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Rettungshunde : Lebensretter auf vier Pfoten

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In der Rettungshundestaffel Holstein werden Hunde dazu ausgebildet, vermisste oder verschüttete Personen aufzuspüren. Mit ihren Betreuern trainieren sie für den Ernstfall.

Puls | Während der vier Monate alte schwarze Labrador Dave immer wieder mit seiner kalten Schnauze die Hand von Diana Bestling anstupst, durchforstet Pino konzentriert das eingeschneite Waldstück an der Pulser Kiesgrube. Mit gesenkter Nase springt er über Äste, Zweige und durch das dornige Gebüsch. Schnell hat er die Witterung der vermissten Person aufgenommen. Als sein lautes Bellen durch den Wald schallt, ist Hundeführerin und Ausbildern Martina Umlandt klar, dass er fündig geworden ist - und damit seine Aufgabe als Rettungshund mit Bravour gemeistert hat. Der Schäferhund ist wie sein Frauchen Mitglied der Rettungshundestaffel Holstein e.V. im Bundesverband Rettungshunde.

Glücklicherweise handelt es sich bei der Aktion nur um einen Teil des Trainings für die im Mai stattfindenden Prüfung. Die derzeit rund 50 aktiven Mitglieder der Hundestaffel trainieren regelmäßig mit ihren Vierbeinern in den umliegenden Waldgebieten oder auf ihrem großen Übungsgelände in Wapelfeld für den Ernstfall. "Unsere Hunde werden für die Suche nach vermissten Personen in unübersichtlichem Gelände sowie nach Opfern bei Schadensereignissen eingesetzt", sagt Martina Umlandt. Das können psychisch kranke, suizidgefährdete oder ältere hilflose Personen sein. Der Hund nimmt dabei ganz allgemein die menschliche Witterung aus der Luft auf und versucht dann, die Quelle zu lokalisieren.

Für die erfolgreiche Suche gibt es eine Belohnung

Zum Einsatz kommen die Spürnasen immer dort, wo Menschen an ihre Grenzen stoßen, zum Beispiel durch schlechte Wetterverhältnisse, Dunkelheit oder unwegsames Gelände. Voraussetzung für die bis zu zweieinhalb Jahre dauernde Ausbildung zum Rettungshund, mit der bereits im Welpenalter begonnen werden kann: Lauffreudigkeit, gesundes Rudelverhalten und ein gutes Verhältnis zum Menschen. Besonders wichtig sei auch das Vertrauen zwischen Herrchen und Hund, da es die Grundlage der Rettungshundearbeit bilde. Und das wird deutlich, wenn man Anita Prause mit ihrem zwölf Jahre alten Collie Kolja beobachtet. Die beiden wirken vertraut und wie ein eingespieltes Team.

Dennoch wird schnell klar, wer die Chefin ist. "Das ist auch nötig, weil wir anspruchsvolle Aufgaben zu erfüllen haben", sagen die Hundeführer, die sich während des Trainings an der Kiesgrube in drei Gruppen aufteilen. "Innerhalb von 20 Minuten müssen unsere Hunde heute drei Menschen gefunden haben", sagt Martina Umlandt. Wie das funktioniert? Jeder Rettungshund könne die menschliche Witterung aus der Luft wahrnehmen, erklärt sie. "Kolja kennt mittlerweile das Gewerbe - er ist seit neun Jahren dabei", erklärt Anita Prause, ehe sie ihrem Vierbeiner den Befehl zum Suchen gibt. Belohnt werden die Hunde mit kleinen Leckereien oder Spielzeug.

Eine Partnerschaft, die auf Vertrauen basiert

Doch wie finden die Hunde in weitläufigen Waldgebieten überhaupt die vermissten oder verletzten Personen? Bekannte Szenen, bei denen sie zunächst an einem Kleidungsstück des Vermisstes riechen, um dann die Fährte aufzunehmen, gibt es bei der Übung an der Kiesgrube nicht. "Das wäre das sogenannte Mantrailing, die gezielte Suche nach einer Person", sagt Umlandt und erklärt, dass das derzeitige Training ohne vorgegebene Fährte stattfindet. Hat der Hund schließlich einen Vermissten aufgespürt, wartet er bellend an der Fundstelle, bis der Hundeführer vor Ort ist. Die Hunde hätten dafür ein ausgesprochen gutes Gespür - einen Spaziergänger im Wald würden sie zum Beispiel niemals für einen Verletzten halten.

Doch nicht nur die Tiere müssen während ihrer Ausbildung viel lernen - auch die Hundeführer sind gefragt. "Wir müssen unseren Hund lesen können", erklärt Anita Prause, die mittlerweile die Mimik ihres Collies deuten kann und seine Gefühlslage erkennt. Auch sei es wichtig, unvorhergesehene Reaktionen des Vierbeiners deuten zu können. Die Fähigkeit des Besitzers, die Botschaft des Hundes zu erkennen, könne im Ernstfall Menschleben retten. Dass in der Ausbildung zwischen Hund und Hundeführer ein inniges Vertrauen entsteht, welches stets durch gemeinsame Erfolgserlebnisse in der Ausbildung gefestigt wird, betonen die Hundeführer und Ausbilder immer wieder. Ein erfahrenes Team versteht sich letztendlich "blind" und bildet eine unzertrennliche Einheit. Dies ist das Ziel, das jeder Ausbildung zugrunde liegen sollte.

Informationen über die Teams der RHS BRH Holstein e.V. gibt es unter www.rhs-holstein.de.

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erstellt am 26.Mär.2013 | 02:13 Uhr

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