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Grossharrie/Einfeld : Storchenpaar vertreibt Artgenossen

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Die Großharrierer wünschen sich ihre friedlichen Störche zurück, doch die sind nach Einfeld geflohen. Die Unruhestifter bleiben ohne Nachwuchs.

shz.de von
erstellt am 03.Jul.2013 | 06:12 Uhr

Grossharrie/Einfeld | Ein Storchenpaar im Dorf - das ist für jede Gemeinde ein Grund zur Freude. Nicht so für die Großharrier. Die müssen nämlich seit sechs Jahren mit einem überaus aggressiven Paar Vorlieb nehmen, das ursprünglich gar nicht in ihrem Dorf wohnte. Stattdessen vertrieben die beiden Neuen das altangestammte friedliche Storchenpaar nach jahrelangen Attacken aus seinem Nest auf dem Hof Röpke und bauten sich 50 Meter entfernt auf einer abgesägten Kastanie auf dem Dorfplatz eine eigene Bleibe.
Großharries ursprüngliches Adebar-Pärchen floh derweil Richtung Dosenmoor und fand in diesem Frühjahr auf dem Hof von Jens und Karen Schröder am Looper Weg in Einfeld ein neues Zuhause. Und da ist die Freude natürlich groß. Denn jetzt gibt es zum ersten Mal nach 60 Jahren wieder Storchengeklapper in Einfeld. "So lange ist es in etwa her, dass in der nahe gelegenen Einfelder Dorfstraße Störche gebrütet haben sollen", meinte der Landwirt am Dienstagabend beim Beringungstermin für die Jungstörche.

Des einen Freud ist des anderen Leid

Und die Einfelder haben noch einen weiteren Grund zur Freude: Auf ihrem Nest auf dem Betonmast werden derzeit zwei gesunde Junge aufgezogen, wie Storchenberinger Jörg Heyna von der Arbeitsgemeinschaft Storchenschutz im Naturschutzbund (Nabu) feststellte. Ein dritter Jungvogel wurde allerdings tot im Nest gefunden. "Gut möglich, dass einer der Starkregenfälle dafür verantwortlich ist", so Heyna.
Und die Großharrier? Die wurden in diesem Jahr auch hinsichtlich des Nachwuchses enttäuscht. Denn ihr neues unzufriedenes Storchenpaar scheint ihnen keinen Nachwuchs zu schenken. Mit der Brut tut sich das Pärchen ohnehin seit Jahren schwer. Bereits 2005 versuchte das durch seine auffällige Doppelberingung bekannte Männchen, mit einer Partnerin auf dem Golfplatz in Krogaspe zusammengetragene Golfbälle auszubrüten. Ein untergeschobenes Ei brachte dem von den Golfplatzbetreibern scherzhaft "Harold and Maut" genannten Storchenpaar damals doch noch spätes Elternglück. Der geschlüpfte Jungstorch namens "Steven" wurde nach seinem Ausfliegen allerdings nur noch einmal an seiner Ringnummer wiederentdeckt.
Danach verliert sich die Spur des Jungvogels. Sein Vater "Harold" blieb jedoch weiterhin mit einer Partnerin als Unruhestifter in der Region: So nahm er sich seit 2007 nicht nur das Nest in Großharrie vor. Auch in Kleinharrie wurde ein erfolgreich brütendes Storchenpaar rasch verscheucht. Es floh nach Fiefharrie. Das alte Nest ist seitdem verwaist.

"Die beiden Vögel sorgen jetzt in Fiefharrie für Unruhe"

Alle Versuche der Großharrier, die Unruhestifter auf ihrem Nest auf dem Dorfplatz zu besänftigen, schlugen in den vergangenen Jahren fehl. Das Zufüttern in den kalten Märzwochen half ebenso wenig, wie das untergeschobene Ei aus dem Wildpark Eekholt. Das Ei wurde von den beiden zwar bebrütet, es schlüpfte aber leider kein Jungvogel. Damit schwindet auch die Hoffnung von Landwirt Carsten Röpke, dass die Störche sich durch eigenen Nachwuchs vielleicht beruhigen lassen.
Stattdessen treiben beide weiter ihr Unwesen in der näheren Umgebung. "Die beiden Vögel sorgen jetzt in Fiefharrie für Unruhe", berichtete Landwirt und Jäger Arndt Willrodt, auf dessen Hof das ursprünglich in Kleinharrie beheimatete Storchenpaar eine neue Heimat fand. Einziger Lichtblick: Trotz der Störattacken fand Jörg Heyna auch in Fiefharrie zwei gesunde Jungvögel und konnte sie beringen.
Ebenso erfolgreich zieht derzeit das Bönebütteler Paar auf dem Hof von Timm Kruse zwei Junge groß. Bereits Mitte März hatte sich hier das Männchen eingefunden. Erst vier Wochen später klapperte auch ein Weibchen auf dem Nest. Trotzdem der Verspätung stellte sich gesunder Nachwuchs ein. "Richtig spannende Geschichten sind das", meinte Dachdecker Frank Voß, der mit der großen Lkw-Hubbühne von Dachdeckerei Jürgens aus Neumünster angerückt war, um die Beringung der Jungen zu ermöglichen. "Ohne den Einsatz der Landwirte, Jäger und Betriebe wäre es um den Storchenschutz deutlich schlechter bestellt", sagte Jörg Heyna und freute sich über die tatkräftige Unterstützung.

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