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Gänse-Management gefragt : Nonnengänse werden zur Plage

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Jäger und Bauern rufen nach Strategie zur Bestandskontrolle. Die Landesregierung bereitet den Plan zum Management vor.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2013 | 05:43 Uhr

Westerhever | Er ist eigentlich das Symbol für Küsten-Idylle schlechthin: der Leuchtturm von Westerhever. Doch in der Postkarten-Landschaft gärt es. Die Nonnengänse haben Saison. Bis zu 60.000 Exemplare, so schätzt der Landesjagdverband, machen auf der Halbinsel Eiderstedt auf gerade mal 500 Hektar im April und Mai Rast. Mehrere Tage frisst sich dort jedes Tier auf seinem Zug von Spanien nach Sibirien satt - und hinterlässt kahle und verkotete Wiesen. "Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer", klagt Karsten Alberts. Der Bauer aus Westerhever schätzt, dass ihn die ungebetenen Gäste pro Hektar 1000 Euro kosten, weil er dadurch weniger Grünfutter- und Getreideaufwuchs hat, das Vieh erst später auf die Weide treiben kann und Futter zukaufen muss.
Bauern und Jäger sind sich einig: Es müsse etwas passieren. "Wir wollen die Nonnengänse keineswegs ausrotten", stellt der Vize-Präsident des Landesjagdverbands, Hans-Werner Blöcker, klar. "Aber wir möchten eine Population, die für alle erträglich ist." Er verweist auf das Beispiel Wildschweine: Dessen Bestände überlasse man auch nicht grenzenlos sich selbst. So fordert Blöcker auch für die Nonnengänse eine Strategie zur Bestandskontrolle. Er wirbt für ein Bündnis mit Politik, Behörden, Landwirten und Naturschützern. Nicht zuletzt auch die Wiesenvögel sieht der Jäger in Gefahr: Diese fänden auf den kahlen Flächen keine Deckung mehr vor Füchsen. Und sie kämen wegen der Gänse erst spät mit der ersten Brut in Gang. Blöcker: "Wir Jäger alleine werden das Problem nicht lösen können - bei den Zahlen allemal nicht mit der Flinte."

Landwirte und Jäger auf Vergrämung des Nahrungsangebots


Landesjagdverbands-Geschäftsführer Andreas Schober weist darauf hin, dass Eiderstedt zwar der größte "Hotspot" der Nonnengänse sei - dass es die Problematik aber grundsätzlich von der dänischen Grenze bis zur Elbmündung gebe. Hans Friedrichsen, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Husum-Eiderstedt, hat beobachtet: Nördlich von Husum hätten die -vor 50 Jahren noch vom Aussterben bedrohten - Gänse ihre Raststätte schon sieben Kilometer ins Landesinnere ausgedehnt. Sie würden die Grasnarbe so kurz fressen, dass die Reservestoffe für einen vitalen Wiederauftrieb verschwänden.
Landwirte und Jäger setzen darauf, das Nahrungsangebot etwa durch Vergrämung zu verknappen. In Dänemark seien Erfolge mit Feldhütern erzielt worden - Wächtern, die die Vögel mit Schreckschusswaffen und Pyrotechnik aufscheuchen. Um die landwirtschaftlichen Flächen zu entlasten, fordern Jäger und Bauern, das Deichvorland als Fraßland für die Gänse attraktiv zu machen. Das würde dort ein Stutzen des Grases voraussetzen - derzeit auf Grund des Nationalparkstatus verboten. "Ist das Gras so hoch wie jetzt, meiden es die Gänse, weil sie den Fuchs fürchten", schildert Bauer Alberts. Sträube sich die Politik, verlangt der Jäger-Vize: "Wenn der Staat will, dass die Gänse hier sind, muss er die Landwirte problemlos entschädigen."
"Der Gänsefraß ist tatsächlich ein Problem", sagt Nicola Kabel, Sprecherin des Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft. "Um dem zu begegnen, erarbeiten wir derzeit ein Gesamtkonzept zum Gänse-Management". Dazu gehöre, die Rast- und Nahrungsgebiete in den Naturschutzkögen zu verbessern, damit die Gänse etwas zu fressen finden. Dies könne durch eine Beweidung mit Rindern, eine Erhöhung der Viehbesätze oder eine Nachmahd geschehen. Auch der Vertragsnaturschutz, bei dem Landwirte die Gänse dulden und dafür Leistungen erhalten, spiele eine wichtige Rolle. In besonders gravierenden Einzelfällen könnten für Schäfer vorübergehend öffentliche Flächen bereitgestellt werden. Zum Vergrämen kämen durchaus auch Gasknallkanonen in Betracht. Entschädigungszahlungen dürfe das Land nicht gewähren. Sie würden laut EU-Wettbewerbsrecht unerlaubte Subventionen darstellen.
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