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Luchse : Samtpfoten mit Pinselohren

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Ein schneller Sprint, ein gezielter Biss - schon hat er seine Beute erlegt. Im Harz haben sich wieder Luchse angesiedelt. 44 Junge sind dort schon zur Welt gekommen.

Nationalpark Harz. Eine wilde Landschaft, vor allem hier, bei den tief verschneiten Rabenklippen. Im Luchsgehege ragen zwischen schroffen Felsblöcken die Wurzelteller umgestürzter Fichten aus dem Hang. Tote Äste und Stämme bilden am Boden ein undurchdringliches Gewirr - wie gemacht als Versteck für die scheuen Tiere. Im schneebedeckten Laub zeigen sich zaghaft zwei Pinselohren. Und dann wagt sich Attila ins Freie. Aus nur wenigen Metern Entfernung hat der Luchs die Menschen beobachtet - ihn jedoch hat niemand entdeckt.

Auch in freier Natur leben im Harz wieder Luchse. Anfangs hatten die Menschen Angst vor den großen Katzen. "Etwa 14 ausgewilderte Tiere sind in den Wäldern unterwegs. Aber wer in freier Wildbahn einen Luchs zu Gesicht bekommt, ist ein Glückspilz", versichert Ralf Vojtisek. Der Forstwirt betreut das Schaugehege im Nationalpark. Hier will man den Menschen die gefleckten Leisetreter näher bringen. Mit Erfolg. Inzwischen weiß jeder: Von den heimlichen Räubern droht keine Gefahr.
Hoffnung auf Luchs-Babys
Im Gehege an den Rabenklippen wohnen neben dem 14-jährigen Attila und seiner Gefährtin Bella auch zwei jüngere Luchse. Sie sollen im nächsten Jahr für Nachwuchs sorgen. Tamino, das Männchen, hat mit seiner Luchsdame die Paarung schon fleißig geübt. Bisher jedoch ohne Erfolg. Ralf Vojtisek kennt den Grund: "Tamino macht noch einen entscheidenden Fehler: Er trifft nicht, zielt immer zu hoch." In der nächsten Ranzzeit jedoch, so hofft der Forstwirt, wird der Jüngling wissen, wies geht: Mit 36 Monaten werden Luchse geschlechtsreif.
In freier Wildbahn wurden im Harz bisher etwa 44 Junge geboren. Die Harzluchse sind reiselustig. Bis zu 40.000 Hektar umfasst ihr Streifgebiet, und manche wandern ab ins umliegende Land. Selbst bei Göttingen wurde eine der Katzen gesichtet. Rehe und Hirsche, in tieferen Lagen auch Hasen und Kaninchen, müssen auf der Hut sein. Die Pinselohren lauern im Hinterhalt. Nach einem kurzen, bis zu 70 Stundenkilometer schnellen Sprint springen sie die Beute an und töten sie mit einem gezielten Biss in die Kehle.
Attila spart sich den Jagdstress. Er lässt sich lieber bedienen. Als Ralf Vojtisek eine Hirschkeule durch die Luke schiebt, reißt ihm der Luchs das Festmahl mit einem blitzschnellen Prankenhieb aus den Händen. Ein Schmusekater ist der Bursche nicht. Auch sein grimmiges Knurren spricht Bände: Das ist meine Ration, ich teile nicht.
Wanderung zum Luchs-Berg

Luchs-Schaugehege Rabenklippe: Ab Bad-Harzburg: Wanderweg (ca. 5 km). Seilbahn auf den Burgberg, ab dort Wanderweg (ca. 5 km) ohne Steigungen. Erdgas-Bus 875: 1.4. bis 15.11.
Fütterungen: Mi und Sa, 16.11. bis 31.3. um 14 Uhr, 1.4. bis 15.11. um 15.20 Uhr


Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) gehört zur Familie der Katzen und ist nach Bär und Wolf das größte Raubtier Europas. Luchse werden 120 Zentimeter lang und erreichen ein Gewicht von 38 Kilogramm. Seine Beute jagt der Luchs meist in der Dämmerung und nachts. 200 Jahre nach ihrer Ausrottung im Harz werden die Raubkatzen dort jetzt erfolgreich wieder eingebürgert.
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erstellt am 04.Mai.2009 | 01:55 Uhr

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