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Schleswig : Mückenschwärme größer denn je

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An der Schlei ist eines zu beobachten: Es werden immer mehr Mücken. Ein Ende der Belastung durch Zuckmücken in etwa 14 Tagen zu erwarten.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 01:01 Uhr

Schleswig | Weiße Hauswände ähneln dieser Tage nicht selten Stracciatella-Eis, schwarze Pünktchen vor der Linse verderben Urlaubsfotos und ein vibrierendes Summen liegt in der Luft - große Mückenschwärme machen sich seit Anfang letzter Woche an den Ufern der Schlei breit. Dieses alljährliche Spektakel nimmt aktuell aber besondere Ausmaße an: "So schlimm wie jetzt war es noch nie", sagt Helmut Utermann, Anwohner des Holms, über die Massen an Zuckmücken, oder Grasmücken, wie er sie nennt. Rund um den Holmer Friedhof sieht man sie zu Tausenden an den Hausfassaden, in Bäumen und Büschen. Insektenschutzgitter sind dort an jedem Fenster nötig.
Diese Ausstattung nennt Hark Herrfurth, technischer Direktor beim Schädlingsbekämpfer Hartmann Chemie, "präventive Mittel". Anders könne man gegen Mücken auch nicht vorgehen, sagt er, schließlich sei im Außenbereich wenig machbar, wo die Mücken in Ufernähe oder in der obersten Wasserschicht von Bächen, Teichen oder der Schlei ihre Eier ablegen. Selbst Regentonnen oder Vogeltränken seien hierfür schon ausreichend. Einziges Mittel der Wahl seien deshalb Insektenschutzgitter, die nach Einschätzung von Herrfurth, etwa zwischen 160 und 300 Euro pro Fenster kosten.
Wer sein Auto bestmöglich vor bleibenden Schönheitsschäden durch die Mücken schützen möchte, zahlt 149 Euro. Dafür wird der Pkw im Schleswiger Fahrzeugpflegezentrum von Rein poliert und mit Hartwachs versiegelt. "Das ist zwar keine Garantie", sagt Inhaber Andy Janke, "aber eine Schutzschicht". So könne verhindert werden, dass die Mücken in den Lack eingebrannt werden. Der Lack von dunklen Fahrzeugen, zum Beisipel in schwarz, blau, grün oder dunkelgrau, erhitze sich in der Sonne auf bis zu 80 Grad, so Janke. In vier bis acht Stunden entstünden bei solchen Temperaturen Einbrände, die nicht mehr herauspoliert werden könnten. Für Scheiben und Scheinwerfer stellen die Mücken jedoch keine Probleme dar. Falls der Scheibenwischer nicht ausreicht, empfiehlt der Fachmann einen Insektenschwamm, der im Handel für etwa 3,50 Euro erhältlich ist. Jankes persönlicher Einschätzung nach, ist die Mückenbelastung allerdings noch nicht sehr groß.

Den Feinden Lebensräume bieten


"Das wird wohl noch mehr", prophezeit er, sagt aber auch, dass es von Jahr zu Jahr schlimmer werde. Auch Nabu-Vorsitzender Hans-Jürgen Boeck spricht von einer starken Zunahme in den letzten Jahren. Dies läge am Nährstoffreichtum der Schlei und am zunehmenden Fehlen von natürlichen Feinden in der Nahrungskette. "Wenn sich Leute durch die Mücken eingeschränkt fühlen, müssen sie deren Feinden Lebensräume bieten. Dann brauchen wir Spinnennetze, Schwalbennester und andere Brutmöglichkeiten, zum Beispiel in Sträuchern und Bäumen", so Boeck. Er betont aber auch die Wichtigkeit der Zuckmücken im Ökosystem an der Schlei. Sie seien jetzt in der Brutsaison "die perfekte Nahrung für Vogelarten von der Blaumeise bis zur Sturmmöwe" und ohne ihre Larven im Gewässer könne die Schleifischerei gar nicht existieren, bilden sie doch die Lebensgrundlage für die Fische.
Selbst rein optisch weiß Boeck die Mücken zu schätzen: "Das ist ein atemberaubendes Schauspiel, wenn sich an warmen Tagen abends an der Schlei ganze Tornados an Zuckmücken bilden."Zwei weitere gute Aspekte haben die Zuckmücken an sich: "Wir wissen ja, dass die nicht stechen, deshalb sind sie nur lästig", sagt der Holm-Anwohner. Außerdem seien sie ja schnell wieder weg: "In 14 Tagen bis drei Wochen verschwinden sie plötzlich." Dann bleibt zumindest bis zum August Ruhe. Bis die Stechmücken kommen.
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