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Tiere : Mit Papagei zum Einkaufen - Ein Ara als Hundeersatz

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Daisy läuft an der Leine, begleitet seine Besitzer beim Radfahren und Einkaufen und ist auch sonst immer dabei, wenn ein Ausflug angesagt ist. Daisy ist ein exotischer Vogel - in doppelter Hinsicht.

Artig sitzt Daisy auf der Stange des Einkaufswagens, flattert kurz mit den Flügeln und widmet sich dann intensiv den Nüssen. Ein Blick, ein Schnapp - geschickt hantiert der 14 Jahre alte Ara mit der Erdnuss, bis die Schalen zu Boden fallen und der Leckerbissen der Marke «Premium» im Schlund des Papageis verschwindet. «Daisy darf sich immer aussuchen, welches Futter sie möchte», sagt Hilde Gottschall, die Besitzerin des bunten Vogels aus Sömmerda. Ihr Ara darf überall hin mit, sei es nun zum Einkaufen, auf eine Radtour oder mit dem Auto in ein Ausflugsrestaurant.

Hilde und Lothar Gottschalls Liebe zu ihrem Federvieh ist tatsächlich groß. Das gelbe Kleidchen ist von Hand gehäkelt, genau wie die Leine, mit der Daisy am Einkaufswagen festgebunden ist. Die Verkäuferinnen stören sich längst nicht mehr an Daisy und lassen sie gewähren. Der in doppelter Hinsicht exotische Vogel läuft auch schonmal an der Leine bei Fuß, wenn auch nur kurze Strecken. Dann sind vor allem Kinder begeistert. Die Annäherungsversuche eines kleinen Mädchens vor dem Laden unterbindet Hilde Gottschall trotzdem lieber - ein Ara kann schon mal zuhacken.

Daisy ist mittlerweile eine kleine Berühmtheit. Dabei ist die Ara-Dame nicht der einzige Haustier-Exot in Deutschland, der sich wie ein Hund benimmt. 2003 machte etwa Oskar Schlagzeilen, ein Hängebauchschwein, das regelmäßig in der Fußgängerzone von Neckarsulm in Baden-Württemberg spazieren ging. Und in Zinnowitz auf der Insel Usedom hielt eine Hotelbesitzerin jahrelang eine von ihren Gästen als Glücksschwein geliebte Minisau namens Lilly.

Tierschützer sehen die Einzelhaltung von Vögeln kritisch. Papageien müssten ihrer Art entsprechend klettern und Flügelschläge machen können, sagt eine Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. Auch seien sie soziale Tiere, die mit einem Partner oder in einem Verband lebten. T-Shirts, Mäntel oder Pullover für gesunde Tiere lehnt sie ebenfalls ab. Auch der Verhaltens-Biologie und Direktor des Zooparks Erfurt, Thomas Kölpin, ist nicht ganz glücklich mit Papagei Daisy. Zwar leide das Tier nicht und werde sich wohl daran gewöhnt haben, mit ihren Besitzern auszugehen. Doch seien Vögel sehr empfindlich bei Zugluft. Außerdem seien eine geräumige Voliere und möglichst auch ein Partner artgerecht. Statt eines zweiten Vogels könnten dies allerdings auch die Besitzer sein, räumt er ein.

Tatsächlich begann die Liaison zwischen Daisy und Hilde Gottschall holprig. Beide gewöhnten sich erst mit der Zeit aneinander. Ihr Mann habe den Vogel vor elf Jahren angeschleppt, sagt Gottschall. Schnell habe sich bei ihr eine Allergie entwickelt, der Ara immer häufiger gebissen, bis sie schließlich eine Anzeige aufgab und Daisy verkaufen wollte. Ihr Mann Lothar vereitelte den Plan - und inzwischen mag sich Hilde Gottschall ein Leben ohne den Ara nicht mehr vorstellen. «Sie ist ein Schatz», sagt sie heute enthusiastisch.

Seitdem sind Daisy und die Gottschalls unzertrennlich. Der Ara lebt mit den beiden Rentnern in einem Mehrfamilienhaus in Sömmerda. Das ehemalige Kinderzimmer der Gottschalls teilt sie sich mit den Graupapageien Tini und Alf.

Sprechen und singen könne Daisy auch, sagt ihre Besitzerin. «Ich bin ein Ara», habe sie schnell gelernt. Dann seien erste Melodien, dazugekommen. Fangen Alf und Tini aber an zu singen, bitte Daisy: «Ruhe jetzt! Sonst ist was los!». Das habe sie bestimmt früher bei ihren Kindern immer gesagt, vermutet Hilde Gottschall. So sei das eben mit Aras. «Papageien vergessen nie. Die sind wie Elefanten.»

Tierschutzbund zu Exotenhaltung

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erstellt am 27.Aug.2013 | 15:16 Uhr

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