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Süderlügum : Stark - aber doch häufig unterlegen

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Die seltene Kerbameise hat in den Süderlügumer Binnendünen ein ideales Zuhause gefunden.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2013 | 06:35 Uhr

Süderlügum | Im Naturschutzgebiet Süderlügumer Binnendünen fühlt sie sich so wohl, wie sonst nirgends: Die seltene Kerbameise (Formica forsslundi). Mit über 400 Nestern hat sie hier nicht nur das größte Vorkommen weltweit, sondern kommt zudem in einer außergewöhnlich hohen Konzentration vor. Außerhalb der Binnendünen wurde sie auch in den Nachbargebieten um Süderlügum, in Bayern sowie Dänemark und den nördlicheren Bereichen Skandinaviens bis hin zur Mongolei gefunden. Dort allerdings jeweils nur mit wenigen Nestern.
Warum sich das kleine Insekt, das eigentlich eine Moorameise ist, gerade in den trockenen Binnendünen so wohl fühlt, erklärt Biologe Dr. Uwe Sörensen. Für die Kerbameisen sei zum einen vor allem ein großer Abstand zu den meisten anderen Ameisenarten, vor allem aber der größeren Waldameisen, wichtig. Während in einem Nest der Kerbameise etwa 2000 Insekten leben, tummeln sich bei den Waldameisen zwischen 500.000 bis zu einer Million Tiere in einem Nest. "Die Kerbameisen haben sehr starke Kiefer und sind sehr kämpferisch, aber gegen diese Überzahl von Feinden haben sie keinerlei Chance", sagt Dr. Uwe Sörensen. Der Druck von anderen Ameisen ist bei kleinen Gebieten zu groß, so dass sich die Kerbameise dort nicht durchsetzen kann.

Uralameisen fühlen sich in Binnendünen auch wohl

Doch nicht nur eine bestimmte Entfernung zu Feinden, auch die Nähe einer gewissen anderen Ameisenart, der Formica picea, braucht die Kerbameise, denn sie benötigt diese Art zur Stammgründung. Die Königinnen-Ameise sucht dabei das Lager der anderen Art auf, versucht dort in die Königinnenkammer einzudringen und die gegnerische Königin zu töten. Die Arbeiterinnen der alten Königin sterben dann langsam aus, während die neue Königin die Brut als Sozialparasiten pflegt.
Auch das Angebot der Nahrung scheint in den Binnendünen reichhaltig zu sein. Die Insekten ernähren sich zum Teil räuberisch und zum anderen von Saft, der von Wurzelläusen abgesondert wird. Neben der Kerbameise fühlt sich auch die Uralameise (Formica uralensis) in den Binnendünen wohl, die hier mit 40 Nestern ansässig ist. Auch von dieser Ameisenart gibt es nur wenige bekannte Vorkommen.

Kerbameise deutlich überlegen

An 23 Standorten wurden sie in Deutschland gesichtet, davon zehn in Schleswig-Holstein. Im Gegensatz zu der Kerbameise verträgt die Uralameise gut Kälte und wird schon bei geringeren Temperaturen aktiv. Mit etwa 10.000 Tieren in einem Volk ist sie der Kerbameise deutlich überlegen, dennoch kommen sich die beiden Arten in Süderlügum kaum in die Quere.
Dr. Uwe Sörensen weiß viel über die Tierchen zu berichten, doch der Biologe beschäftigt sich nicht nur als Hobby mit den gefährdeten Ameisenarten. Er ist zudem dabei, für Schleswig-Holstein einen Verbreitungsatlas und eine neue Rote Liste der Ameisen für das Landesamt für Naturschutz zu erstellen.
Interessierte, die in der Region Funde machen, können diese mit Angabe des Fundortes und -datums sowie ihrer E-Mail-Adresse an das Naturkundemuseum (Hauptstr. 108. 25899 Niebüll, Homepage) schicken. Sie erhalten nach der Bestimmung eine Rückmeldung.

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