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Stechmücken : Mini-Vampire auf Tour

vom

Im Sommer können sie uns den letzten Nerv rauben und für schlaflose Nächte sorgen. Über 100 verschiedene Arten der

unbliebten Stechmücke gibt es in Europa.

Seeadler, Kraniche und Gänse - die Kamera-Pirsch im Müritz-Nationalpark war wieder mal spannend. Jetzt, gegen Abend, habe ich in meinem Fahrzeug am Rand eines sumpfigen Waldes mein Nachtlager bezogen. Ein Gewitter kündigt sich an, die Luft ist feucht und warm. Nachtigallen schmettern ihr Lied, und das Froschkonzert nimmt kein Ende. Amazonas-Feeling in Mecklenburg-Vorpommern.
Ein feines Sirren dringt an mein Ohr: Stechmücken. Mit Einbruch der Dämmerung werden die lästigen Blutsauger aktiv. Was solls, denke ich mir, das gehört dazu. Aber bald hat der Spaß ein Ende. Hunderte, Tausende der kleinen Plagegeister fallen über mich her, und bald jucken die ersten Stiche. Es reicht - genervt flüchte ich mich hinter das Moskitonetz.
Überall dort, wo die Natur am üppigsten ist, sind die Mini-Vampire zu Hause. Auwälder, Erlenbrüche oder Moore und Sümpfe bieten ihnen optimale Voraussetzungen, um sich massenhaft zu vermehren. An die 300 Eier legt ein befruchtetes Weibchen, die, zu einem unsinkbaren "Minifloß" zusammengeklebt, über das Gewässer dümpeln.

Nach der Paarung ein Vampir

Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven. Sie hängen knapp unter der Wasseroberfläche und atmen durch eine Art Schnorchel am hinteren Körperende. Aus der Larve entsteht nach mehrmaliger Häutung die sogenannte Puppe. Etwa am 20. Tag nach der Eiablage sprengt die fertige Mücke die Puppenhülle und beginnt ihr Leben als geflügeltes Insekt. Die Stechmücken, die dann zu Tausenden schwärmen, sind überwiegend Männchen - zu erkennen an den stark behaarten, buschigen Fühlern. Sie leben rein vegetarisch und ernähren sich von Nektar und Pflanzensäften.
Nähert sich ein Weibchen dem Schwarm, dann sind die Männchen von ihrem tieferen Summton elektrisiert. Sie stürzen sich auf sie und taumeln mit ihr zu Boden. Erst nach der Paarung wird die weibliche Mücke zum Vampir: Um Eier legen zu können, benötigt sie Blut. Und das gibt es gratis: Von Säugetieren, Vögeln - und leider auch von uns Menschen.

Mücken mögen Käsefüße

Etliche Mücken haben es in mein Auto geschafft. Draußen, am Moskitonetz, stochern noch Hunderte mit ihren Stechborsten neidisch ins Leere. Wie können sie wissen, dass hinter dem Netz ein veritabler Blutspender sitzt? Es ist meine Körperwärme, die sie mit ihren Sensoren erfühlen, das Kohlendioxid, das ich ausatme - und mein Körpergeruch. Vor allem die Füße: Mücken stehen auf Fußschweiß. Bei dessen Zersetzung entstehen Ammonium und Buttersäure. Beides empfinden wir Menschen als eher undelikat. Auf Mücken jedoch wirkt der Geruch, selbst in geringster Konzentration, äußerst anziehend. Einige Tüftler hofften, das für den Bau eines Mückenvernichters zu nutzen: Er soll den Duft stinkender Socken verströmen und die angelockten Insekten töten.
Ein Verkaufshit? Eher nicht. Wer will sich schon so was ins Schlafzimmer hängen? Eine Mücke landet auf meinem Arm. Mit der Lupe schaue ich zu. Ein paar Sekunden lang tastet das Insekt mit seinem Stechapparat über die Haut. Als die feinen Stechborsten schließlich eindringen, kann ich das kaum spüren. Was dann geschieht, lässt sich nur erahnen: Durch einen Kanal injiziert die Mücke etwas Speichel in die winzige Wunde. Durch ihn wird die Gerinnung des Bluts verhindert. Er ist es auch, der den Juckreiz verursacht. Ein paar Sekunden lang saugt die Mücke mein Blut. Mehr als das Doppelte ihres Gewichts nimmt sie dabei auf.
Als sie endlich abfliegt, setzt langsam der Juckreiz ein. Draußen ist es inzwischen dunkel geworden. Im Schlafsack lausche ich den Geräuschen der Nacht. In der Ferne grollt das nahende Gewitter, und ums Auto summt das Heer der Mücken. Irgendwie gehören sie doch dazu - zumindest, solange das Netz dicht hält.

Stechmücken (Culicidae)

Weltweit circa 3500 Arten, davon 104 Arten in Europa.
Je nach Art bis 15 mm große Zweiflügler (Dipteren), teilweise Verwechslungsmöglichkeit mit anderen, nicht stechenden Zweiflüglern, z.B. Zuckmücken (Chironomidae), Büschelmücken (Chaoboridae) und Schnaken (Tipulidae).

Stechmücken-Bekämpfung:

In Afrika werden Mücken zur Abwehr der Malaria bekämpft.
In Deutschland werden vor allem in den Rheinauen zwischen Bingen und dem Kaiserstuhl Stechmücken zeitweise zur Plage und werden deshalb bekämpft. Ursprünglich wurden dabei Chemikalien eingesetzt, heute wird vor allem ein natürlicher Krankheitserreger von Stechmücken (Bacillus thuringiensis) verwendet:

Überträger von Krankheiten.

Stechmücken können, vor allem in den Tropen, verschiedene gefährliche Krankheiten übertragen, indem sie die Erreger mit dem Blut aufnehmen und bei einem späteren Stich mit ihrem Speichel wieder injizieren.

Malaria: Fiebermücke (Anopheles)
Gelbfieber: Gelbfiebermücke (Aedes aegyptii)
Dengue-Fieber: Tigermücke (Stegomyia albopicta)
West-Nil-Fieber: Gemeine Stechmücke (Culex pipiens)

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erstellt am 14.Jun.2013 | 04:14 Uhr

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