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Raus aus dem Glas: Goldfische brauchen Platz zum Wohlfühlen

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Otterndorf (dpa/tmn) - Ein Glas, gefüllt mit Wasser und Pflanze: Etwas mehr sollten Halter schon aufbringen, um einen Goldfisch glücklich zu machen. Am besten gönnen sie ihm ein großes Aquarium. Darin hat der Fisch genügend Platz zum Schwimmen und Grünzeug zum Fressen.

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erstellt am 29.Mai.2013 | 11:33 Uhr

Otterndorf (dpa/tmn) - Ein Glas, gefüllt mit Wasser und Pflanze: Etwas mehr sollten Halter schon aufbringen, um einen Goldfisch glücklich zu machen. Am besten gönnen sie ihm ein großes Aquarium. Darin hat der Fisch genügend Platz zum Schwimmen und Grünzeug zum Fressen.

Er schwimmt munter im Kreis, schickt ab und zu eine Luftblase zur Wasseroberfläche und glotzt neugierig durch die Glasscheibe. Solch ein Bild haben die meisten vom Goldfisch. «Tatsächlich sind Goldfischgläser Tierquälerei. Sie sind viel zu klein für einen Fisch, der bis zu 20 Zentimeter lang wird», sagt Florian Grabsch vom Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde. Durch das ungünstige Verhältnis von Oberfläche zu Inhalt sei außerdem nicht genug Sauerstoff im Wasser. Zusätzlich stört die runde Beckenform den Orientierungssinn der Tiere.

Das Goldfischglas sollten Fischbesitzer also ausrangieren. «Goldfische sind schon robuster als die meisten anderen Zierfischarten», sagt Henner Neuhaus, Tierarzt für Fische in Otterndorf. Das bedeute aber nicht, dass man sie nur in ein Gefäß mit Wasser setzen und füttern muss.

Zum Wohlfühlen brauchen die Fische in erster Linie ein ausreichend großes Aquarium. Damit die Tiere ihren Bewegungsdrang ausleben können, sollte es mindestens einen Meter lang sein und ein Volumen von 20 bis 50 Litern pro Fisch haben. «Das Wasser, mit dem man es befüllt, kann aus der Leitung sein, da Goldfische keine speziellen Wasserwerte brauchen», sagt Grabsch. Wichtig sei nur, das Becken am besten schon vier bis sechs Wochen vor dem Einsetzen der Fische zu befüllen. In diesem Zeitraum bilden sich Bakterien, die die Tiere benötigen. Ist das Füllwasser gechlort, muss es mit einem Mittel aus dem Zoohandel aufbereitet werden.

Damit die Wasserqualität gut bleibt, sollte das Aquarium mit einem auf die Beckengröße abgestimmten Filter ausgestattet werden. Er reinigt das Wasser mechanisch und biologisch. «Da es ständig vom Futter und den Ausscheidungen der Tiere verschmutzt wird, ist es sonst schnell voll von schädlichen Bakterien oder giftigem Ammoniak und Nitrit», erklärt Sandra Lechleiter, Tierärztin aus Neuenbürg. Sobald der Wasserdurchfluss nachlässt, arbeitet der Filter nicht mehr optimal und sollte gereinigt werden. Am besten machen Halter das nicht unter dem Wasserhahn, sondern nur im Aquarienwasser. Dadurch bleiben die im Filter enthaltenen Bakterien erhalten und werden nicht weggespült.

Neben der Filterung muss ein Teil des Wassers regelmäßig ausgewechselt werden: Experten empfehlen 10 bis 30 Prozent alle ein bis drei Wochen auszutauschen. Außerdem sollten die Aquariumscheiben einmal wöchentlich mit einem Reinigungsmagneten gesäubert werden. Ab und an muss das Becken komplett gereinigt werden. «Dabei befreit man unter anderem den Bodengrund von Mulm - also von Abfallstoffen, wie Fischkot und Futterresten - und entfernt alte Pflanzenreste», erklärt Neuhaus.

Keinerlei Ansprüche stellen Goldfische in Sachen Wassertemperatur: «Das Aquarium muss nicht geheizt werden, da sie sich bei 16 bis 22 Grad wohlfühlen», erklärt Jochen Weins von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. Solange das Zimmer, in dem das Aquarium steht, nicht ungewöhnlich kalt ist, muss der Goldfischhalter also keine Heizung anschaffen.

Bei der Einrichtung des Aquariums sollten einige Eigenheiten des Goldfisches beachtet werden. «Etwa, dass er ein lebhafter Fisch ist, der ausreichend freie Schwimm- und Bodenfläche braucht», sagt Weins. Am besten statten Halter das Becken mit Wurzeln, Wasserpflanzen, Steinen, Laub und einem dicken Boden aus feinem Kies oder Sand aus, da die Tiere gerne gründeln. Das Grünzeug sorgt nebenbei für Beschäftigung: «Goldfische suchen und knabbern nämlich gerne an Pflanzenteilen herum», sagt Neuhaus.

Da Goldfische die Pflanzen nicht nur anknabbern, sondern auch fressen, braucht es einen ausgeklügelten Mix: Auf der einen Seite robuste Gewächse, wie Sumpfschrauben, die nicht oder kaum gefressen werden und auf der anderen schnellwüchsige Leckerbissen wie Wasserpest. So kann man sichergehen, dass das Becken nicht kahlgefressen wird.

Zusätzlich zur Selbstbedienung sollten Goldfische handelsübliches Fischfutter bekommen. Ideal ist ein Mix von Trockenflocken oder -pellets und Lebendfutter, wie gefrorenen Mückenlarven. Außerdem fressen Goldfische gerne Salat und Chinakohl. Bei der Futtermenge ist weniger mehr - sonst verfetten die Tiere, da sie kein Sättigungsgefühl empfinden. «Ich würde zweimal am Tag eine kleine Menge geben und einen Diättag pro Woche einplanen», rät Tierärztin Lechleiter.

Wer all diese Regeln berücksichtigt, hat lange Freude an den Tieren: Goldfische können über 20 Jahre alt werden.

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