol, Caracat oder Tilaran und sind allesamt Kreuzungen einer männlichen Wildkatze mit einer weiblichen Hauskatze. Während sich die Bengalkatze mit drei bis sechs Kilo und einer Schulterhöhe von 20 bis 30 Zentimeter kaum von der Hauskatze unterscheidet, können Savannah-Hybriden bis zu 12 Kilo auf die Waage bringen und einen halben Meter groß werden.

«Halter müssen damit rechnen, dass die Tiere Wildtiereigenschaften zeigen», warnt Heidi Bernauer-Münz, Vorsitzende des Bereichs Kleintiere der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) in Wetzlar. Sie seien häufig scheu, nachtaktiv und lebten als Einzelgänger. Um artgerecht gehalten zu werden, brauchen sie ausbruchsichere Innen- und Außengehege inklusive Badestelle, täglich Frischfleisch, besondere tierärztliche Behandlung und genügend Jagd-, Lauf- und Klettermöglichkeiten.

Katzenexperte Skupin hält es für wichtig zu unterscheiden: Wie sich eine Hybridkatze verhalte und wie einfach sie zu halten sei, hänge von ihrer Generation ab. Je weiter sich das Tier von der Ursprungspaarung aus Wild- und Hauskatze entfernt, umso mehr nehmen die Wildtiereigenschaften ab, und umso ähnlicher wird es der Hauskatze. Ab der fünften Generation beträgt der Wildtieranteil nur mehr 1,6 Prozent.

Dass Tierschützer Hybridkatzen häufig als Qualzucht bezeichnen, liegt an den Gefahren bei der Verpaarung der Ursprungsarten. «Die Zeugung muss auf natürlichem Weg erfolgen, und das birgt ein hohes Risiko von Verletzungen oder gar eines tödlichen Ausgangs», sagt Skupin. «Bei der Zwangsverpaarung mit einem Wildkatzenkater erleidet die kleine Hauskätzin Schmerzen und Leiden bis hin zu Todesfällen durch den Nackenbiss», bestätigt Bernauer-Münz.

«Wer Katzen mag, wird Bengalkatzen lieben», ist Anja Patz überzeugt. Sie züchtet ausschließlich mit den Generationen 6 bis 15 nach der Wildkatze, was sich auch im Preis von maximal 2500 Euro niederschlägt. Dass Hybriden wild und unberechenbar seien, kann sie nicht bestätigen. Tiere aus seriöser und liebevoller Zucht seien zutraulich, verschmust und anhänglich.

Wie viele Hybridkatzen in Deutschland gehalten werden, ist nicht bekannt. «Grundsätzlich kann sich in den meisten Bundesländern jeder legal eine Hybridkatze oder sogar eine wilde Katzenart zulegen», sagt Skupin. In Abhängigkeit der Generation des Tieres gibt es aber eine große Zahl an gesetzlichen Regelungen und Auflagen zu beachten. Erst ab der fünften Generation fallen die meisten dieser Einschränkungen weg.

Literatur:

Marcus Skupin/Maria Falkena-Roehrle: Die zahmen Wilden und die wilden Zahmen, Books on Demand, 49,95 Euro, ISBN-13: 9783839103838

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erstellt am 24.Okt.2013 | 09:16 Uhr

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